Baden
Sie setzt auf Klassiker, nicht auf Trends: «Mein Laden ist mein Zuhause»

Seit 40 Jahren betreibt Sophie Jeuch den Möbelladen «Halde 14» – ans Aufhören denkt sie aber noch lange nicht.

Marian Märki
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Kein Auslaufmodell: Sophie Jeuch ist auch nach 40 Jahren noch nicht müde.

Kein Auslaufmodell: Sophie Jeuch ist auch nach 40 Jahren noch nicht müde.

Alex Spichale

Möbelgeschäfte gibt es in Baden nach den Schliessungen von «Form+Wohnen» und «in!baden» nur noch wenige. Doch auch hier gibt es eine Art «gallisches Dorf», etwas, das sich gegen alles zu wehren vermag. Es ist aber nicht etwa Asterix, der die Römer vertreibt, sondern Sophie Jeuch, die mit ihrem Möbelgeschäft «Halde 14» an der unteren Halde seit 40 Jahren allen Widrigkeiten trotzt.

Die 68-Jährige sitzt in einem Stuhl von Hans Coray, dem Designer des berühmten Landi-Stuhls. Jeuch setzt in ihrem Geschäft auf Klassiker, nicht auf Trends. Sie verkauft nur Dinge, von denen sie überzeugt ist. Alles sei funktional, erfülle einen Sinn. «Wenn mir etwas gefällt und es mich überzeugt, unterstütze ich das auch.» Auch das sei ein Teil ihres Erfolgs. «Die erste Prüfung für ein Produkt bei mir ist, es überhaupt in den verwinkelten Laden zu bringen», sagt sie und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. In der Möbelbranche sei es schwierig, sie habe zwar eine Art Stammkundschaft, aber man kaufe sich ja nicht jedes Jahr neue Möbel.

«Früher war Mundpropaganda wichtig, heute setze ich aufs Internet. Meine Lieferanten weisen Kunden auf meinen Laden hin.» Doch ist das Internet nicht der Feind des Kleingewerbes? «Ja, das stimmt. Ich handhabe das aber so: Wenn ich sehe, dass ein Lieferant seine Artikel im Internet zu sehr günstigen Preisen verkauft, dann streiche ich ihn aus meinem Sortiment», sagt die selbstsichere Dame dazu. Das sei ein Luxus, den sie sich gönne. Früher hätte sie es vielleicht anders gemacht.

Sophie Jeuch gehöre in die Badener Altstadt. Sie ist hier aufgewachsen, hat vieles kommen und gehen sehen. «Früher gab es hier einen ganz anderen Ladenmix. Es gab Lebensmittelgeschäfte und Dinge für den täglichen Bedarf, das ist fast alles verschwunden.» Das sei auch der Grund dafür, dass das Leben ein bisschen aus der Altstadt verschwand. «Aber es kommt langsam wieder zurück», sagt sie erfreut.

Vom «Butcher Block» zur «Halde 14»

Die ältere Dame ist eine Kämpfernatur, dies zeigt auch ihr Werdegang. Jeuch ist gelernte Textilverkäuferin, im Anschluss an ihre Ausbildung begann sie, mehrere Sprachen zu lernen, darunter Englisch, Italienisch und Französisch. Danach wechselte sie ins Möbelgeschäft, arbeitete dort eine Weile. Dann kam ihre Chance: Sie durfte für eine Marktforschungsstudie einer grösseren Möbelfirma nach Amerika reisen. Dort sah sie zum ersten Mal einen «Butcher Block», einen Massivholztisch. Zurück in der Schweiz wollte sie gemeinsam mit ihrem Partner solche Tische herstellen und verkaufen. Sie wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die damals 28-Jährige gründete 1977 das Möbelgeschäft, mietete sich in der unteren Halde 14 ein. Damals hiess der Laden noch «Butcher Block», da sie hauptsächlich Tische verkaufte. Später wurde der Laden in «Halde 14» umbenannt. Hinter dem Logo steckt eine spezielle Geschichte: Das Logo wurde von Martin Suter, dem berühmten Schweizer Autor, entworfen. Suter war damals noch in der Werbebranche tätig. «Ich kannte ihn. Er bot mir an, mein neues Logo zu designen», sagt Jeuch. Der Aufwand, den Suter für das Logo aufwendete, überraschte sie allerdings. «Er verlangte von der Stadt Katasterpläne und vieles mehr. Er bemerkte, dass sich mein Laden in einer Strassengabelung befindet, darum ist auch der Zusatz ‹Licht und Möbel› im Logo schräg geschrieben.»

Sie opferte viel für ihren Traum. Die ersten drei Jahre arbeitete sie am Morgen für andere Firmen, am Nachmittag stand sie jeweils im Laden. Lebte sogar zu Beginn im oberen Stock, der heute ebenfalls ein Ausstellungsraum ist. Die Tische wurden von ihrem damaligen Lebenspartner im Toggenburg hergestellt. «Ich war Wochenaufenthalterin, pendelte die ganze Zeit.» Auch, als ihre Tochter zur Welt kam, gute drei Jahre später, blieb es so. «Am Anfang hatte ich jemand für 40 Prozent eingestellt, sodass ich bei meiner Tochter sein konnte. Später nahm ich sie dann immer mit, bis sie in den Kindergarten kam.» Ihre Tochter habe viel Schabernack im Laden und in den Strassen der Altstadt getrieben.

Möbel ausliefern mit fremden Autos

Eine entbehrungsreiche Zeit. Doch Sophie Jeuch hat eine klare Einstellung: «Es gibt immer gute und schlechte Zeiten. Es braucht Ausdauer, um zu bestehen.» Ihr Betrieb sei organisch gewachsen, sie habe nie einen Kredit aufgenommen, wollte unabhängig sein. «Wer heute ein Unternehmen gründet, denkt, dass alles von Anfang an da sein muss: Autos, Ladenfläche und so weiter.» Sie habe immer erst investiert, wenn sie es konnte. «Ich habe am Anfang Autos von meinen Freunden geliehen, um die Möbel auszuliefern», sagt Jeuch mit einem Schmunzeln.

Jeuch liebt Baden, das merkt man schnell. Sonst wäre sie nicht zwischen der Ostschweiz und Baden gependelt oder wäre mit ihrem Laden umgezogen. «Ich wollte ein paar Mal weg, zum Beispiel nach Zürich, aber ich bin froh, dass ich hiergeblieben bin.» Sie fügt mit Schalk an: «Es hätte ja rein vom Namen her nicht mehr funktioniert.» Ob sie denn ans Aufhören denke? «Nein, überhaupt nicht!» Sie mache das, weil sie Spass daran habe und: «Mein Laden ist mein Zuhause. Ich bleibe noch eine Weile.»

40 Jahre «Halde 14»: Jubiläumsfest am Samstag, 13. Mai, von 12 bis 18 Uhr.

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