Baden

Senioren und ihr Umgang mit der neu gewonnenen Zeit

Der Seniorenrat hat eine Podiumsdiskussion zum Thema «Zeit im Alter, Umgang mit einem kostbaren Gut» organisiert. Dabei wurden Strategien vorgestellt, wie man sich am besten als Senior einlebt.

«Die Zeitwahrnehmung von Senioren und 20-Jährigen ist anders», sagte Ruth Blum, Präsidentin des Seniorenrats der Region Baden. Damit begrüsste sie die Teilnehmer der Senioren-Arena zum Thema «Zeit im Alter – Umgang mit einem kostbaren Gut» im «Roten Turm».

Das einleitende Referat hielt Luzia Vieli-Hardegger: «Es gab Zeiten im Leben, meine Damen und Herren, da hatten Sie sehr viel weniger Zeit.» Damit sprach sie die Thematik an, um die sich die anschliessende Podiumsdiskussion gedreht hatte: Das Zeitempfinden ändert sich im Laufe des Lebens. Über Jahrzehnte wünscht man sich mehr Zeit – mit der Pensionierung beginnt dann eine neue Lebensphase: Plötzlich hat man alle Zeit der Welt. So scheint es jedenfalls. «Aus Zeit-Notstand wurde Zeit-Wohlstand. Trotzdem haben wir das Gefühl, uns renne die Zeit davon. Das ist ein Widerspruch», führte sie weiter aus. 

Seniorenrat Baden: Die jüngste Teilnehmerin der Podiumsdiskussion, Diana Müller-Schramek, im Video-Interview.

Seniorenrat Baden: Die jüngste Teilnehmerin der Podiumsdiskussion, Diana Müller-Schramek, im Video-Interview.

Publikum erkennt sich wieder

Für den Umgang mit der Zeit im Alter gab die Referentin den Zuhörern dann auch einige Tipps. Sie hat den Lehrgang «Altersbildung und Animation» besucht, sprach aber auch aus eigener Erfahrung: Man solle eine Auswahl treffen. «Wenn Sie überall Ja sagen, fallen Sie wieder in die alte Hektik aus dem Berufsleben zurück.» Weiter solle man Träume nicht aufschieben, in der Gegenwart leben und die richtige Balance zwischen Musse und Tätigkeit finden. Das Leben könne nicht immer auf der Überholspur stattfinden.

Als Vieli-Hardegger ihre vier Typen von Pensionierten vorstellt, müssen einige Zuhörer im Publikum schmunzeln – offenbar erkennt man sich selbst oder seinen Partner wieder. Vieli-Hardegger unterscheidet die Weitermacher, wie zum Beispiel Selbstständige; die Anknüpfer, die ihre beruflichen Erfahrungen nach der Pensionierung irgendwie weiterverwenden; die Befreiten, die ihre neu gewonnene Zeit einfach geniessen und zu guter Letzt die Nachholer, die sich ihren Traum nach der Pensionierung noch erfüllen möchten.

Die Ansichten über die Thematik deckten oder ergänzten sich grösstenteils – wirkliche Streitpunkte gab es keine. So sagte die Psychotherapeutin Linda Briendl: «Wenn du selbstständig bist, kommt mit 65 Jahren niemand und sagt du sollest aufhören zu arbeiten.» Bei Niklaus Gerber, Vizepräsident des Seniorenrats, war es anders. Er war gezwungen, seine Arbeit niederzulegen. «Ich wusste nicht, was ich mit der neu gewonnenen Zeit anfangen sollte. Ich habe irgendeine Aktivität gebraucht», sagte er. Sein 50+ Studium in Bern habe ihm wieder Struktur gegeben. Die Balance zu finden zwischen Aktivität und Ruhe sei für ihn aber immer noch eine Herausforderung.

Auch die jüngste Teilnehmerin der Diskussion, die 32-jährige Diana Müller-Schramek, Leiterin der Fachstelle Alter im Departement Gesundheit und Soziales, hatte Probleme den Ausgleich zu finden: «Mit 20 habe ich möglichst viel in meinen Tag reingepackt. Heute mache ich alles viel bewusster.»

Der reformierte Pfarrer Werner Ebling sieht sich selbst als Weitermacher. Er beschreibt das Alter gern mit Bildern: «Alt werden ist wie eine Bergtour. Je länger man geht, desto schwieriger wird es aber desto weiter sieht man.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1