Baden

Sie befördert die Leute ins Jenseits

Autorin Conny Lüscher macht es Spass, ihre Leserschaft in Angst und Schrecken zu versetzen.

Autorin Conny Lüscher macht es Spass, ihre Leserschaft in Angst und Schrecken zu versetzen.

Im neuen Buch von Conny Lüscher erleben die Leser mörderische Kurzgeschichten, die in Baden spielen.

Es ist mucksmäuschenstill auf dem Friedhofspark. Conny Lüscher hat sich gewünscht, sich für den Bericht zu ihrem neuen Buch «Baden kann tödlich sein» an diesem «verwunschenen» Ort fotografieren zu lassen. Sie ist ganz in Schwarz gekleidet – wie meistens. Plötzlich huscht ein Schatten über den gekiesten Weg. Was war das? Ein Tier? Klang aber gar nicht so.

Wer das neue Werk der Autorin mit zwölf Kurzgeschichten gelesen hat, nimmt die alltägliche Umgebung mit geschärften Sinnen wahr. Entdeckt plötzlich eigenartige Dinge. Wie die Schriftstellerin, deren wache dunkelbraune Augen ständig auf der Suche nach Material für ihre Bücher sind. Anstrengen muss sie sich dabei allerdings nicht: «Die Ideen lauern in jeder Ecke auf mich und rauben mir manchmal den Schlaf», erzählt sie.

«Baden kann tödlich sein» ist ihr viertes Oeuvre nach zwei Psychothrillern und einem Fantasyroman. Wie der Titel schon sagt, spielen sich die unheimlichen und teilweise völlig unerwartet endenden Storys allesamt in Baden ab. Sie hat sozusagen einen kriminalistischen Reiseführer durch die Limmatstadt verfasst.

Frau M. hegt während dem Bau des neuen Botta-Bads mordlüsterne Gedanken, wie sie ihren pensionierten und engstirnigen Gatten loswerden könnte. Brösmel, ein geborener Verlierer, schmiedet im Restaurant Isebähnli bei einem warmen Siedfleisch-Salat Pläne, um sich an der Welt zu rächen. Ihr Buch sei aber nicht nur für Badenerinnen und Badener bestimmt, betont Lüscher. «Es ist im ganzen deutschsprachigen Raum erhältlich und soll auch Menschen von auswärts dazu animieren, den verschiedenen Schauplätzen der Geschichten nachzugehen.»

Weiblicher «Jekyll and Hyde»

Lüschers Figuren in «Baden kann tödlich sein», geraten durch die unglückliche Verkettung scheinbar alltäglicher Umstände in Situationen, die böse enden. Nie würde man der blonden Frau mit dem Schalk im Blick die dunkle Seite geben, die sie in ihren Büchern offenbart. Und genau das bereitet ihr ein geradezu spitzbübisches Vergnügen. «Ich führe die Leser gerne in die Irre», sagt sie und fügt hinzu: Sie sei wahrscheinlich ein weiblicher «Jekyll and Hyde».

Ihre helle humorvolle Seite offenbart Conny Lüscher mit ihren Comics, die sie seit über 10 Jahren wöchentlich in der Rundschau publiziert. Mit viel Witz skizziert sie die Widrigkeiten des Alltags und komprimiert sie auf ein einziges Bild. Und bringt ihre Fangemeinde dazu, über sich selber und ihre eigenen Unzulänglichkeiten zu lachen. Die Inspirationen gehen ihr nie aus. «Der Tag hat viel zu wenig Stunden, um alles umzusetzen, was in meinem Kopf herumschwirrt», meint sie. Spricht man über ihre Arbeit, ist Lüscher Feuer und Flamme. Beim Privatleben wird sie wortkarg. «Ich kann eigentlich nur schreiben und zeichnen. Im Reden über mich selber bin ich miserabel. Zudem lasse ich mich ungern schubladisieren», bekundet sie. In knappen Worten spricht sie von einer schwierigen Kindheit, in der Bücher das Tor in andere Welten waren, und ihrer Schulzeit in Ennetbaden und Nussbaumen.

Aufsätze gegen Gummibärchen

Nach jahrelangen Tätigkeiten als Sekretärin, unter anderem bei der Musikzeitschrift Pop und der Kinofamilie Sterk, machte sie sich zuerst als Malerin selbstständig. «Der rote Faden durch mein Leben war aber immer das Schreiben», betont Lüscher. Schon in ihrer Schulzeit habe sie mit ihren Mitschülern einen regen Tauschhandel betrieben: Aufsätze gegen Gummibärchen.

Am meisten Spass mache es ihr, die Leserschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. In ihrem neuen Buch macht sie das mit einem Augenzwinkern. «Nächste Manuskripte der noch düsteren Art liegen bereits in meiner Schublade», erzählt Lüscher. Und ihr Ehemann Ruedi müsse des Öfteren Fragen beantworten, wie es sich denn so lebe, mit einer Frau, die in ihrer Fantasie reihenweise Leute ins Jenseits befördere. Conny Lüschers Buch «Baden kann tödlich sein» ist im Oktober im Boderverlag.ch erschienen und im Handel erhältlich.

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