Hat man mehr oder weniger Angst vor Krebs, wenn man täglich an seiner Behandlung forscht? Diese Frage kann Thomas Keller, Geschäftsführer der Varian-Niederlassung in Dättwil, nicht eindeutig beantworten. 

Die Firma Varian Medical Systems aus Palo Alto, dem Herzen des Silicon Valleys, ist mit ihren Geräten weltweiter Marktführer bei der Behandlung von Krebs durch Strahlentherapie. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Firmensitz an der Täfernstrasse in Baden-Dättwil. «Unsere Kernkompetenzen sind die Bildgebungssysteme für Patientenpositionierung», erklärt Keller. Das heisst, dass sich die Ingenieure in Baden damit auseinandersetzen, die Bestrahlung so genau wie möglich auf den Krebs anzusetzen.

Ambitioniertes Ziel

Je gezielter die Krebszellen bestrahlt werden, desto weniger gesundes Gewebe wird von den Strahlen getroffen. Die Vision von Varian geht aber noch weiter: «A world without fear of cancer» (dt.: Eine Welt ohne Angst vor Krebs). «Eines Tages soll die Behandlung von Krebs so erfolgreich sein, dass er für niemanden mehr eine lebensbedrohliche Krankheit ist, sondern, dass man von einer chronischen Krankheit spricht», so das ambitionierte Ziel, das das Unternehmen anstrebt.

Die Geräte zur Krebsbehandlung von Varian sind über zwei Meter hoch, futuristisch anmutende Apparate, im schlichten spital-grau gehalten. Der Patient liegt während der Behandlung auf einer Liege, von oben herab wird ein Strahl auf den Tumor ausgerichtet. Links und rechts sind Röntgenbildgebungsgeräte angebracht. Für Laien sehen sie wie zwei riesige Arme aus.

Dank diesen Bildern ist eine genaue Patientenpositionierung möglich. Die Arme werden bei «Varian Medical Systems Imaging Laboratory GmbH», wie der Standort in Baden korrekt heisst, entwickelt. Bei der Produktion setzen sie auf Nähe: Die Firma Baumgartner in Tegerfelden wickelt einen grossen Teil der Produktion ab. Auch die «Iftest» in Wettingen produziert für Varian.

Varian ist mit den Geräten auch in der Schweiz Marktführer. In Spitälern wie dem Unispital in Zürich, dem Kantonsspital Aarau und dem Kantonsspital Baden werden Krebsbehandlungen mit Geräten von Varian durchgeführt. Doch wie kommt diese Firma aus dem Silicon Valley überhaupt nach Baden?

Die Gebrüder Varian gründeten 1948 in Palo Alto in Kalifornien die Firma Varian Associates. Sie war eine der allerersten Hochtechnologiefirmen im Silicon Valley. Zwölf Jahre später wurde mit einem Varian-Gerät der erste Patient in Amerika durch Bestrahlung behandelt. «Ein damals dreijähriger Junge, der übrigens heute noch lebt», sagt Keller.

Die Badener Brown, Boveri & Cie. hatte das erste klinische Bestrahlungsgerät aber schon 1951, also neun Jahre vor Varian, an der Uniklinik in Zürich in Betrieb genommen. 1990 wurde dieses Nebengeschäft der ABB (wie die BBC seit der Fusion mit ASEA hiess) von Varian aufgekauft. So entstand der Standort in Baden. «Alle Leute mit dem Know-how kamen aus der Region, so blieb der Standort hier.»

Heute beschäftigt Varian in Baden rund 250 Mitarbeiter aus über 30 Nationen. Viel Wissen stammt aber immer noch aus der Umgebung: «Wir sind in der Nähe von verschiedenen Bildungsstätten wie der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch, der ETH in Zürich und dem Paul-Scherrer-Institut in Villigen. So haben wir top ausgebildete Ingenieure», so Keller.

Baden als perfekter Standort

Für Baden als Niederlassung eines internationalem Unternehmens spreche aber noch mehr: Gute Infrastruktur, schnelle Erreichbarkeit vom Flughafen, falls einer der über 7000 Mitarbeiter, die Varian weltweit hat, an einem Workshop in Baden teilnehmen möchte – und: «Wie oft hat man die Möglichkeit in der Medizintechnik Hard- und Software mit neusten Technologien zu entwickeln und über den Mittag kurz hinter dem Büro im Wald joggen zu gehen?», fragt Keller mit einem Lachen.

Dann kommt er doch noch einmal auf die Einstiegsfrage zurück: «Krebs als Krankheit ist für mich zu weit weg, um Angst davor zu haben – auch wenn ich mich tagtäglich mit ihm auseinandersetze. Aber es beruhigt mich, dass die Leute hier jeden Tag ihr Bestes geben, um die Behandlung von Krebs zu verbessern.»