Wettingen
Sie steigt mit Texten in den Ring: Poetry-Slamerin Sarina Blaser

Sarina Blaser liebt es, zu schreiben. Ihre Werke wird sie am Poetry Slam im «Nordportal» präsentieren. «Das Schönste am Poetry Slam», so die Künstlerlin, «ist die Freiheit; jede Form der Poesie hat Platz.»

Nadine Bunde
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Sarina Blaser liebt Poesie, Bärte und Geschichten aus dem Alltag. Christian Iseli

Sarina Blaser liebt Poesie, Bärte und Geschichten aus dem Alltag. Christian Iseli

Chris Iseli

«Ich habe keinen Penisneid. Ich habe einen Bartneid!» Sarina Blaser schreibt über alles Mögliche; auch über ihren Neid auf Bärte. Das Schreiben hat sie schon immer geliebt. Abgesehen von ihrem Bartneid schreibt sie auch über Fernweh, ihre Gewichtszunahme («weil die Reaktionen der Leute damals mega witzig waren») oder übers Verliebtsein. Inspiration holt sie sich aus dem Alltag. Was sie am Poetry Slam mag, ist die Freiheit: Jede Form von Poesie habe Platz. Wenn es einem gefällt, könne man reimen, man müsse jedoch nicht. «Man ist überhaupt nicht gebunden. Man hat fünf bis sechs Minuten Zeit, und diese Minuten kann man füllen, wie es einem gefällt.»

Boxkampf der Literatur

Ein Poetry Slam ist ein literarischer Wettkampf: Nacheinander betreten Schreibwütige die Bühne und tragen dem Publikum ihre Werke vor. Gewertet wird mit der Lautstärke des Applauses, oder das Publikum hält Punktekärtchen hoch.

«Lustige Geschichten kommen am besten an», sagt Sarina Blaser. Die 23-Jährige aus Wettingen musste aber auch die Erfahrung machen, dass nicht alle Texte gut aufgenommen werden: «Das kann irritierend sein. Du stehst da oben auf der Bühne und weisst: Da sollte ein Lacher kommen. Aber es herrscht einfach Stille. Man muss aufpassen, dass man nicht aus dem Konzept gerät.» Sie habe aber auch schon Texte geschrieben, von denen sie von vornherein wusste, dass sie vielleicht nicht gut ankommen würden. «Einmal schrieb ich einen kritischen Text über sogenannte ‹Feminazis›, Frauen, von denen ich glaube, dass sie den Feminismus nicht richtig verstanden haben», erzählt sie. «Als ich jedoch einen Blick ins Publikum warf, sah ich, dass da etwa 90 Prozent Frauen sassen. Da wurde mir schon etwas mulmig.»

Am liebsten würde sie öfter über ernste Themen schreiben, aber mit einem lustigen Touch. «Es ist allerdings schwierig, dabei das Thema nicht lächerlich zu machen», gibt sie zu. «Ich möchte niemanden beleidigen.» Sie schreibe manchmal gerne mit einer Prise schwarzem Humor; der komme aber nicht überall gut an. «Ich habe beispielsweise schon erlebt, dass ein Text von mir über einen Schmutzli, der es hasst, mit dem Samichlaus Kinder zu besuchen, in Bern ziemlich schlecht bewertet wurde. In Zürich jedoch war das Publikum begeistert.»

Studentin, Feuerwehrfrau, Poetin

Neben dem Schreiben ist Sarina Blaser auch noch in der Feuerwehr und in der Jungwacht-Blauring aktiv. Tagsüber studiert sie Psychologie. Die Erfahrungen aus ihrem Studium würde sie gerne in einen Text einfliessen lassen. Besonders Krankheiten wie die Depression oder die Schizophrenie beschäftigen sie sehr.

Ihre Texte schreibt sie auch für ihre Familie: für den Geburtstag ihrer Schwester oder die Hochzeit ihres Göttis. Bisher hat sie ihre Texte hauptsächlich im «Acapulco», einer Bar in Zürich, vorgetragen. «Auf so einer grossen Bühne wie im Nordportal war ich noch nie», sagt sie; etwas nervös sei sie schon.

Sie freut sich immer, wenn das Publikum ihre Texte mag. Das Beste am Poetry Slam sei jedoch nicht der Applaus: «Besonders schön ist es, wenn jemand nach dem Auftritt zu mir persönlich kommt und mir sagt, dass ihn mein Text begeistert habe.»

Die bisherigen «Slams» seien Erfolge gewesen, schreibt das Nordportal auf seiner Website; für den Sieger gebe es jeweils «Ehre und eine Flasche Whiskey» zu gewinnen. Letzterer wird im Anschluss natürlich kameradschaftlich geteilt.

15. Poetry Slam «I slam therefore I am»: Freitag, 10. März, um 20.30 Uhr in der grossen Halle im Nordportal Baden.

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