Erster Schultag an der Kanti Wettingen. Schülerinnen und Schüler aus höheren Klassen führen die neuen Erstklässler durch die einzigartige Schulanlage.

Doch nicht nur die Neuen staunen über den Lehr- und Lernort an der Limmat. Als staunende Gäste weilen an diesem Morgen auch 14 Auslandschweizer an der Kanti.

Sie nehmen teil am Seminar über soziale Medien, das eine Woche dauert und eigentlich das Vorprogramm zum 92. Ausländerkongress bildet, der vom 15. bis 17. August in Baden über die Trafo-Bühne gehen wird.

Internationale Diskussion

Das Seminar beginnt an der Kanti Wettingen. Im Zimmer S103 begegnen die jungen Auslandschweizer der Klasse 3c von Philippe Wampfler. Wampfler, Experte für das Lernen mit neuen Medien, mischt Kantischüler und Auslandschweizer durcheinander und schon wird diskutiert; es geht um Fragen wie: Fördern oder zerstören Smartphones die unmittelbare Kommunikation? Kann man konzentriert arbeiten, bei eingeschaltetem Handy? Sind die heutigen Jungen narzisstischer als es die Alten waren?

«Leider verstehe ich kein Schweizerdeutsch. Zu Hause sprechen wir ausschliesslich Spanisch. Ich weiss auch wenig über mein Heimatland. Deshalb nehme ich am Seminar teil: Ich möchte etwas über die Schweiz lernen, über die Menschen, die hier leben, aber auch über das politische System. Vielleicht lerne ich ja auch noch ein paar Worte Schweizerdeutsch.»

Teresa Beerli Lopez (16), Zaragoza, Spanien

«Leider verstehe ich kein Schweizerdeutsch. Zu Hause sprechen wir ausschliesslich Spanisch. Ich weiss auch wenig über mein Heimatland. Deshalb nehme ich am Seminar teil: Ich möchte etwas über die Schweiz lernen, über die Menschen, die hier leben, aber auch über das politische System. Vielleicht lerne ich ja auch noch ein paar Worte Schweizerdeutsch.»

Diskutiert wird auf Englisch. Und der Lärmpegel, der nach der kurzen Aufwärmphase nach und nach steigt, beweist, dass die Themen hüben wie drüben beschäftigen. Und es ist dem Betrachter absolut unmöglich herauszufinden, wer da Kantischüler ist und wer Auslandschweizer.

Die Seminarteilnehmer – die längste Anreise hatte Michelle Even Zohar aus den USA – wohnen bei Gastfamilien. Claudio Zemp, der das Programm im Auftrag der Auslandschweizer-Organisation konzipiert und durchführt, erklärt, dass sich die Teilnehmenden, je nach Land, intern für das Seminar qualifizieren mussten. Geboten wird viel. Zum einen ist der Aufenthalt in der Schweiz gratis. Grosszügige Sponsoren und Gönner machen es möglich.

Zum andern erwartet die jungen Menschen aus der «Fünften Schweiz» eine anspruchsvolle Kombination von Staatskunde, Auseinandersetzung mit den neuen Medien und lockeren Begegnungen mit der Schweiz und den Schweizern. So verbringt die Gruppe den heutigen Tag in Bern; nach dem Meeting bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände zum Thema Jugendpolitik folgt der Besuch im Bundeshaus.

«Mein Vater stammt ursprünglich aus der Schweiz. Ich verstehe leider kein Deutsch und schon gar kein Schweizerdeutsch. Ich nehme am Kongress teil, weil mich das Thema ‹Social Media› interessiert und ich hier erfahre, wie die Demokratie in der Schweiz funktioniert. Und ich freue mich darauf, viele Schweizerinnen und Schweizer kennen zu lernen.»

Timothy Forman (16), Prag, Tschechische Republik

«Mein Vater stammt ursprünglich aus der Schweiz. Ich verstehe leider kein Deutsch und schon gar kein Schweizerdeutsch. Ich nehme am Kongress teil, weil mich das Thema ‹Social Media› interessiert und ich hier erfahre, wie die Demokratie in der Schweiz funktioniert. Und ich freue mich darauf, viele Schweizerinnen und Schweizer kennen zu lernen.»

Treffen mit Alain Berset

Weiter stehen im Laufe der Woche Besuche der Uni Zürich und der Redaktion des Newsportals «Watson» auf dem Programm und auch ein Treffen mit jungen Aargauer Politikerinnen und Politikern. Höhepunkt des Seminars wird aber wohl der Auftritt am Kongress im Trafo Baden sein, wo die jungen Auslandschweizer auch Bundesrat Alain Berset treffen werden.

Im Rahmen des Themas «Informationstechnologie und soziale Medien: Chancen für die Fünfte Schweiz» wird sich der 92. Auslandschweizer-Kongress mit den Herausforderungen befassen, die der Eintritt in das Zeitalter der E-Regierung und E-Demokratie für die Behörden mit sich bringen: Eine technische Herausforderung, aber auch ein gesellschaftliches Wagnis, denn der Wandel erstreckt sich auch auf menschliche Beziehungen.

Als Gastgeber des 92. Kongresses möchte der Kanton Aargau der erste Schweizer Kanton sein, der all seinen Mitbürgern im Inland und im Ausland die Stimmabgabe per Internet ermöglicht. Dies ist eine gewaltige Herausforderung, umso mehr als Stimmen laut werden, die vor den Risiken des neuen Abstimmungskanals warnen.

Mittagszeit. Nach der Diskussionsrunde im Klassenzimmer versammelt sich die Gruppe vor der Cafeteria zum Gruppenbild. Ein älterer Mann kommt vorbei, bleibt stehen, schaut zu, fragt dann kopfschüttelnd: «Klassenfoto? Schon am ersten Schultag?»

«Nein», erklärt man ihm, «Auslandschweizerfoto.»

Da ruft er freundlich «Grüezi», winkt und geht seines Wegs.