Hunderte von Menschen steigen täglich beim Bahnhof Spreitenbach-Killwangen ein und aus. Bis jetzt war der Bahnhof dabei weder rollstuhl- noch kinderwagenfreundlich: Es gab keinen Lift zur Unterführung und auch keine Rampen, um zu den Gleisen zu gelangen. Damit die SBB den heutigen Anforderungen, die das 2004 in Kraft gesetzte Behindertengleichstellungsgesetz verlangt, gerecht werden, sind seit dem 1. März nun Bauarbeiten im Gang, um diesen Missstand zu beheben.

Auch wenn der Lift noch nicht eingebaut ist, kann eine der zwei Rampen inzwischen genutzt werden; diejenige zum Perron 5/6. Dort steht auch seit wenigen Tagen ein neues Wartehäuschen zur Nutzung bereit, das alte wurde abgerissen.

Weniger Behinderungen

Dieses Häuschen sorgt nun bei einem regelmässigen SBB-Nutzer für Irritation. Er machte die AZ auf das neue «Mini-Häuschen» aufmerksam. Das alte war einiges grösser — und lag zentraler in der Mitte des Perrons. Der SBB-Kunde findet die jetzige Platzierung «unglücklich». Das Häuschen sei zu weit weg vom Treppenaufgang: «Man hätte es auch gleich vor den Eingang zum Heitersberg-Tunnel hinstellen können», meint er sarkastisch. Er fragt sich, warum die SBB ein viel kleineres Wartehäuschen hinstellen und dann auch noch so weit entfernt — angesichts des täglichen Personenaufkommens am Bahnhof Spreitenbach-Killwangen.

SBB-Mediensprecher Christian Ginsig gibt die Antwort: «Um die Sicherheit der wartenden Kunden auf dem Perron zu gewährleisten und mehr Platz auf dem Mittelperron auszuweisen, werden im Zuge der Arbeiten für die behindertengerechten Zugänge, die Mittelperrons im zentralen Bereich von Mobiliar freigestellt.» Das heisst, die Wartehalle wurde abgerissen und mit dem Wartehäuschen am Ende des Perrons in Richtung Baden ersetzt, um die Zugänge zu den Rampen und Treppen für die öV-Nutzer nicht zu behindern. Dasselbe Schicksal droht auch der anderen Wartehalle, die noch auf Perron 2/3 zu finden ist. Damit die neuen Wartehäuschen in Zukunft niemandem im Weg stehen, liegen sie ausserhalb der stark genutzten Bereiche — «wenn möglich aber immer noch unterhalb des Perrondachs». Zudem könnten sich die Wartenden so auf den Perrons besser verteilen.

Wartehäuschen passen sich an

In sonnigeren und trockeneren Zeiten wie sie auch jetzt im November noch herrschen, ist ein kleines Wartehäuschen wohl kein so grosses Problem. Doch die winterliche Kälte wird eines Tages sicherlich auch in Killwangen Halt machen. Dann mögen es die öV-Nutzer besonders gerne, wenn sie in einem von Wind und Wetter geschützten Wartehäuschen auf ihren Zug warten können. Sitzend werden in diesen Genuss künftig pro Perron höchstens vier Personen auf einmal kommen. Warum sind die Wartehäuschen neu so klein? «Am Bahnhof Spreitenbach-Killwangen fahren viele sehr schnellfahrende Züge durch», erklärt Ginsig. Aufgrund strengerer Sicherheitsvorschriften brauche es deshalb zwischen dem Wartehäuschen und den Gleisen mehr Platz. Die Grösse des Häuschens passt sich also an den neuen Standort an und ist deshalb kleiner geworden.

Der Umbau ist Sache der SBB und kostet rund 8,3 Millionen Franken. Die zweite Rampe zu den Gleisen 2/3 ist noch in Arbeit. Neben dem Bau eines Lifts vom Bahnhofsvorplatz zur Unterführung verlängert die SBB auch die Perrondächer. Und damit das Einsteigen in die Züge ebenerdig ist, werden die Perrons 5/6 in Richtung Zürich erhöht. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich noch bis Mitte 2019.