Mindfactory. So heisst ein Team Aargauer Jugendlicher zwischen 11 und 16 Jahren, die eine grosse Leidenschaft teilen: Roboter. Ihre Leidenschaft ist so gross, dass sie jeden Samstag für ihre Erfindungen opfern.

Ihre Leidenschaft ist so gross, dass manchmal einer mit dem Schlafsack in der Berufsschule Baden übernachtet.

Ihre Leidenschaft ist so gross, dass sie für ihre Roboter um die ganze Welt jetten.

Mindfactory ist ein Programm zur Begabtenförderung und wird vom Kanton finanziell unterstützt. Vom internationalen Roboter-Wettbewerb, der First Lego League, bekommt die Gruppe jedes Jahr ein Thema gestellt. Ein Thema, das Probleme birgt, die gelöst werden müssen.

Schweizer Meister dank diesem Roboter

Das Robotik-Team «mindfactory» qualifizierte sich an der Schweizer Meisterschaft in Lausanne 2015 souverän. 

Und zwar mit Robotern. Ein halbes Jahr tüfteln und fachsimpeln die Jugendlichen dann, programmieren, rechnen, basteln, optimieren, strukturieren – fast wie echte Wissenschaftler. Und die Aargauer sind erfolgreich in dem, was sie tun.

So erfolgreich, dass Regierungsrat und Bildungsdirektor Alex Hürzeler in die Berufsschule Baden fuhr, um den Jugendlichen einen Blick über die Schulter zu werfen.

Das Robotik-Team «Mindfactory» durfte in der Türkei feiern. zvg

Das Robotik-Team «Mindfactory» durfte in der Türkei feiern. zvg

Gegen 40 000 Teams aus aller Welt durchgesetzt

Alex Hürzeler und das Mindfactory-Team stehen vor einem Tisch. Darauf sind verschiedene Hindernisse platziert. Der Lego-Roboter düst geschickt drum herum, fährt seine Greifarme aus, bewegt Gegenstände, wirft Bälle.Dem Regierungsrat bleibt manchmal der Mund offen stehen. Den Jury-Mitgliedern der internationalen Robotik-Wettkämpfe wohl auch: Die Jugendlichen von Mindfactory wurden Vize-Europameister und Vize-Weltmeister.

Setzten sich gegen 40 000 Teams aus 98 Ländern durch. Auf ihre Erfolge sind die sechs Buben und das eine Mädchen mächtig stolz.«Wären wir Schweizer doch auch in anderen Sportarten so gut», sagt Hürzeler. «Es ist enorm eindrücklich, was die Jugendlichen hier leisten.» Er selbst interessiere sich sehr für Technik, vom Leistungsgedanken her sei diese Gruppe genau sein Ding. «Aber ich denke, ich hätte in diesem Alter nicht genügend Geduld dafür aufbringen können.»

Robotik-Team «mindfactory» (hinten v.l.): Coach Michael Sommerhalder(Ehrendingen), Benedikt Amsler (Zeihen), Amos Burchia (Bözberg), Benedek Mezei (Baden); (vorne v.l.): Yuri Honegger (Rütihof), Thomas Bundi (Mägenwil), Yael Erdin (Gansingen), Noël Erdin (Gansingen), Coach Brigitte Sommerhalder (Ehrendingen). zvg

Robotik-Team «mindfactory» (hinten v.l.): Coach Michael Sommerhalder(Ehrendingen), Benedikt Amsler (Zeihen), Amos Burchia (Bözberg), Benedek Mezei (Baden); (vorne v.l.): Yuri Honegger (Rütihof), Thomas Bundi (Mägenwil), Yael Erdin (Gansingen), Noël Erdin (Gansingen), Coach Brigitte Sommerhalder (Ehrendingen). zvg

Mindfactory will Kinder früh an Wissenschaft und Technik heranführen und sie dafür begeistern. Geklappt hat das bei Michael Sommerhalder, der zusammen mit seiner Mutter Brigitte Sommerhalder die Jugendlichen coacht. Der 23-Jährige macht inzwischen seinen Master in Maschinenbau an der ETH Zürich. Angefangen hat er bei Mindfactory. «Ich habe kürzlich ein Praktikum bei einer Robotikfirma absolviert», sagt er.

«Dank meinen Erfahrungen bei Mindfactory konnte ich mich gut in die Arbeitswelt einfinden.» Alex Hürzeler sagt dazu: «Das ist das Ziel, die Mitglieder in die Wirtschaft, die Techbranche und die Forschung zu bringen.» Die Verknüpfung von Theorie und Praxis mache das Programm so speziell. Michael Sommerhalder meint: «Auch in den Bestimmungen für meine Masterarbeit habe ich viele Begriffe wiedergefunden, die mir bei Mindfactory schon mal begegnet sind.»

Beim internationalen Robotik-Wettbewerb «First Lego League» (FLL) präsentieren sieben Teams aus der Region an der FHNW ihre selbst gebauten Lego-Roboter. Wohl den komplexesten Roboter bot das Team mindfactory aus Baden auf.

Beim internationalen Robotik-Wettbewerb «First Lego League» (FLL) präsentieren sieben Teams aus der Region an der FHNW ihre selbst gebauten Lego-Roboter. Wohl den komplexesten Roboter bot das Team mindfactory aus Baden auf.

Die Jugendlichen lernen dort nämlich nicht nur Programmieren, sondern auch, wie man Forschungsarbeiten angeht und strukturiert. Sommerhalder wird demnächst mit dem Coaching aufhören und übergibt sein Amt der 21-jährigen Margherita Bernero. Sie war selbst mal Mitglied bei Mindfactory und studiert inzwischen Biologie an der ETH.

Alex Hürzeler kriegt eine Ansteckplakette geschenkt

Die sieben Jugendlichen präsentieren den Besuchern ihre Roboter und deren Funktionen äusserst souverän. Überraschend, denkt man an ihr Alter. Das jüngste Mitglied ist elf Jahre alt. Das findet auch Alex Hürzeler bemerkenswert: «An den Wettkämpfen müssen sie ja jeweils Englisch reden», weiss er. Ein Junge wirft ein: «Ach, wir lernen in der Schule schon viel und gut Englisch.» Worte, die den Bildungsdirektor zu erleichtern scheinen.

Alex Hürzeler bekommt, als Dankeschön für seinen Besuch, eine Plakette zum Anstecken. Damit seien die Jugendlichen schon an Wettbewerbe auf der ganzen Welt gereist, erzählen sie. Auch die sieben Mindfactory-Mitglieder gehen nicht leer aus. Sie bekommen einen Pokal überreicht. Darauf eingraviert sind Titel, die sich die Jugendlichen an nationalen Wettbewerben holten. «Die internationalen hatten wohl keinen Platz mehr auf dem Pokal», sagt ein Bub. Stolz ist er trotzdem.