Region
«So etwas habe ich noch nie erlebt»: Aargauer Pilzler befürchten leere Körbe

Der Hitzesommer hat Spuren hinterlassen – in den Wäldern sind kaum Pilze zu finden. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt ein Pilz-Experte.

Carla Stampfli
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Kein Speisepilz: Der Blasshütige Purpurröhrling
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Stockschwämmchen (siehe Bild) und Eierschwämme wurden an der Pilzkontrollstelle Untersiggenthal vorgelegt.
Eierschwämme (siehe Bild) und Stockschwämmchen wurden an der Pilzkontrollstelle Untersiggenthal vorgelegt
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Für Sonnenhungrige konnte der Sommer nicht besser gewesen sein. Er war nach 2003 der Zweitwärmste seit Messbeginn: Die Temperatur lag dreieinhalb Grad über dem langjährigen Mittel, Sonnenstunden gabs im Überschuss. Darob weniger begeistert sind die Pilzsammler. Denn wer in diesen Wochen durch die Wälder läuft, kehrt enttäuscht zurück. Die Pilzsaison hat zwar vor einigen Wochen begonnen, doch so richtig in Schwung gekommen ist sie nicht: Der Boden ist zu trocken.

Es finden sich so gut wie gar keine Pilze im Wald, sagt Peter Byland, Pilzkontrolleur des Kantons und Vorstandsmitglied des Pilzvereins Region Baden. Bis auf einige wenige Steinpilze gebe es kaum andere Essbare zu sammeln. Immerhin zeigen sich auch die giftigen Pilze nur rar.

Zu trocken, um zu wachsen

«So etwas habe ich noch nie erlebt», ergänzt Josef Keller von der Pilzkontrollstelle Untersiggenthal. Keller, der seit Ende der 1970er-Jahre tätig ist, hatte in dieser Saison bisher nur eine Kontrolle durchzuführen. Die Ausbeute: Eierschwämme und Stockschwämmchen im Grammbereich. «Von Pilzsaison kann keine Rede sein», sagt er.

Die Trockenheit und der Hitzesommer haben dazu geführt, dass kaum Feuchtigkeit in den Untergrund gesickert ist. Auf diese Weise konnten die Pilzmyzelien, die aus netzwerkartigen Fäden bestehen und sich im Boden befinden, ihre Fruchtkörper an der Oberfläche nicht zum Wachsen bringen.

Müssen wir uns nun fürchten, dass die Pilze in diesem Jahr ausfallen? Die Saison völlig abschreiben wollen die Pilzkontrolleure nicht. Denn auch im Jahr des Rekordsommers 2003 sah es zuerst danach aus, als würden die Körbchen der Pilzsammler leer bleiben. Aber dann trat im Herbst doch noch eine Regenperiode ein, die Pilze begannen, aus dem Boden zu schiessen. «Damals gab es sehr viele Champignons», erinnert sich Peter Byland. Es habe ausgesehen, als seien die Böden wie von Schnee bedeckt.

Pilzraritäten könnten spriessen

Dasselbe könnte auch in dieser Saison geschehen. Aber nicht nur: Dank der Wärme, die der Waldboden während des Sommers gespeichert hat, könnten auch Arten wachsen, die in der Region kaum bis selten vorkommen, sagt Josef Keller von der Pilzkontrolle Untersiggenthal. Theoretisch sei es möglich, einen Kaiserling zu finden. Diese Art wächst normalerweise nur in den mediterranen bis warm-gemässigten Zonen. «Doch je länger es trocken bleibt, desto kleiner ist die Chance, dass Raritäten spriessen.»

Regen muss her

Die Pilzkontrolleure hoffen, dass bis Mitte September länger dauernder Niederschlag einsetzt. Dies, damit die Nässe in den Boden eindringen kann und die Fruchtkörper an die Oberfläche kommen. Falls es aber in den nächsten zwei, drei Wochen nicht regnen würde, sehe er schwarz, sagt Peter Byland. Setzt der Niederschlag erst danach ein, könnten es unter Umständen bereits zu kalt sein, als dass die Pilze spriessen könnten. «Im schlimmsten Fall würden sie die Saison aussetzen», so Josef Keller.

Obwohl die Pilzkontrollstellen Baden und Untersiggenthal trotz Saisoneröffnung nur wenig Arbeit haben, gibt man sich nicht geschlagen. Die Trockenheit sei nicht nur negativ, sagt Peter Byland. Denn sie mache die Suche nach Pilzen umso spannender: Würde man jedes Mal mit einem vollen Körbchen aus dem Wald zurückkehren, wäre es auf die Dauer langweilig.