Würenlos
Sie bringt medizinisches Wissen aus der Schweiz nach Guinea

In einem Monat ist Mirjam Markwalder, Pflegefachfrau und Ausbildnerin von Gesundheitspersonal, vermutlich bereits nicht mehr in der Schweiz. Sie wird ab Ende August wieder im Dienst von Médecins Sans Frontières (MSF) stehen.

Fabienne Eichelberger
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Während 15 Monaten hat Mirjam Markwalder das Personal im Gesundheitszentrum in Guinea ausgebildet. ZVG

Während 15 Monaten hat Mirjam Markwalder das Personal im Gesundheitszentrum in Guinea ausgebildet. ZVG

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Seit fünf Jahren ist Mirjam Markwalder ür die Non Profit Organisation tätig. Der letzte Einsatz führte sie nach Guinea. 15 Monate hat die gelernte Pflegefachfrau in einem Gesundheitszentrum in Conakry, der Hauptstadt Guineas, gearbeitet.

Ihr Job war es, die lokalen Pflegekräfte auszubilden und die Strukturen im Zentrum zu verbessern. Keine leichte Aufgabe, wie sie erzählt. Probleme bereiteten etwa Differenzen im Team und die unterschiedliche Arbeitsauffassung von Schweizern und Guineern. «Einige sagen zwar ‚jaja’, machen aber weiter wie bisher», erklärt Markwalder.

Davon liess sich die 36-Jährige nicht beirren: «Wenn in einer Schweizer Unternehmung Strukturen verändert werden, gibt es auch immer Mitarbeiter, die sich dagegen sträuben.» Zudem habe sie eine deutliche Verbesserung im Gesundheitszentrum festgestellt.

Die für Markwalder gewöhnungsbedürftige Arbeitsweise war das eine, die politische Situation das andere: «Im März hat es geknallt», erzählt die Würenloserin. Es gab Schiessereien, Autos brannten, Tränengas lag in der Luft. «Angst hatte ich nie», sagt Markwalder. Viel mehr habe sie gestört, dass die Unruhen ihre Arbeit behinderten. «Wir mussten 100 000 Sicherheitsregeln beachten und an einigen Tagen sogar zu Hause bleiben.»

Markwalder selber konnte auch von ihrer Wohnung aus arbeiten. Da sie eine Führungsposition inne hatte, musste sie oft Berichte verfassen. «Dadurch hatte ich eine gewisse Distanz zu den Patienten – hauptsächlich war ich fürs Personal da», erklärt sie.

Trotzdem gibt es Schicksale, die sie nicht so schnell vergessen wird. Zum Beispiel das eines 4-jährigen Knaben: «Er wurde mit Spätfolgen von Syphilis eingeliefert, hatte Lähmungserscheinungen und offene Wunden.»

Vermutlich hätten sich die Eltern keine Behandlung leisten können – bei den Ärzten von MSF war sie gratis. «Normalerweise kostet eine Hospitalisation umgerechnet fünf Franken», sagt Markwalder. Das entspreche in Guinea ungefähr zehn Mahlzeiten.

Obwohl sie mit schwierigen Situationen konfrontiert war, gelingt es Markwalder, das Erlebte hinter sich zu lassen. Sie sage sich jeweils: «Das war in Guinea und jetzt bin ich wieder in der Schweiz.»

Wie viele Einsätze die Pflegefachfrau noch für MSF machen will, weiss sie noch nicht. Als Nächstes würde sie ein Flüchtlingslager reizen. Aber: «Ich gehe überall hin.»