Als wäre nichts geschehen, schieben Frauen ihre Fahrräder mit den Einkäufen auf dem Gepäckträger den Serpentinenweg in Wettingen hinunter, um nach Hause in die Webermühle-Siedlung zu gelangen. Dabei klafft seit Samstagabend ein rund fünf Meter langes Loch mitten im Weg. An der tiefsten Stelle ist der Weg gut 70 Zentimeter abgerutscht. Auch hangabwärts neben dem Weg ist ein breiter Riss im Erdreich zu sehen. Die Riesenfurche befindet sich unmittelbar neben der Baustelle des künftigen Schräglifts. Mehrere Bewohner der Webermühle sind sich sicher, dass das Erdreich wegen der starken und langandauernden Regenfälle ins Rutschen geraten ist. «Die Rodungen bei der Baustelle dürften aber auch dazu beigetragen haben, dass der Hang an jener Stelle nicht mehr so stabil ist», mutmasst eine Anwohnerin.

«Bereits am Donnerstag und Freitag konnte man einen feinen Riss im Weg erkennen», sagt ein junger Anwohner. «Der Riss war zu diesem Zeitpunkt aber nur ungefähr zwei Zentimenter breit». Am Samstagmorgen seien es bereits 20 Zentimeter gewesen, erinnert er sich. Am Abend sei der Weg definitiv abgerutscht. Und zwei Frauen, die den Weg herunterkommen und sich über die Furche wagen, sind sich einig: «Mehr Regen erträgt der Hang sicher nicht mehr.» Sie sorgen sich zwar, dass der Weg nicht mehr sicher ist, aber den langen Umweg über die «Gwagglibrugg», wie die Paul-Fischer-Brücke unterhalb der alten Spinnerei genannt wird, wollen sie trotzdem nicht auf sich nehmen.

Absperrband zerrissen

Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass gestern Morgen das rot-weisse Absperrband am Geländer des Webermühlestegs zerrissen herunterhing. Der Steg verbindet die Neuenhofer Siedlung mit ihren knapp 370 Wohnungen über die Limmat mit Wettingen. Auch oberhalb des Hanges, wo der Serpentinenweg in die Alberich-Zwyssig-Strasse mündet, hing ein zerrissenes Absperrband. Die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal hatte den Weg am Pfingstsonntag in der Früh gesperrt. «Doch wer auf den Zug eilen muss, wird kaum den Umweg über die alte Spinnerei und die Klosterhalbinsel machen», sagt der junge Anwohner. «Zu Fuss sind das sicher 15 Minuten zusätzlich». Daher hätte wohl jemand die Absperrbänder kurzerhand zerrissen.

Die Bau- und Planungsabteilung von Wettingen hat den Weg gestern begutachtet und ist zum Schluss gekommen, dass der Weg im Moment zu gefährlich ist. «Deshalb hat die Gemeinde die Bauherrin des Lifts, die Wincasa, angewiesen, den Weg umgehend sicher abzusperren», sagt der Wettinger Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer.

Die Wincasa ist im Rahmen des Bewirtschaftungsvertrags für den Unterhalt des Serpentinenwegs zuständig und bestätigt, dass dieser wegen der starken Regenfälle unterspült wurde. «Die zuständige Bauunternehmung vor Ort wurde von uns beauftragt, die Instandstellung umgehend in die Wege zu leiten», sagt Jaroslav Trecek, Projektleiter bei der Wincasa.