In Baden günstigen Wohnraum zu finden, ist eine Herausforderung. Aufgrund der Nähe zum Grossraum Zürich hat sich die Stadt als attraktiver Standort erwiesen. Trotz reger Bautätigkeit in den letzten Jahren weist Baden eine tiefe Leerwohnungsziffer von 0,89 Prozent auf. Als Folge davon steigen die Preise für Mietwohnungen stetig. Vor allem bei Neubauten muss heutzutage viel beachtet werden: hohe Flächenansprüche, gestiegene Ausbaustandards, energetische Anforderungen, Behindertentauglichkeit. Die diversen Vorschriften führen im Vergleich zu Altbauten zu höheren Mietpreisen. Gibt es denn überhaupt noch Angebote im unteren Preissegment?

Eine Möglichkeit für günstigen Wohnraum bieten gemeinnützige Wohnbauträger wie Genossenschaften. Weil sich deren Kostenmiete mit dem Betrag deckt, den Genossenschaften in die Wohnung investieren, profitieren Bewohnerinnen und Bewohner von tieferen Mietzinsen als im übrigen Wohnungsmarkt. Im Vergleich mit anderen Anbietern sind Genossenschaftswohnungen bis zu 30 Prozent günstiger. Laut der Website des Dachverbands Wohnbaugenossenschaften Schweiz besitzen in Baden und Wettingen folgende Genossenschaften Liegenschaften: «Lägern Wohnen», «Gemiwo», «Wogeno», «Logis Suisse», «Imfeld-Friedenstrasse», «An der Limmat» und «Eisenbahner-Baugenossenschaft Schaffhausen». Weiter wirken die «Gemeinnützige Gesellschaft Wettingen» (GGW) und der Verein «Pro Familia» als gemeinnützige Wohnungsträger. Zusammen bewirtschaften sie in den zwei Gemeinden über 85 Liegenschaften mit Genossenschaftswohnungen (siehe Grafik).

  

Altbauten ersetzen, ist teuer

Doch auch Genossenschaften haben sich den höheren Ansprüchen zu unterwerfen, weshalb deren Neubauten ebenfalls ins mittlere Preissegment fallen. Das beweist die Bau- und Siedlungsgenossenschaft «Lägern Wohnen». Deren Neubau-Wohnungen an der Badener Allmendstrasse kosten teilweise weit über 2200 Franken im Monat. Das Projekt stand in der Kritik, viele langjährige Mieter der zu ersetzenden Wohnungen fühlten sich vom Vorgehen der Genossenschaft vor den Kopf gestossen. Denn mit dem Bau einer neuen Siedlung stiegen die Mietzinse erheblich.

«Wir versuchen, unsere Altbauten so lange als möglich zu erhalten», sagt Sebastian Spörri, Mitglied der GGW und Pro Familia. Denn tatsächlich günstig seien nur Altbauten. Denn Genossenschaften müssten auch Gewinn erzielen, damit sie weitere Investitionen tätigen können. «Um Siedlungen bauen zu können, braucht es eine grosse Landfläche. Das hat höhere Kosten zur Folge», sagt Spörri. Gut ersichtlich ist dieses Problem an der Überbauung Sulperg-2 in Wettingen, deren Bauherrschaft bei der GGW und Pro Familia liegt. Sinn und Zweck der Siedlung ist es, «jungen wie älteren Menschen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen». Trotzdem kostet beispielsweise eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit 60 Quadratmetern 1485 Franken im Monat.

«Neubauwohnungen werden heute aufgrund der vielen Bauvorschriften so teuer, dass diese in der Regel eher die Mittelschicht ansprechen», sagt auch Jutta Mauderli, Geschäftsleiterin von Logis Suisse mit Sitz in Baden. «Die Wohnungen unserer älteren Liegenschaften sind hingegen günstig. Diese vermieten wir problemlos, meist an Personen mit kleinen Einkommen.» In der Stadt Baden ist der Wohnbauträger aber nicht gross vertreten: «In der Stadt gibt es wenig günstigen Wohnraum», gibt Mauderli zu. «Für Städte ist das aber leider normal.» Zudem sei «günstig» immer subjektiv.

150 Wohnungen im Brisgi geplant

Für die Stadt Baden sind ein differenziertes Wohnangebot und eine vielfältige soziale Durchmischung wichtig. Deshalb lancierte sie vor einigen Jahren die Wohnbaustrategie 2010. Dadurch soll erschwinglicher Wohnraum gefördert werden. Im Zuge dieser Strategie wurde eine Wohnbaustiftung mit einem Eigenkapital von 10 Millionen Franken gegründet, deren Stiftungsrat durch Stadtammann Markus Schneider (CVP) präsidiert wird. Die Stiftung plant seither auf dem Brisgi-Areal im Kappelerhof eine Überbauung mit 150 Wohnungen. Momentan liegt dazu der Sondernutzungsplan auf. «Ziel ist es, wie Stiftungen eine Kostenmiete einzuführen», sagt Schneider. So können tiefere Mietzinse gewährleistet und somit günstiger Wohnraum geschaffen werden. Schneider ist überzeugt: «Es ist möglich, günstigen Wohnraum zu schaffen.» Wie viel die Wohnungen im Brisgi-Areal dann aber kosten werden, wird sich im Verlauf des Bauprojekts zeigen.

Bislang gibt es in Baden und Wettingen nur dank gemeinnützigen Wohnbauträgern erschwinglichen Wohnraum. Das Angebot ist im Vergleich mit anderen Städten aber relativ klein. Bleibt die Bautätigkeit der gemeinnützigen Wohnbauträger weiterhin rege, wird es zukünftig noch kleiner.