Ennetbaden
Sie bringt Südafrika in die Schweiz: Künstlerin Ira van der Merwe begeistert mit Tierbildern

Ira van der Merwe zeichnet Tiere, die sie in ihrer Kindheit im Busch hautnah erlebte.

Ursula Burgherr
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Ira van der Merwe mit ihren «Haustieren»: Im Arm hält sie Hund Jabu, hinten hängt ihre Zeichnung eines Elefanten. Sandra Ardizzone

Ira van der Merwe mit ihren «Haustieren»: Im Arm hält sie Hund Jabu, hinten hängt ihre Zeichnung eines Elefanten. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Der Elefant, den Ira van der Merwe mit Kohle auf eine zwei mal eineinhalb Meter grosse Papierbahn gezeichnet und in ihrer Ennetbadener Wohnung aufgehängt hat, wirkt so naturgetreu, als ob er gleich aus dem Bild stapfen und mit seinem Rüssel nach dem Tulpenstrauss auf dem Esstisch greifen würde. «Ich will den Leuten mit meinen fotorealistischen Bildern die Tiere meiner Heimat Südafrika so nahe bringen, wie es hierzulande nie möglich wäre», sagt van der Merwe. Die attraktive 37-Jährige strahlt einen entwaffnenden Charme aus.

Für den Dickhäuter dienten verschiedene Fotografien als Vorlage. Zwei Monate arbeitete sie tagtäglich daran, bis ihr Werk vollendet war. «Zuerst mache ich jeweils eine Bleistiftskizze, dann gehe ich mit Kohlestift dahinter. Damit das schneeweisse Papier nicht schmutzig wird, muss ich ständig mit dem Knetgummi-Radierer Spuren verwischen. Schlussendlich wird das Ganze dann mit Klarlack fixiert», erklärt sie ihre Technik.

Wilde Tiere hautnah erlebt

Fotobücher über ihr Œuvre zeigen Giraffen, Büffel, Gnus. Alles Tiere, die sie in ihrer Kindheit im Busch hautnah erlebte. «Wir gingen oft zum Camping. Nicht in Luxuszelten, wie viele Touristen. Sondern ganz einfach, ohne Strom und Wasser», erinnert sich van der Merwe. Einmal sei sie beim Zubereiten des Essens von einer Hyäne angestarrt worden. Ein anderes Mal habe sie wenige Meter vor ihr einen Leoparden entdeckt, der träge im Baum hing.

Die Karriere als Kunstlehrerin hängte die kreative Frau wegen ihrem Mann Wim an den Nagel. Auch er ist Südafrikaner und arbeitet als Elektroingenieur in einer Forschungsabteilung der ABB. Das brachte die beiden nach Ennetbaden. Seit sechs Jahren wohnt das Paar im Aargau. Jetzt ist ein Baby unterwegs. Das Mädchen soll in etwa einem Monat zur Welt kommen.

Zur Familie gehört auch Hund Jabu, ein verspielter und gutmütiger Goldendoodle (Kreuzung zwischen einem Golden Retriever und einem Pudel). «Wim hat mich ermutigt, mit dem Zeichnen meiner Tierbilder weiterzumachen», erzählt Ira van der Merwe. Als sie einigen Leuten die ersten Grossformate bei sich zu Hause zeigte, setzte das einen Schneeballeffekt in Gang: «Bestellungen kamen herein. Jemand knüpfte den Kontakt zu einer Galerie, eines ergab das andere», sagt die Künstlerin und wirkt immer noch etwas überrascht.

Seit 2017 hat sie ihre Kunstwerke bereits an rund 20 Ausstellungen gezeigt. Noch bis zum 23. März präsentiert van der Merwe 13 ihrer Exponate in der Gemeindehausgalerie in Spreitenbach. Mittlerweile zeichnet van der Merwe auch einheimische Tiere, wie etwa Füchse und Steinböcke. Bis in die USA und nach Australien wurden ihre Werke schon verkauft. Eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten wäre ihr Traum. «Aber zuerst soll mein Mann sein MBA-Studium zu Ende bringen. Dann kommt das Baby. Und danach sehen wir weiter», meint die werdende Mutter.

Ihr Optimismus und ihre Fröhlichkeit sind ansteckend. «In Südafrika litten wir unter dem Klima, der Politik und der Armut. Aber wir waren immer freundlich und halfen einander. Positiv sein, aus allem das Beste machen und vorwärtsschauen, diese Haltung wurde mir schon als Kind eingeprägt», sagt sie.

Rassenkonflikte und Repressionen seien in ihrer alten Heimat Alltag gewesen. Schwarz und weiss waren strikt getrennt. «Unsere Hoffnungen auf ein friedliches Zusammenleben wurden unter dem Regime von Jacob Zuma zunichtegemacht. Seit diesem Monat ist Cyril Ramaphosa im Amt. Ich freue mich darüber sehr für mein Land, denn es kann nur besser werden», sinniert die Südafrikanerin mit holländischer Mutter.

In Ennetbaden soll ihre Tochter mit der Muttersprache Afrikaans aufwachsen. «Wir wünschen uns aber auch, dass sie Schweizerdeutsch lernt», betont Ira van der Merwe, die in ihrer Arbeit zurzeit voll eingebunden ist. Zweimal pro Woche gibt sie Kunst-Workshops für Kinder in Zürich. Spielerisch, offen und ungezwungen führt sie den Nachwuchs ans Zeichnen und Malen heran. Das ist ihre Stärke.