Baden
«Sie kotzen vor Haustür»: Badener Partygäste sorgen für Zündstoff

Die Betreiber der «Kiste» wollen bis 6 Uhr und nicht nur bis 4 Uhr Party machen können. Dafür haben sie ein Gesuch eingereicht. Genau das erregt die Gemüter der Nachbarn. Einwohnerrätin Andrea Libardi fordert Nachtruhe für Anwohner.

Sibylle Egloff
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Nicht alle Partygänger, die in der «Kiste» feiern, wissen sich im Freien zu benehmen. (Symbolbild)

Nicht alle Partygänger, die in der «Kiste» feiern, wissen sich im Freien zu benehmen. (Symbolbild)

AZ

«Sie urinieren und kotzen vor unsere Haustüren, hinterlassen Bierflaschen und Abfall und reissen uns mit ihrem Geschrei aus dem Schlaf.» FDP-Einwohnerrätin und Altstadtbewohnerin Andrea Libardi hat genug vom nächtlichen Treiben der Partygänger.

Andrea Libardi, FDP: «Anwohner mussten in den letzen 15 Jahren eine Lärmzunahme hinnehmen.»

Andrea Libardi, FDP: «Anwohner mussten in den letzen 15 Jahren eine Lärmzunahme hinnehmen.»

ZVG

Die angetrunkenen Partygäste, die nach dem Verlassen der Clubs durch die Innenstadt ziehen würden, seien eine Plage für jeden Bewohner. «Und jetzt wollen die Betreiber der ‹Kiste› diese Belastung noch bis 6 Uhr morgens ausdehnen», sagt sie entrüstet.

Lärmzunahme in letzten 15 Jahren

Die Einwohnerrätin bemängelt, dass immer weniger Rücksicht auf die Anwohner genommen werde und dass die Polizei die Nachbarschaft nicht ernst nehme. «Anwohner der Innenstadt mussten in den letzten 15 Jahren eine Lärmzunahme hinnehmen, ohne dass die Stadt dagegen eingeschritten wäre.»

Libardi sieht Handlungsbedarf. «Die Stadt sollte mehr darauf achten, dass die Ruhezeiten eingehalten werden und dass, wenn nötig, die Lokalinhaber zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihre Gäste draussen laut sind.» Die Stadtpolizei wollte auf Anfrage zur Kritik keine Stellung nehmen.

Libardi wäre es am liebsten, wenn an Wochenenden um 2 Uhr anstatt um 4 Uhr am Morgen Schluss wäre. Gegen das Gesuch der «Kisten»-Jungs hat sie bereits eine Einwendung eingereicht. Sie sehe nicht ein, weshalb viele Anwohner leiden müssten, nur damit ein einziger Veranstalter ein gutes Geschäft mache. «Falls das Gesuch bewilligt wird, werde ich eine politische Aktion starten», kündet Libardi an. Es sei an der Zeit, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Innenstadt zu Wort melden und nicht nur die Partybetreiber und Clubbesitzer.

Markus Kaiser, Präsident des Quartiervereins Altstadt Baden, ruft regelmässig die Polizei, wenn Leute frühmorgens eine Spontanparty in seinem Quartier veranstalten. «Wer in der Altstadt wohnt, muss damit rechnen, dass es nicht ruhig ist», ist sich Kaiser bewusst. Trotzdem sei die Situation aus dem Ruder geraten. Es gehe dem Quartierverein nicht darum, zu stören und stänkern, sondern einen Konsens zu schaffen. «Das Problem muss mit der Stadt und den Clubs gemeinsam angegangen werden.» Es fehle eine raumplanerische Strategie. Es müsste deklariert werden, wo Partyzone ist und wo nicht, so Kaiser. Falls die Altstadt offiziell zur Partymeile erklärt werde, werde er wegziehen.

24-Stunden-Betrieb in Baden

Auch Isabelle Wanner, ehemalige GLP-Einwohnerrätin und ebenso in der Altstadt zu Hause, stört sich an den nächtlichen Eskapaden. «Baden ist zu einer ruhelosen Stadt geworden. Es gibt kein Limit mehr.» In Baden herrsche 24-Stunden-Betrieb. Wenn die Partygäste die Stadt verlassen hätten, würde schon der Putzwagen ankommen und der Lärm gehe weiter.

Isabelle Wanner, Anwohnerin und ehemalige GLP-Einwohnerrätin: «Baden ist zu einer ruhelosen Stadt geworden. Es gibt kein Limit mehr.»

Isabelle Wanner, Anwohnerin und ehemalige GLP-Einwohnerrätin: «Baden ist zu einer ruhelosen Stadt geworden. Es gibt kein Limit mehr.»

zvg

«Ich wünsche mir nicht nur eine saubere Umwelt, sondern auch, dass ich zwischendurch wieder einmal schlafen kann», sagt Wanner und spricht ein weiteres Problem an – nämlich die Überreste der nächtlichen Exzesse. «Laufen Sie am frühen Sonntagmorgen einmal über den Schlossbergplatz, dann sehen Sie, wie viel Abfall rumliegt», betont sie.

Jeweils am Samstagabend und Sonntagmorgen reinigen die Mitarbeiter des Werkhofs die Stadt. Nehmen sie eine Zunahme von Littering wahr? «Die Menge an Abfall ist konstant geblieben, aber die Littering-Hot-Spots verschieben sich immer wieder», relativiert Thomas Stirnemann, Leiter des Werkhofs.

Am meisten Müll sei derzeit an der Limmatpromenade und der Grabenwiese samt Spielplatz zu finden. Auch am Theaterplatz, dem Kirchplatz, dem unteren Bahnhofplatz sowie in der Blinddarm-Unterführung stosse man auf Abfall. «Der Respekt vor dem öffentlichen Raum ist nicht mehr da. Littering ist heute gesellschaftlich akzeptiert», stellt Stirnemann fest.