Casino Baden

Sexismus-Vorwurf gegen Casino

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SP-Einwohnerrätin Andrea Arezina will, dass die Stadt Baden sich als Mehrheitsaktionärin des Casinos gegen sexistische Kampagnen einsetzt.

Die Rollen im Casino Baden sind klar verteilt. Die Geschäftsleitung besteht nur aus Männern. Im Verwaltungsrat sind sie stark in der Überzahl (sieben von neun). Auf ihren Plakaten ist es umgekehrt. Frauen dominieren. Während das Männer-Management sich auf seinem Gruppenfoto zugeknöpft und starr gibt, zeigen sich die Damen auf den Plakaten offenherzig und in erotischen Posen. Die Plakatkampagnen bewegen sich an der Grenze zum Sexismus.

Im Jahr 2006 zog das Casino Plakate zurück, auf denen sich eine halbnackte Frau auf einem aufblasbaren Delphin räkelte. Zuvor hatte die Lauterkeitskommission, welche sich mit Streitfällen in der Werbebranche beschäftigt, die Kampagne gerügt. Auch gegen die Nachfolge-Kampagne (siehe Bild) von der gleichen Agentur wurde Klage erhoben. Auf den aktuellen Plakaten ist die Dame zwar immer noch in sexy Pose. Sie räkelt sich aber nicht mehr auf einem Badi-Delphin, sondern serviert Essen, mixt Cocktails oder singt.

Diesmal stellte die Kommission keinen Verstoss gegen die Sexismus-Richtlinien fest. Thomas Meier, Sprecher der Lauterkeitskommission, erklärt: «Wir prüfen vor allem, ob eine Werbung irreleitend ist. Wenn Sexismus-Klagen eingehen wegen Plakaten mit leicht bekleideten Frauen, schauen wir insbesondere darauf, ob zwischen dem Frauenkörper und dem beworbenen Produkt ein natürlicher Zusammenhang besteht. Im konkreten Fall ist es unwahrscheinlich, dass man im Casino einer Frau begegnet, die auf einem Plastik-Delphin reitet. Leichtbekleidete Bardamen hingegen sind durchaus üblich.» Meier gibt auch zu bedenken, dass die Lauterkeitskommission keine moralische Instanz ist. Sie versuche in erster Linie, Verstösse gegen das Empfinden des «Durchschnittsadressaten» zu ahnden.»

Nicht zu den Durchschnittsadressaten gehört die Badener Einwohnerrätin Andrea Arezina (SP). Sie fühlt sich von der Werbung nicht angesprochen und fragt sich: «Richtet sich das Angebot des Casino Baden nur an heterosexuelle Männer?». Für sie ist klar: «Diese Plakate sind sexistisch.» Sie passten zum allgemeinen Trend, Frauen in der Werbung als Produkt darzustellen und damit herabzuwürdigen. Sie will nun auf politischem Wege solche Kampagnen verhindern, denn das Casino ist zu 51 Prozent im Besitz der Stadt Baden. Diese ist im Verwaltungsrat mit Vizeammann Markus Schneider vertreten.

In einer Anfrage an den Stadtrat fordert sie ihn indirekt auf, sich im Verwaltungsrat gegen sexistische Werbung auszusprechen. Detlef Brose, Chef des Casinos, weist die Sexismusvorwürfe zurück. «Bei der Auswahl des Models haben wir uns, unabhängig vom Geschlecht, für Sira Topic, ein national bekanntes Model, entschieden», sagt er. Ihre Kleidung sei eine Anlehnung an die 1920er-Jahre und an das amerikanische Unterhaltungstheater Burlesque und verweise aufs Entertainment-Angebot. Sowohl Geschäftsleitung wie auch der Verwaltungsrat des Grand Casino Baden ständen hinter der Kampagne. «Da weder die Lauterkeitskommission noch wir eine unangemessene Darstellung von Sexualität oder gar Geschlechtsdiskriminierung erkennen können, steht ein Rückzug der Kampagne nicht zur Diskussion», sagt Brose.

Tatsächlich stützt die Lauterkeitskommission die Sicht der Casino-Betreiber. Sie konnte keine unangemessene Darstellung von Sexualität feststellen. Ist damit Arezinas Vorstoss vom Tisch? Nicht unbedingt, sagt Kommissionssprecher Meier. Die Lauterkeitskommission gebe lediglich Empfehlungen an die Branche ab. «Es ist kein Präjudiz dafür, ob gewisse Formen der Werbung auf politischem Weg bekämpft werden, auch wenn wir sie als ok befunden haben.» Ob dies geschieht, muss der Einwohnerrat von Baden entscheiden. Dessen nächste Sitzung ist am 1. September.

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