«Die SVP Aargau muss im Nationalratswahlkampf 2019 auf eine ihrer aufstrebendsten Frauen verzichten. Die Recycling-Unternehmerin Karin Bertschi will nicht nach Bern», schrieb die AZ letzte Woche. Sie setze «Prioritäten bei Unternehmen, Familien und Kirche», wie Bertschi am Donnerstag auf Facebook mitteilte. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn während Bertschi verzichtet, stehen im östlichen Kantonsteil gleich zwei junge SVP-Frauen in den Startlöchern für die Nationalratswahlen 2019.

Von den aktuell sieben Aargauer SVP-Nationalräten treten mit Ueli Giezendanner, Sylvia Flückiger, Maximilian Reimann und Luzi Stamm gleich vier Bisherige nicht mehr an. Somit dürfen sich automatisch diejenigen SVPler Hoffnung machen, die bei den Nationalratswahlen 2015 die Ehrenplätze belegt haben. Nebst Martin Keller (Obersiggenthal) auf dem ersten Ersatzplatz ist das vor allem die Badenerin Stefanie Heimgartner, die damals den stolzen 3. Ersatzplatz holte.

Wahl zur Präsidentin umstritten

Die 31-jährige SVP-Einwohnerrätin und Grossrätin blickt trotz ihres jungen Alters auf eine lange Karriere als Politikerin zurück. Im Alter von gerade einmal 23 Jahren wurde sie Einwohnerrätin. Vier Jahre später folgte die Wahl zur Vizepräsidentin des Rats, was zur Folge hatte, dass sie 2016 und 2017 die bisher jüngste Präsidentin des Badener Parlaments war. Ihre Wahl war dabei nicht unumstritten. So monierte etwa das Team Baden, Heimgartner habe in der ersten Legislatur durchschnittlich an jeder dritten Sitzung gefehlt und im Rat lediglich zwei wenig aussagekräftige Wortmeldungen abgegeben. Das Präsidium sei eine Vertrauenswahl; die Nomination einer kaum profilierten Person widerspreche der Tradition und den Anforderungen, die an höchste Badener Amtsträger für Repräsentationsaufgaben gestellt würden, so das Team. Doch Heimgartner konterte keck, ihre Absenzen seien vorwiegend durch Militärdienst und Einsätze im Kosovo bedingt gewesen, wo sie als Soldatin diente: «Ich habe für Ratssitzungen sogar Urlaub eingereicht, im Kosovo Einwohneratsvorlagen studiert und mich auf dem Laufenden gehalten.»

Während ihrer zweijährigen Amtszeit als Ratspräsidentin war von der Kritik denn auch nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Heimgartner leitete die Sitzungen jeweils souverän und immer gewürzt mit einer Prise Humor und Schlagfertigkeit. Bei den Einwohnerratswahlen 2017 war sie mit 1427 Stimmen gar die bestgewählte SVP-Parlamentarierin, was zeigt, dass die Frau bei den Wählern mit ihrer offenen und direkten Art ganz offensichtlich gut ankommt.

Einsatz als Kfor-Soldatin

Wahrscheinlich profitierte sie dabei auch von ihren Erfahrungen, die sie seit fünf Jahren als Grossrätin sammeln konnte. Seit 2013 sitzt sie im Aargauer Parlament, nachdem sie den Sitz von Ernst Moser geerbt hatte. Bei den Grossratswahlen 2016 war sie gar bestgewählte Grossrätin im ganzen Kanton. Nebst ihren Ämtern im Badener und Aargauer Parlament ist sie auch noch Präsidentin der SVP-Frauen Aargau, Vizepräsidentin Schweizer Nutzfahrzeugverband (ASTAG) Sektion Aargau und im Vorstand des Lernwerk Turgi.

Doch wer jetzt denkt, Heimgartner sei eine typische Ämtli-Jägerin, der irrt. Heimgartner ist in erster Linie eine Berufsfrau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht, respektive im Lastwagen sitzt. Die «diplomierte Betriebsleiterin im Strassentransport» arbeitet im Familienbetrieb, der Heimgartner Transporte AG, mit und ist oft selber am Steuer eines grossen Lkw anzutreffen. Wenig erstaunlich sind es denn auch vor allem Verkehrsthemen, mit denen sich Heimgartner in den letzten Jahren profiliert hat. Und als ehemalige Kfor-Soldatin im Kosovo sind ihr auch Sicherheitsthemen wie eine starke Milizarmee und eine gut funktionierende Polizei und Feuerwehr wichtig. Als Hardlinerin würde sie sich selber nicht bezeichnen, wie sie sagt, auch wenn sie etwa die Selbstbestimmungsinitiative der SVP unterstütze.

Folgt nächsten Herbst, im Alter von 32 Jahren, der Sprung in die Bundesversammlung? Vor gut zwei Jahren gab sie in dieser Zeitung zu Protokoll: «2019 möchte ich nochmals für den Nationalrat kandidieren; einmal möchte ich den Sprung nach Bern schaffen.» An dieser Ausgangslage hat sich bis heute nichts geändert. «Vorausgesetzt, die Partei nominiert mich, würde ich mich sehr gerne zur Wahl als Aargauer Nationalrätin zur Verfügung stellen.» Denn: «Mit Ueli Giezendanner und Sylvia Flückiger treten zwei profilierte Nationalräte aus dem Gewerbe zurück, die sich beide sehr stark für das Transportgewerbe eingesetzt haben. Dieses soll weiterhin in Bern vertreten sein», fügt Heimgartner mit einem Lachen an.