Baden/Wettingen
Sind Sie tätowiert? Dann gehen Sie zur Stadtpolizei

Aargauer Kantonspolizisten dürfen keine Tattoos tragen, Allfällige müssen von der Uniform bedeckt werden können. Die Regionalpolizeikorps in Baden und Wettingen sehen dies nicht so eng.

Daniel Vizentini
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Will man in den Polizeidienst eintreten, ist so etwas keine gute Idee. Archiv

Will man in den Polizeidienst eintreten, ist so etwas keine gute Idee. Archiv

KEYSTONE

Hätten Sie ein Problem damit, wenn ein tätowierter Polizist auf Sie zukommen würde? Würden Sie diesen weniger ernst nehmen? In Sachen Tattoos sind viele Polizeikorps strikt: Gemäss einem Bericht des «Tages-Anzeigers» ist es Zürcher Polizisten verboten, sichtbare Tattoos zu tragen.

Wer eine Tätowierung hat, muss diese mit der Uniform abdecken können. Langjährige Mitarbeiter dürfen dafür auch einen hautfarbenen Strumpf verwenden. Bei angehenden Polizisten aber sind Tattoos ein absolutes No-Go. Egal ob bei der Zürcher Stadt- oder Kantonspolizei: Wer neu in das Korps aufgenommen werden will, hat mit sichtbaren Tattoos keine Chance.

Gleich läuft es bei der Aargauer Kantonspolizei: Allfällige Tattoos müssen alle von der Uniform bedeckt werden können, da gibt es kein Pardon. «Als Vertreter der Allgemeinheit hat der Polizist eine Vorbildfunktion», sagt Kapo-Sprecher Roland Pfister. «Dazu gehört ein entsprechender Auftritt. Der erste Eindruck zählt.»

Bei den Informationsveranstaltungen für angehende Polizisten seien Tattoos oder Piercings immer wieder ein Thema. Bei ungefähr 300 Bewerbern im Jahr muss die Kantonspolizei etwa 20 wegen auffallender Tattoos zurückweisen. «Unser Standpunkt ist klar: Man darf die Tattoos einfach nicht sehen.» Auch für die Kleidung, die Frisur oder allfälligen Ohrschmuck gebe es klare Vorschriften. «Ein Ohrstecker ist zum Beispiel erlaubt, aber nicht mehrere Ohrringe», sagt Roland Pfister.

Punkto Kleidung müsse etwa immer eine Krawatte unter der Jacke getragen werden. «Zudem sind wir eines der wenigen Korps, die eine Mütze noch vorschreiben.» Der einheitliche Auftritt sei wichtig, hebt er hervor. Die entsprechenden Vorschriften seien kürzlich angepasst worden, eine Veränderung sei nicht in Sicht.

Tattoos sind Privatsache

In den regionalen Polizeikorps in Baden und Wettingen gibt man sich beim Thema Tattoos offener und gelassener als beim Kanton oder in Zürich. «Die Stadtpolizei Baden hat Polizisten mit Tattoos. Für uns ist dies kein Problem», sagt Kommandant-Stellvertreter Max Romann. «Wir erwarten zwar, dass die Tattoos bedeckt sind, es ist aber auch kein Problem, wenn man sie mal sieht.» Reklamationen aus der Bevölkerung hätten sie nie gehabt – und auf die Fähigkeiten eines Polizisten hätten Tattoos sowieso keine Auswirkungen.

Leicht zurückhaltender gibt sich Oberleutnant Roland Jenni von der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal: «In Uniform sind sichtbare Tattoos nur dann gestat-
tet, wenn sie unauffällig sind und dem Ansehen der Polizei nicht schaden», sagt er. «Grundsätzlich sind Tattoos aber Privatsache.»

Laserbehandlung für Traumjob

In Zürich gibt es währenddessen immer wieder Fälle von Personen, die so gerne Polizist werden wollen, dass sie ihre Tattoos in teuren Laserbehandlungen entfernen lassen. Das Weglasern von Tattoos kostet dabei rund fünfmal mehr als das Stechen solcher.