Spreitenbach
Senevita-Heim: Die Gewerkschaft Unia lanciert eine Facebook-Protestaktion

Die Gewerkschaft Unia hat via Facebook eine Protestaktion gegen das Senevita-Heim Lindenbaum in Spreitenbach lanciert.

Sabina Galbiati
Merken
Drucken
Teilen
Das Senevita-Heim muss derzeit heftige Kritik einstecken.

Das Senevita-Heim muss derzeit heftige Kritik einstecken.

Alex Spichale

Ehemalige Mitarbeitende und Angehörige von Bewohnern kritisieren die Zustände im Senevita-Pflegeheim Lindenbaum in Spreitenbach. Bewohner würden ungenügend ärztlich versorgt und es gebe zu wenig Personal, sodass die Bewohner nicht ausreichend gepflegt werden können und Lernende wie auch Praktikanten Arbeiten übernehmen müssten, für die sie nicht qualifiziert seien, so die Kritik.

Auch der Gewerkschaft Unia sind die Vorwürfe bekannt. So haben zahlreiche ehemalige und aktuelle Angestellte des «Lindenbaum» bei der Unia um Hilfe gebeten. Teils wurden Anwälte eingeschaltet wegen Kündigungen mit «fadenscheinigen Argumenten», sagt Unia-Pflegesekretär Piet Dörflinger. «Wir stehen mit einigen Mitarbeitern des ‹Lindenbaum› in Kontakt», sagt er. «Einige von ihnen erhielten die Kündigung, weil sie die Zustände kritisierten und Verbesserungen forderten.»

Die ehemaligen Mitarbeiter hätten bei der Kündigung auch eine Schweigeklausel unterschreiben müssen, dass sie nichts über Interna erzählen dürften. «Wir klären noch ab, ob dies überhaupt rechtmässig ist. Wir verfügen über Unterlagen, die zeigen, dass eine massive Unterbelegung beim Personal besteht, Lernende überfordert sind und ihre Lehre teils abbrechen oder nicht bestehen», sagt Dörflinger. Die Gewerkschaft hat weitere Massnahmen ergriffen: Via Facebook ruft sie auf, sich mit den Betroffenen des Senevita in Spreitenbach zu solidarisieren. Auf der Website der Gewerkschaft heisst es: «Die Unia fordert in einer Protestmail-Aktion die Senevita-Heime dazu auf, die unhaltbaren Zustände sofort zu ändern!»

Das Pflegeheim weist die Vorwürfe zurück. Man halte sich an die Vorgaben des Kantons und liege beim Personal in der Regel sogar über diesen. Auch hätten die Bewohner jederzeit freie Arztwahl und der hausinterne Arzt kümmere sich kompetent um die Patienten. Weiter seien Schweigevereinbarungen auch in anderen Branchen üblich.

«Alle Arbeitskräfte in der Gesundheitsbranche unterliegen einer Schweigepflicht. Sie dient nicht zuletzt dem Schutz sensibler Daten von Mitarbeitenden und Bewohnern», sagt Senevita-Mediensprecherin Daniela Flückiger. So seien unter Umständen beide Seiten daran interessiert, dass keine Details über Kündigungsgründe nach aussen treten. Zur Unia-Protestaktion sagt Senevita: «Wir kennen die Aktion der Unia und nehmen sie zur Kenntnis, werden sie aber nicht kommentieren.»