Baden

«Sintflut ist ein Supername»

Seit 71 Jahren tourt die Badener Maske durch die Lande. Thespiskarren und Hutkollekte sind ihre Markenzeichen. Mit «Die Arche» spielt das Ensemble ab August im Aargau ein heiteres, ironisches Stück.

Ist der bärtige Gott mit seiner glitzernden Krawatte ein Showmaster? Das nicht, aber er ist ein Mann, der sich seiner ausgreifenden Gestik und seines singenden österreichischen Dialekts sehr wohl bewusst ist. Gott könnte bestrickenden Charme entfalten, doch er ist wütend – über die Menschen, die ihm den Gehorsam verweigern. Deshalb hat er entschieden: «Ich werde alle von der Erde vertilgen. Alles wird ersaufen.» Als ob das nicht genügte, setzt er noch hinzu: «Sintflut ist ein Supername.»


Gott-Darsteller Johann Herzog verstummt und sieht fragend zu Walter Millns hinüber. Der Profi-Regisseur lächelt: «Das war wunderbar. Ich habe lediglich eine Kleinigkeit.» Klar, wie könnte es anders sein; jetzt, wo der Feinschliff an der neuen Produktion der Badener Maske erfolgt: «Die Arche», ein heiter-ironisches Stück von Fabrizio Pestilli über den bekannten Mythos, hat Premiere am 5. August auf dem katholischen Kirchplatz in Baden.


Kosten nicht gedeckt


Man könne beinahe von einer Schweizer Erstaufführung sprechen, sagt Herzog, der das Stück 2015 beim bündnerischen Origin-Festival «in vier Sprachen» erlebt hat. «Wir spielen nun die Dialektfassung» – und das auf dem Thespiskarren. Dieser hat die Badener Maske (BM) ebenso berühmt gemacht wie die Hutkollekte. Selbst wenn, mit Ausnahme des Profiregisseurs, alle vor und hinter den Kulissen ehrenamtlich arbeiten, reichen die Einnahmen nicht, um die Kosten zu decken. Deshalb lässt sich das Ensemble für 2016 etwas Besonderes einfallen. Neben den Bänken gibt es neu Stühle, die für die Dauer der 60-minütigen Aufführung für 30 Franken gemietet werden können: «Das Cüpli inklusive», wie Barbara Gebhart betont.


Das BM-Mitglied strahlt mit ihren Kolleginnen und Kollegen um die Wette. Kein Wunder. Die Freiluftproben in Ehrendingen sind zwar streng, machen aber Spass. Nicht zuletzt deshalb, weil das Unterdorf eine idyllische Kulisse bietet. «Wir haben mit unseren Probensituationen überhaupt Glück», sagt Gebhart und erwähnt die Bezirksschule Wettingen. «Diese hat uns in den letzten Monaten ihren Theaterraum zur Verfügung gestellt, und das erst noch gratis.»
Diese Grosszügigkeit schont die Kasse der Badener Maske, die sich auch in diesem Jahre als Theater versteht, «das dorthin geht, wo die Menschen im Sommer anzutreffen sind: auf Plätzen, in Parks und in den Gassen».

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