Baden
Sensationsfund: Unbekanntes, römisches Badebecken kommt bei Bauarbeiten zum Vorschein

Ein spektakulärer Fund am Badener Kurplatz erklärt ein wichtiges Stück Stadtgeschichte. Das neu entdeckte Becken dürfte bis ins Mittelalter oder in die frühe Neuzeit Teil des legendären Badener Verenabades gewesen sein, in dem man bis ins 19. Jahrhundert unter freiem Himmel badete.

Andreas Fahrländer
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Der Kurplatz in Baden mit dem römischen Bassin vor dem «Verenahof» (unten rechts).

Der Kurplatz in Baden mit dem römischen Bassin vor dem «Verenahof» (unten rechts).

Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen

In den Badener Bädern herrscht diese Woche helle Aufregung. Am Kurplatz, der zurzeit grundlegend umgestaltet wird, haben die Archäologen eine Sensation entdeckt. Wenige Schritte vor dem Säulenportal des ehemaligen Hotels Verenahof kam bei den Bauarbeiten ein bislang unbekanntes römisches Badebecken zum Vorschein. Auch die runde, massiv gemauerte Quellfassung der Wälderhutquelle aus dem Mittelalter liegt nun erstmals nach langer Zeit wieder offen. Die Fassung wurde nach vielen Jahrhunderten direkt ins ursprüngliche, römische Bassin hineingebaut.

Besonders bemerkenswert: Das neu entdeckte Becken dürfte bis ins Mittelalter oder in die frühe Neuzeit Teil des legendären Badener Verenabades gewesen sein, in dem man bis ins 19. Jahrhundert unter freiem Himmel badete. Offenbar wurde das Bad im Laufe der Zeit einmal verkleinert. «Wir kommen damit dem Beleg sehr nahe, dass in den Badener Bädern seit der Römerzeit ununterbrochen gebadet wurde», sagt Andrea Schaer. Die Archäologin und ausgewiesene Bäder-Expertin begleitet im Auftrag der Kantonsarchäologie den laufenden Thermal- und Werkleitungsbau am Kurplatz. Nicht zuletzt für das neue Thermalbad, das nächstes Jahr eröffnet werden soll, werden jetzt zahlreiche neue Thermalwasserleitungen verlegt.

Als die Römer Baden zum grossen Heilbad ausbauten

«Das römische Bad zusammen mit der Quellfassung ist ein spektakulärer Fund», erklärt Schaer. Das Becken dürfte nach ihrer Einschätzung aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts oder allenfalls aus dem frühen 2. Jahrhundert stammen. «Auf jeden Fall aus der Zeit, als Aquae Helveticae im grossen Stil als Heilbad ausgebaut wurde.»

Die Frage, ob in Baden auch zwischen Römerzeit und Mittelalter ein Badebetrieb bestand, ist bis heute nicht definitiv geklärt. Die Indizien mehren sich jedoch, dass hier seit 2000 Jahren durchgehend gebadet wurde. Wenn die römischen Becken verfallen wären, hätte man sie im Mittelalter eben nicht ausgebaut und weiter benutzt, sondern neue Becken angelegt.

Die bisher freigelegte Ecke des römischen Bassins mit den Einstiegsstufen und der Wälderhutquelle (oben).

Die bisher freigelegte Ecke des römischen Bassins mit den Einstiegsstufen und der Wälderhutquelle (oben).

Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen

Auch die Bauweise des jetzt entdeckten Bades – es hat elegant gearbeitete Einstiegsstufen und einen gut erkennbaren Überlauf – aus dickem Kalksteinbeton deutet daraufhin, dass es sich tatsächlich um das spätere Verenabad handelt. Auf den Bildern des Zürcher Malers Ludwig Vogel vom Verenabad um 1820 erkennt man das charakteristische Rautenmuster des nun freigelegten Mauerwerks (lateinisch opus reticulatum). «Wir klären derzeit ab, ob für die geplanten Leitungsbauten weitere Bereiche des Bades sondiert werden müssen», erklärt Andrea Schaer. Bislang ist erst eine Ecke freigelegt. In jenem Spickel des Kurplatzes, an dem bald eine neue Orangerie im «Verenahof» entstehen soll.

Historische Fotos des Bäderquartiers:

Der Badener Kurplatz mit dem Schweizerhof und dem Staadhof, links hinter der Linde.
15 Bilder
Das Hotel Verenahof am Kurplatz, um 1900.
Das offene Verenabad in der Darstellung des Zürcher Malers Ludwig Vogel, 1820.
Der Freihof von der Limmat aus, um 1896 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.209
Inhalatorium Limmathof, um 1899 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.218
Ennetbaden um 1910 von der Schiefen Brücke aus Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.196
Ennetbaden um 1885 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.203
Blick auf die Limmat, das Grand Hotel und Rieden um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.78
Das Grand Hotel um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.107
Die Terrasse des Grand Hotels um 1895 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.60
Der Rolls Royce in der Garage des Grand Hotels um 1952 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.453
Das Hotel Bären und die neue Dreikönigskapelle um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.91
Der Speisesaal des Hotels Blume um 1900 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.1143
Goldwand um 1911 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.252
Kuranlage mit Trinkbrunnen um 1935 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.33

Der Badener Kurplatz mit dem Schweizerhof und dem Staadhof, links hinter der Linde.

Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q.12.1.954

Der Kurplatz dürfte noch manchen Schatz bergen

«Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir das hier finden», sagt Schaer. Zu Bauverzögerungen komme es deswegen nicht, da die Arbeiten am Kurplatz noch kurzfristige Umstellungen erlauben. Andrea Schaer schätzt die Wasserfläche des langen, rechteckigen Bassins – also des ursprünglichen Verenabades – auf rund 6 mal 14 Meter. Nun werde geklärt, ob der Fund Einfluss auf die geplanten Leitungsverläufe hat. Die freigelegte Ecke und das restliche Verenabad bleiben im Boden des Kurplatzes erhalten. Klar ist: Der Kurplatz dürfte noch zahlreiche wertvolle Schätze in sich bergen.