Die Fachstelle bildet sozusagen das Bindeglied zwischen den Pflegeeltern und der Behörde, die den Entscheid gefällt hat, das Kind sei besser in einer Pflegefamilie aufgehoben.

So ein Entscheid kann aus mehreren Gründen getroffen werden: Die Eltern sind nicht in der Lage, die Verantwortung für ihr Kind zu tragen, das Kind wird misshandelt oder vernachlässigt oder die Familie ist psychisch durch Sucht oder Krankheit belastet. Aufgabe der Fachstelle ist es, dem Kind eine geeignete Pflegefamilie zu suchen und sie im Alltag zu unterstützen und zu betreuen.

SOS-Pflegefamilien sind bereit

Dabei kommt es auch mal zu Notfällen: «Wir hatten schon Situationen, wo wir für ein Kind innert ein paar Stunden eine Pflegefamilie organisieren mussten», sagt Guido Messikommer, diplomierter Pflegefachmann Psychiatrie von der Fachstelle. Das seien dann aber spezielle SOS-Pflegefamilien, die sich dafür entschieden hätten, sofort bereit zu sein. Wenn möglich versuche die Fachstelle eine Kennenlernphase zu ermöglichen, in der sich Pflegefamilie und Kind langsam näher kommen. Wenn möglich, sollen auch die biologischen Eltern mit einbezogen werden. Diese Kennenlernphase könne aber nicht immer gewährleistet werden.

Für die Mitarbeitenden der Fachstelle sind einige Situationen auch nach jahrelanger Erfahrung noch aufwühlend. «Man darf sich selbst nicht für Schicksale verantwortlich machen; eine gesunde Abgrenzung ist wichtig. Man versucht halt sein Bestes zu geben», sagt Messikommer.

Die Fachstelle sucht laufend Elternpaare, die sich für die Aufnahme eines Kindes bereit erklären. Diese durchlaufen dann einen Aufnahmeprozess, der Gespräche mit der Fachstelle sowie Informations- und Orientierungsseminare umfasst. Ist die Pflegefamilie geeignet, geht sie bei einer Platzierung mit der Fachstelle ein Arbeitsverhältnis mit Vertrag ein.

Rückführungen sind möglich

Die Motivationen, sich als Pflegeeltern zu melden, sind verschieden. Unter den Pflegefamilien befinden sich Familien mit eigenen Kindern, die Platz für ein weiteres Kind hätten, aber auch kinderlose Paare. Karin Gerber, Sozialarbeiterin sowie Paar- und Familientherapeutin bei der Fachstelle betont: «Pflegekinder sollen nicht den eigenen Kinderwunsch ersetzen. Viele Leute, die sich melden, möchten einen Beitrag an die Gesellschaft leisten.» Ein Pflegeverhältnis kann eine bestimmte oder eine unbestimmte Zeit andauern. Rückführungen des Kindes zu den biologischen Eltern sind dabei durchaus möglich, wenn diese in der Lage sind, ihre Pflichten und ihre Verantwortung für das Kind wieder aufzunehmen.

Die Fachstelle Pflegekind Aargau ist als Non-Profit Organisation auf Spenden angewiesen. Informationen für zukünftige Pflegeeltern oder Spender findet man auf ihrer Website.