Wussten Sie, dass der Weihnachtsmann in Finnland wohnt? Hoch im Norden, in Rovaniemi, einer Stadt gleich am Polarkreis, hat er sein eigenes Postbüro eingerichtet. Dort nimmt er alle Briefe in Empfang, die ihm Kinder aus aller Welt zusenden. In der Vorweihnachtszeit sind das an die 30 000 Briefe pro Tag!

Das und vieles mehr erfuhren die Besucher anlässlich der Vernissage der neuen Sonderausstellung «Weihnachten in Finnland» im Kindermuseum in Baden. Joulupukki, so heisst der Weihnachtsmann in Finnland, wohnt auf dem Berg Korvatunturi, dem Ohrenberg, deshalb kann er alle Wünsche der Kinder hören. Er lebt dort zusammen mit seiner Frau und vielen kleinen Tonttus, kleinen Wichteln also, die ihm das ganze Jahr hindurch dabei helfen, Geschenke zu basteln.

Wichtigster Feiertag in Finnland

Weihnachten ist der wichtigste Feiertag in Finnland. Früher, das heisst, bevor der Weihnachtsmann amerikanisiert wurde, kam der Weihnachtsmann mit Wanderstock und Fellstiefeln zu den Kindern. Er trug einen Schafspelzmantel, bei dem die warme, pelzige Innenseite nach aussen gekehrt war. «Eine bemalte Maske aus Guttapercha, eine Art Kautschuk, hat er getragen. Wir haben aber immer gewusst, wer dahintersteckte. Wir wollten aber diese Tatsache für uns behalten, sonst hätten wir das gemeinsame Spiel irgendwie zerstört», erinnerte sich der mittlerweile 83-jährige Pfarrerssohn Pekka Vihma anlässlich der Vernissage im Kindermuseum.

Er umschrieb mit eigenen Worten, wie er damals, 1937, mit seinen Geschwistern und seinen Eltern Weihnachten im Pfarrhaus erlebte. «Am ersten Weihnachtstag waren wir schon früh wach. Die Weihnachtskirche fing um sechs Uhr an», erzählte Vihma. Man fuhr mit dem Pferdeschlitten durch die schneeverschneite Landschaft. «Ich weiss noch heute, wie die Funken von den Schlittenkufen flogen», sagte er. «Mein Vater als ehemaliger Dragoneroffizier hat die Situation voll genossen. Es war feierlich und auch spannend. So etwas kann man einfach nicht vergessen.»

Finnland hat seine ganz eigenen Weihnachtstraditionen. Am 24. Dezember um 12 Uhr mittags wird in Turku, der früheren finnischen Hauptstadt, der Weihnachtsfriede ausgerufen. Das ist der offizielle Start der Weihnachtsfeierlichkeiten. Viele Finnen verfolgen dieses Ereignis am Fernsehen oder am Radio. Am Nachmittag gehen die Finnen traditionellerweise auf den Friedhof, man gedenkt den Verstorbenen und zündet Kerzen an. Auch der Gang in die Sauna gehört an Heiligabend zur Familientradition.

Tonttus trugen finnische Lieder vor

Gingen die Gäste am Samstagabend durch die Räume des Kindermuseums, schwirrten überall kleine Tonttus durch die Gänge. Sie trugen rote Zipfelmützen und sie sprachen Finnisch. Es waren Kinder der Finnischen Schule Aargau, die an der Vernissage tanzten und finnische Lieder vortrugen.

Die Sonderausstellung «Weihnachten in Finnland» läuft noch bis 6. Januar 2018 im Kindermuseum in Baden.