Bezirksgericht Baden

Smarter Brite geriet verbal ausser Rand und Band – und ohrfeigte seine Ex-Frau

Farhan hatte gegen den Strafbefehl Einsprache gemacht, weil er Gill keine Ohrfeige gegeben und sie auch nicht geschubst haben will.

Farhan hatte gegen den Strafbefehl Einsprache gemacht, weil er Gill keine Ohrfeige gegeben und sie auch nicht geschubst haben will.

Versuchte Nötigung, Drohung, Verleumdung, Beschimpfung kommen einen 44-Jährigen teuer zu stehen.

Sie hatten sich geliebt, hatten geheiratet, waren Eltern eines Buben geworden. Seit gut drei Jahren leben sie getrennt, streiten sich um das Sorgerecht für den inzwischen 5-jährigen Sohn. Vor Gericht wirft Farhan (Namen geändert) Gill hasserfüllte Blicke zu, zischt wütend «she is a liar!» – sie sei eine Lügnerin. Farhan ist beschuldigt der versuchten Nötigung, mehrfachen Drohung und Beschimpfung sowie der Tätlichkeiten. Per Strafbefehl war er zu einer Geldstrafe von 12 600 Franken bedingt und 1000 Franken Busse verurteilt worden. Gill sass als Zivilklägerin, respektive Opfer vor Einzelrichter Lukas Cotti. Farhan, ein smarter Typ in dunklem Anzug, ist 44-jährig, im EDV-Bereich tätig und nicht auf den Mund gefallen. Gill – langes blondes Haar, modische Jeans, Ballerinas, Blazer – ist eine hübsche, zurückhaltende Frau. Sie und er sind britische Staatsbürger, Farhans Wurzeln sind in einer ehemaligen britischen Kolonie. Beide sprechen kaum Deutsch. Ein Übersetzer sitzt neben Richter Cotti, hat allerdings grosse Probleme mit dem juristischen Wortschatz. Mit Schützenhilfe der Gerichtsschreiberin und der beiden Anwältinnen, klappt es dennoch mit der Verständigung.

Anwältin öffentlich verleumdet

Farhan hatte gegen den Strafbefehl Einsprache gemacht, weil er Gill keine Ohrfeige gegeben und sie auch nicht geschubst haben will. Diese Tätlichkeiten sind allerdings, juristisch betrachtet, Peanuts gegenüber den weiteren Beschuldigungen, die Farhan ohne Wenn und Aber zugibt. Es scheint gar, als wäre er stolz darauf, seiner Frau per Mail unter anderem gedroht zu haben, ihr die Hölle heiss zu machen und dafür zu sorgen, dass sie den gemeinsamen Sohn nicht mehr sehen werde. Zwischen Mai 2014 und März dieses Jahres hatte er Gill auch immer wieder schriftlich als «mieses Miststück», «Idiotin», «lügende Hure», «Abschaum», «Scheiss Mutter» und mit noch hässlicheren Ausdrücken tituliert. Zudem hatte er Gill per Mail der Kindergärtnerin des Sohnes und weiteren Empfängern gegenüber als «schlechte Mutter» und «Rassistin» bezeichnet. In einem Video, das er in den öffentlich zugänglichen Portalen «youtube» und «vimeo» verbreitete, hatte Farhan zudem die damalige Anwältin von Gill verleumdet. Er nannte die Juristin namentlich, bezichtigte sie des Rassismus, tat kund, dass sie den von ihm geforderten Schadenersatz von 19 500 Franken nicht bezahlt habe und er sie nun betreibe.

Vor dem Richter bestätigte der Beschuldigte klar, dass dies alles zutreffe, aber eben nicht die Tätlichkeiten. Ein Ehepaar, Nachbarn von Farhan, sagte dazu als Zeugen aus, dass Gill eines Abends im letzten Oktober tränenüberströmt bei ihnen geklingelt habe und dass eine ihrer Wangen gerötet gewesen sei. Gill, inzwischen mit neuer Anwältin, schilderte, dass Farhan sie nach seiner Rückkehr aus den Ferien mit dem Sohn angerufen und gesagt habe, der Kleine habe Sehnsucht nach ihr. Als sie daraufhin zu Farhan gefahren sei, habe er sie nicht in die Wohnung gelassen. Nach einer verbalen Auseinandersetzung habe er ihr im Treppenhaus eine Ohrfeige verpasst und danach mehrfach mit beiden Händen gegen ihren Oberkörper gestossen.

Farhans Anwältin forderte einen Freispruch von den Tätlichkeiten und den Erlass einer Busse. Richter Cotti sprach Farhad schuldig gemäss Strafbefehl: Die Aussagen der beiden Zeugen und von Gill seien glaubwürdig. Wegen mangelnder Einsicht ins Unrecht und fehlender Reue erhöhte Lukas Cotti das Strafmass von ursprünglich 180 auf 300 Tagessätze und damit auf 21 000 Franken. Davon wird die Hälfte bedingt auf drei Jahre aufgeschoben. 10 500 Franken Strafe muss Farhad aber bezahlen.

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