«Die Ärztetasche von Professor Pilzbarth für 60 Franken zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.» Auktionator Gögi Hoffmann alias «Ruud van Bimmelen» schlägt mit dem Hammer auf den Tisch. Die Tasche, die Professor Pilzbarth jeweils auf seinen Hausbesuchen bei sich hatte, ist verkauft.

Sie ist mit wichtigen Arbeitsgeräten eines Psychiaters gefüllt: Verbandsmaterial, einem Schwingbesen für Tee und einem Augen-Abstand-Messgerät.

Diese Ärztetasche war eines von 35 Objekten, das vergangenen Samstag im Musée bizarre versteigert wurde. Grund für die Auktion ist die Liquidation des Museums, das nach elf Jahren Ende 2010 seine Tore schliessen musste.

Dies, obwohl es sich nicht nur national, sondern auch international einen Namen gemacht hatte und zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt ins Museum strömten. Allerdings reichten die Einnahmen nicht, um die Betriebs- und Unterhaltskosten weiter zu decken.

Figuren, Bilder und Gerätschaften

Das Museum war einzigartig in seiner Art. Es erzählte mit lebensgrossen, täuschend echt nachmodellierten Figuren, Szenen über das Wirken des legendären Psychiatrieprofessors Jakob Pilzbarth. Dieser rückte seinen Patienten mit seltsamen Heilmethoden zu Leibe, indem er sie im Sinne der Anthropolyse – der Verwandlung von Menschen in Tiere – behandelte.

Hinter der Ausstellung stehen die Zürcher Objektkünstlerin Margaretha Dubach und ihr Mann, der emeritierte Professor für Psychiatrie und Psychotherapie Jürg Willi. Gemeinsam haben sie die Ausstellung liebevoll und kreativ bis ins kleinste Detail gestaltet.

Unter den Hammer kamen am Samstag neben den Figuren, dem Herzstück der Pilzbarth-Ausstellung, auch Bilder, Gerätschaften und allerlei persönliche Gegenstände des Professors, wie beispielsweise seine Nachttischlampe oder seine Garderobe.

Beliebt bei den Sammlern und Liebhabern waren vor allem die kleineren Skurrilitäten: So wechselte etwa ein Talisman, den Pilzbarth der Legende nach von einer dankbaren Verehrerin erhalten hatte, für 200 Franken den Besitzer.

Der kleine Glücksbringer hat es aber auch in sich: Er hilft nicht nur gegen Einbruch, Zahnschmerzen und Mundgeruch, sondern auch gegen böse Blicke und Plattfüsse. Etwas schwieriger gestaltete sich hingegen die Versteigerung der grösseren Objekte: Nur eine einzige Figur, die «Frau Rosa Lilienfeld in der Verwandlung zum Reh», wurde ersteigert.

Was nicht zu einem guten Preis versteigert werden konnte, wurde zurückgenommen und kann nun im freien Verkauf erworben werden. Man wollte die liebgewonnenen Stücke nicht unter ihrem Wert abgeben.

Samstag, 26. März, 14 Uhr: Versteigerung von weiteren 20 Objekten / freier Verkauf. Mittwoch, 30. März, 16 bis 20 Uhr: freier Verkauf. Samstag, 2. April, 15 bis 18 Uhr: Restverkauf / Verkauf Inventar.