Theater-Projekt

Sie tritt das Erbe der Badener Märlikönigin an

Die Kleopatra von Baden: Larissa Brändli.Sandra Ardizzone

Die Kleopatra von Baden: Larissa Brändli.Sandra Ardizzone

Larissa Brändli, Tochter des Badener Originals Eva Furter, will mit einem neuen Theater-Projekt durchstarten.

Die berühmte Märlikönigin von Baden war ihre Mutter. Larissa Brändli ist die Tochter des Badener Stadtoriginals Eva Furter, die mit ihren Märchen und den «Badener Gschichtli» weit über die Grenzen der Stadt hinaus Bekanntheit erlangte. Aufgewachsen ist Brändli in Baden; in einer Märliwelt, wie sie sagt. Sie war stets dabei, wenn ihre Mutter Märchen erzählte. Damals als «Larissa Zauberfee», eine der Hauptfiguren aus Evas Kinderbuch «s’ Neatli». Es scheint fast, als habe ihr die Märlitante die Zauberrolle auf den Leib geschrieben. Vieles hat sie mitgenommen von ihrer Mutter: Nicht nur die schwarzen, langen Locken und die Vorliebe für Kronen und Kostüme, sondern auch «die Kreativität, Fantasie und das Flippige», erzählt Brändli. Denn wenn sie nicht gerade ihrem alltäglichen Beruf als Bürofachfrau im Mechanikergeschäft ihres Mannes nachgeht, tritt die Frau mit den hellblauen Augen auch heute noch und wahrhaftig als Zauberin auf. Besonders gerne tue sie das vor Kindern, die seien so ein dankbares Publikum. Die Menschen aus dem Alltag ausbrechen lassen und sie zum Staunen bringen, das sei ihr Ziel.

Aus dem Alltag ausbrechen, das ist auch der 45-Jährigen wichtig. Besonders nach dem Jahr 2015, in dem sie einige Rückschläge einstecken musste. Zuerst verstarb ihre Mutter. Fast gleichzeitig musste das Geschäft ihres Mannes gezwungenermassen umziehen. Wegen des stressigen Umzugs habe sie noch gar nicht so richtig die Möglichkeit gehabt, den Tod der Märlikönigin zu verarbeiten. «Das letzte Jahr war ein schwieriges für uns.» Die Schicksalsschläge hätten Brändli viel Zeit für Dinge genommen, die sie möge: mit Kollegen private Foto-Sets zum Thema altes Ägypten organisieren, die dabei entstehenden Bilder bearbeiten und auf Facebook laden, oder gelegentlich zusammen mit Freunden auszugehen und Shisha zu rauchen. Lichtblicke gab es dennoch: In der Wohnung ihrer Mutter habe sie beim Aufräumen viele vergriffene Werke gefunden, die sie als Gedenken gerne wieder unter die Leute bringen möchte. 

Larissa Brändli als Pharaonin Nefertari

Larissa Brändli als Pharaonin Nefertari

Nun tritt Brändli mit ihrem neusten Projekt einmal mehr in die kreativen Fussstapfen ihrer Mutter: Am 12. Februar findet der lang geplante, altägyptische Anlass statt, dem sie mit grosser Vorfreude entgegenblickt. «Wir werden eine Art rituelles Zeremonien-Theater vorführen. Ich habe die drei Szenen, die gezeigt werden, selbst geschrieben und auch einige Kostüme selber genäht», erzählt sie stolz. Sie spiele zudem die Königin Nefertari, und das Programm werde mit schamanischer Musik von einem guten Freund unterstrichen. Man merkt, dass Larissa sich sehr auf den Anlass freut. «Bei Auftritten bin ich sehr präsent, stärker als im Alltag. Da bin ich völlig im Jetzt und lebe für den Moment.»

Durch die Kreativität den Moment zu leben, das hat ihr schon ihre Mutter stets vorgelebt. Sie habe eine sehr gute Verbindung zu Eva gehabt, «doch manchmal war die Beziehung fast zu stark. Wir hatten wenig Abstand und meine Mutter hat sich immer sehr an mich geklammert.» Dies sei nicht immer einfach gewesen, und vor allem als Erwachsene habe sie auch öfters Distanz gesucht. «Meine Mutter wollte mich halt einfach so machen, wie sie selber war.» Es habe auch «öppe die» mal Streit gegeben zwischen den beiden temperamentvollen Frauen. Die guten Erinnerungen überwiegen jedoch. Als Kind habe sie dank ihrer Mutter in einer Welt voller Märli und Zauber gelebt: «Ich hatte eine sehr schöne Kindheit und ein gutes Elternhaus.»

4 Fragen an Larissa Brändli

Dazu hat sicher auch ihr Vater beigetragen: Dieser war Jazz-Trompeter in einer Dixieland-Band. Er hielt sich während der Auftritte des Mutter-Tochter-Gespanns zwar eher im Hintergrund auf: Dies sei Frauensache gewesen, erklärt Brändli. Dennoch habe er sie auch geprägt und viel mit ihr unternommen. So wie jetzt ihr Mann, agierte auch ihr Vater als starke Stütze im Hintergrund und kümmerte sich um Technisches oder Organisatorisches. Der Vater habe sie vor allem in die Mittelalter-Welt hineingezogen. Mit ihm sei sie öfter auf sogenannten Heerlagern campieren gegangen, woraus eine Vorliebe von ihr entstand. Zudem entwickelten sich so auch die späteren Auftritte als Hofnärrin auf Schlössern, ein weiteres ihrer Hobbys.

Einer, der nichts mit all dem Zauber und den Märchen zu tun hatte, war ihr Halbbruder. Dieser lebe sein eigenes Leben mit seiner Familie. Da er aber 20 Jahre älter als sie sei, habe sie nie wirklich darunter gelitten. Ein anderer Nachteil des Künstler-Gens habe sie aber manchmal gestört: wenn die anderen Kinder sie oft nicht akzeptiert hätten. Achselzuckend sagt Brändli: «Es hat halt immer Kinder und Eltern gegeben, bei denen wir angeeckt sind.» Mittlerweile scheint sich die Frau im knallroten Pullover aber keine Gedanken mehr darüber zu machen: Vielmehr leitet sie das Gespräch immer wieder auf ihre Auftritte als Zauberin oder aktuell Pharaonin zurück.

Seit langer Zeit ist Brändli fasziniert vom alten Ägypten: «Schon mit 13 Jahren war ich begeistert davon. Vor allem die Masken der Pharaonen und das viele Gold gefallen mir. Und auch die grossen, schwarzen Augen von Kleopatra sprechen mich einfach an.» An der berühmten Pharaonin scheint sich Larissa denn auch ein Vorbild zu nehmen: Ihre Lippen hat sie in einem kräftigen Rot geschminkt, und ihre Augen sind mit einem tiefen Schwarz im gleichen Stil wie Kleopatras umrundet. Wenn man Larissa nach ihrem neusten Theaterprojekt fragt, beginnen ebendiese sofort zu leuchten. Und bis das endlich über die Bühne geht, zieht Larissa sich gerne mal an ihren Lieblingsort zurück: In ihr Zimmer bei ihr zu Hause, das ganz farbig sei und vielen Elfen- und Drachenfiguren Platz biete. Ein Ort, an dem sie einmal mehr versucht, vor dem grauen Alltag zu flüchten.

Altägyptischer Abend mit Musik von Patrick Bishop und Edi Gerhardt: Freitag, 12. Februar, 21 Uhr, Kulturlokal Kino Royal.

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