Mellingen

Skandal im Alterszentrum? Pflegedienstleiter musste gehen

Für das Alterszentrum gibt es einen Lichtblick, allerdings ist Geduld gefragt. (Archiv)

Für das Alterszentrum gibt es einen Lichtblick, allerdings ist Geduld gefragt. (Archiv)

Letzte Woche kam es im Alterszentrum «Im Grüt» zu einer überraschenden Kündigung: Der Pflegedienstleiter musste gehen – aus zunächst rätselhaften Gründen.

Letzte Woche kam es im Alterszentrum «Im Grüt» zu einer überraschenden Kündigung, wie der «Reussbote» gestern auf seiner Titelseite berichtete. Der Pflegedienstleiter sei zwar nicht wie vermutet fristlos entlassen worden, jedoch «per sofort freigestellt».

Sein Foto sei noch am gleichen Tag von der Homepage des Alterszentrums verschwunden und durch das Konterfei von Johanna Hutzler ersetzt worden.

Die sehr knappen Antworten von Zentrumsleiter Willy Keller auf die Nachforschungen des Lokalblattes warfen Fragen auf. Zahlreiche mögliche Gründe für die Trennung wurden aufgelistet.

Von fehlenden Führungsqualitäten über Probleme mit Patienten bis hin zu Beschwerden von Angehörigen über den schlechten Umgangston reichten die Vermutungen. Diese wurden von Keller mit keinem Kommentar gewürdigt. Er sprach lediglich von den «ausgezeichneten beruflichen Qualitäten» des Pflegedienstleiters und von gemeinsamen Zielen, die man definiert habe. Die geheimnisvollen Antworten stimmen misstrauisch.

Ordentliche Kündigung

Versteckte sich hinter der Geschichte ein Skandal oder wurde hier etwas Alltägliches zur Schlagzeile aufgebauscht? Zuerst einmal die Fakten: Der betroffene Pflegedienstleiter arbeitete seit gut zwei Jahren im Alterszentrum in Mellingen, das heute 38 ältere Menschen beheimatet und betreut.

Seine Stelle als Pflegedienstleiter ist durchaus eine wichtige Position im Betrieb. Am Freitag der letzten Woche hatte der Betroffene seinen letzten Arbeitstag. Doch war die Entlassung tatsächlich ein Knall?

Das Badener Tagblatt fragte nochmals beim Leiter des Alterszentrums nach. Dabei zeigte sich Willy Keller erstaunt über den Trubel: «Das Ganze war nichts Überraschendes. Die Gespräche mit dem Betroffenen liefen schon seit einigen Wochen.»

Doch wieso wurde der Betroffene schliesslich per sofort vor die Tür gesetzt? Keller erklärt: «Dass wir den Angestellten freigestellt hätten, stimmt nicht. Wir haben eine ordentliche Kündigung ausgesprochen, wie dies im Berufsleben üblich ist.»

Dazu gehören auch drei Monate Kündigungsfrist. Die Entscheidung, dass der Entlassene in dieser Zeit nicht mehr arbeiten muss, sei im gegenseitigen Einvernehmen entstanden.

Nur verständlich, wenn man den Grund der Kündigung genau betrachtet. Wie Keller wohl schon dem «Reussboten» klarmachen wollte, gab es verschiedene Auffassungen über die gesteckten Ziele im Pflegebereich. Dass der Angestellte seine Kaderposition, im Wissen um deren zeitliche Befristung, weiterführen sollte, macht wenig Sinn.

Wie reagierten die Bewohner auf den Wechsel? «Viele haben das wohl gar nicht so realisiert. Schliesslich hat der Pflegedienstleiter ja oftmals nicht direkt mit den Patienten zu tun», erklärt Keller.

Bis auf weiteres wird Johanna Hutzler die Position übernehmen, die sie schon vor einigen Jahren kurz innehatte. In den nächsten Wochen wird eine definitive Nachfolge bestimmt. Bewerbungen dazu liegen bei Keller bereits auf dem Tisch. Bleibt zu hoffen, dass das Alterszentrum in Zukunft ohne Skandale bleibt – seien es echte oder geschriebene.

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