Es gibt zahlreiche Gründe, nach Wettingen zu ziehen, das Dorf gilt gar als Wunschwohnort. Dies ergab eine Zu- und Wegzügerbefragung des statistischen Amtes des Kantons Zürich. Aber lediglich 5 Prozent der Zuzüger gaben 2013 an, dass das Angebot an Kinderkrippen oder Tagesstrukturen sie nach Wettingen lockte. Zum Vergleich: Für 48 Prozent war die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr (öV) mitentscheidend, sein trautes Heim nach Wettingen zu verlegen. Das Einkaufs- und Dienstleistungsangebot war für 47 Prozent wichtig.

«Dass wir mit dem öV oder dem Einkaufsangebot punkten, davon gingen wir aus», sagt Gemeindeammann Markus Dieth. «Das Resultat in diesen Bereichen bestätigt uns in unseren Bemühungen.» So initiierte unter anderem die Standortförderung mit dem Handels- und Gewerbeverein die Glückswochen, um Wettingen als Einkaufsort attraktiver zu machen. «Wir waren aber sehr überrascht, wie eklatant wenig Zuzüger das Betreuungsangebot als entscheidendes Argument nannten, um in unser Dorf zu ziehen.»

Familien ziehen weniger um

Dennoch ist die Tagesstruktur in Wettingen ein wichtiges Thema: «Das Stimmvolk forderte 2012 klar, dass wir unser Betreuungsangebot ausbauen müssen», sagt Dieth. 60 Prozent der Bevölkerung sagten damals Ja zur ausserschulischen Kinderbetreuung unter der Woche von 7 bis 18 Uhr. Dies gilt sogar während acht Ferienwochen. Betreuungsplätze sind laut Stefan Liembd, Leiter der Sozialabteilung, durchaus begehrt: «Im Vergleich zum ersten Betriebsjahr ist die Nachfrage für das Schuljahr 2014/2015 gestiegen. Wir haben zwar noch keine Wartelisten, aber mittags und nachmittags sind wir ausgelastet.»

Dies gelte auch für die Krippenplätze für Kinder, die noch nicht zur Schule gehen. «Nur die Frühstundenbetreuung von 7 bis 8 Uhr läuft noch nicht so gut.» So werde im Schulhaus Altenburg das Angebot nur zwei Mal pro Woche genügend genutzt, um es durchführen zu können. «Es gilt sicher zu prüfen, ob wir den Zugang zum Betreuungsangebot besser bekannt machen müssen», sagt Gemeindeammann Dieth. Zu geplanten Massnahmen kann Sandra Frauenfelder, Leiterin Standortförderung, noch keine Auskunft geben: «Sie werden demnächst im Gemeinderat besprochen.»

Nicht nur in Wettingen ist das Betreuungsangebot für Kinder kaum ein ausschlaggebender Zuzugs-Grund: 20 Gemeinden machten 2013 an der Zu- und Wegzügerbefragung mit – in keiner Gemeinde gaben mehr als 9 Prozent der Zuzüger die Kinderbetreuung als entscheidend an. Auf Anfrage nannte das statistische Amt des Kantons Zürich als mögliche Ursache, dass Familien in der Regel weniger häufig umziehen als Einzelpersonen. Tatsächlich handelte es sich in Wettingen lediglich bei 13,3 Prozent der Befragten um Familien mit Kindern unter 17 Jahren, über alle Gemeinden betrachtet lag der Anteil der Familien bei 17,8 Prozent.