Kleine Zierfische schwimmen hin und her, die Wasserpflanzen leuchten im Sonnenlicht grellgrün und wippen leicht im Sog der Strömung. Doch das, was Hanspeter Geissmann hier täglich beobachten kann, ist nicht die Unterwasserwelt des Meeres. Um Fische oder andere Wassertiere zu begutachten, muss der Präsident des Vereins Aquarienfreunde Baden und Umgebung (AqF) nämlich nicht an das endlose Blau fahren.

Er kann sich einfach in seinem eigenen Zuhause hinsetzen und in eines der drei Aquarien schauen, die er, zusammen mit seiner Frau, besitzt. Das Beobachten der Tiere im Aquarium sei nie langweilig, es berge sogar eine Faszination, sagt Hanspeter Geissmann: «Das ist, wie wenn man in der Gartenwirtschaft sitzt und stundenlang Leute beobachtet, oder wenn man auf seinem Lieblingsbild jeden Tag ein neues Detail entdeckt.» Die Faszination für die Fische im Glas teilt Hanspeter Geissmann seit 2010 mit den rund 30 Aktivmitgliedern der AqF. Davor sei die Aquaristik eine Vorliebe seiner Frau gewesen, sagt Geissmann. Diese sei auch schon länger Vorstandsmitglied bei den Aquarienfreunden Baden und Umgebung gewesen.

Kurz vor dem Kollaps

Die Mitglieder des Vereins treffen sich monatlich, um sich über ihre Aquarien zu unterhalten, neue Techniken untereinander auszutauschen, Vorträge zu hören oder sich in Fischkunde weiterzubilden. Seit 30 Jahren veranstalten sie zudem ein jährliches Fischessen in der Umgebung. 2016 kann der Verein nun sein 90-jähriges Bestehen feiern. Doch dass es die AqF überhaupt noch gibt, wäre vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. Als im Dezember 2010 festgestellt wurde, dass der Verein vor dem Kollaps stand, wurde Hanspeter Geissmann von seiner Frau gefragt, ob er nicht Lust hätte, auch mitzumachen. «Drei Monate später hat es mir den Ärmel reingenommen», sagt er. So wurde er Präsident des Vereins und schaffte es, den Schritt von der traditionellen Aquaristik zur modernen Variante zu vollziehen. «Durch die Kehrtwende konnten wir Neumitglieder und auch vermehrt Junge gewinnen.»

Über die Gründung des Vereins vor fast einem Jahrhundert sei leider nur wenig bekannt, ausser dass die Aquarienfreunde zu Beginn ein Verein von Geschäftsleuten waren. «Heute kommen die Aquarienfreunde aus allen sozialen Schichten, und von 9 bis 99 ist jedes Alter vertreten.» Um das Jubiläum und die gemeinsame Faszination gebührend zu feiern, organisierte der Verein Anfang April ein Forum. Dort konnten sich Aquaristik-Interessierte treffen, Vorträge über das Thema hören und sich gemeinsam über ihr Hobby austauschen.

Zudem wurde beim Anlass ein Award verliehen, der Vereine oder Personen mit Vorbildfunktion in der Aquaristik auszeichnen sollte. Dieser wurde den «Aquarienfreunden Tirol» überreicht, da sie laut Geissmann eine tolle Vereinsstruktur hätten, genauso wie eine einzigartige Kinder- und Jugendförderung. Rund 40 Besucher waren am Jubiläums-Forum der Aquarienfreunde in Baden zu Besuch. «Die Erwartungen wurden übertroffen», freut sich der Präsident. Deshalb habe man beschlossen, das Forum ab jetzt alle zwei Jahre durchzuführen. Ein klares Konzept hatten die AqF schon dieses Jahr: Es war ihnen wichtig, dass am Forum auch kritische Stimmen ihren Platz fanden. So kam auch eine Vertreterin von Peta zu Wort, da die Aquaristik von Tierrechtlern immer wieder angeprangert wird. Hanspeter Geissmann selbst wehrt sich gegen Vorwürfe wie jene, dass man den Tieren die Freiheit nehme und sie einsperre.

«Es gibt Vorgaben für Aquarien»

«Vielen ist nicht bewusst, dass Aquarianer aktiven Tier- und Artenschutz betreiben», sagt Geissmann. Und es gebe beispielsweise auch in freier Natur Fischarten, die sich nur fünf Zentimeter von ihrem Pflanzenhaus wegbewegen würden. Zudem gebe es in der Tierschutzverordnung der Schweiz genaue Vorgaben für ein Aquarium, dessen Grösse und Wasserqualität. «Ein Aquarianer ist für das ganze Universum des Zierfisches verantwortlich», sagt Hanspeter Geissmann.

In den drei Aquarien des Ehepaars Geissmann herrsche eine grosse Artenvielfalt. Unter anderem leben verschiedene Welse oder Zwergkugelfische darin. Und bald sollen seine Aquarienbewohner neue Freunde bekommen: «Es wäre ein Traum für mich, Seepferdchen und Salzwasserschnecken zu halten.» So wird es wohl noch oft vorkommen, dass Hanspeter Geissmann fasziniert seinen Fischen beim Schwimmen zusieht.