Sekte
So geht Scientology in Baden auf Kundenfang

Die Sekte Scientology geht auf dem Bahnhofplatz im aargauischen Baden auf Kundenfang. Sie versprechen dabei den Menschen menschliche Defizite auszumerzen. Zudem verkaufte die Sekte DVD's mit ihrem Gedankengut für 18 Franken.

Dieter Minder
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Zwischen Abfalleimer (Vordergrund) und reformierter Kirche steht das Scientologen-Zelt. Dieter Minder

Zwischen Abfalleimer (Vordergrund) und reformierter Kirche steht das Scientologen-Zelt. Dieter Minder

Limmattaler Zeitung

Vor rund 2000 Jahren, 50 Tage nach Ostern, ist der Heilige Geist auf die Erde herabgekommen, so steht es in der Bibel. Mit dem Pfingstfest erinnern die christlichen Kirchen an diesen Tag der Erleuchtung. Obwohl Pfingsten keines der ganz grossen christlichen Feste ist, gilt der Tag als Gründungsmoment der christlichen Kirche. Eher eine Irrlichtvariante propagierten zum Pfingstwochenende auf dem Bahnhofplatz in Baden die Scientologen. Sie hatten ihre grosse gelbe Zeltstadt aufgestellt, um darin Werbung für ihre Sicht des Glaubens zu machen. Sie versprachen den Weg zum Glücklichsein.

Gedankengut ab 18 Franken

Dabei muss das Geld eine nicht unbedeutende Rolle spielen, denn primär wurden DVDs zum Kauf angeboten. Ab 18 Franken, aber auch zu höheren Preisen, konnte scientologisches Gedankengut erworben werden. Wer sich dafür interessierte, wurde alsbald ins Innere des Zeltes eingeladen. Dort standen auf Tischen, zwei der für die Scientologen wichtigen E-Meter. Es handelt sich letztlich lediglich um elektrische Widerstandsmessgeräte.

Der Besucher muss in jede Hand einen Kontakt nehmen, was automatisch einen Ausschlag des Zeigers zur Folge hat. Die Scientologen behaupten, damit Defizite beim Menschen feststellen zu können. Defizite, die ihn daran hindern, ein guter, erfüllter Mensch zu sein. Getreu ihrem Motto «Man kann immer etwas tun» wird der Besucher eingeladen, einen Persönlichkeitstest zu machen und danach seine Defizite abzuarbeiten. Das macht er am besten mit Scientology-Kursen. Und diese Kurse kosten Geld. Bei einem Kurs bleibt es in der Regel nicht, weitere Kurse, um neu erkannte Defizite zu beseitigen, müssen absolviert werden. Beobachter bezeichnen Scientology mit diesem Kurssystem als eine Geldmaschine.

Studenten würden Gewalt konsumieren

Fast etwas verschämt ob all den angebotenen DVDs hingen am Zelt noch einige Blätter, auf denen «bewiesen» wurde, wie gross der moralische Verfall der Gesellschaft ist. Da wurde behauptet, dass 14,6% der Studierenden an Sprühflaschen inhaliert hätten. 20% der Studierenden würden täglich mehr als 3 Stunden Gewalt am Fernsehen konsumieren und 65% der 13 bis 17-Jährigen sagten, dass an den Schulen geschummelt werde. Gegen diesen von ihnen diagnostizierten Verfall sollen die Scientologen mit ihrem auf dem «gesunden Menschenverstand beruhenden Moralkodex» ankämpfen. Dazu aber brauchen sie viele Anhänger, die den Kampf auch finanziell unterstützen.

In Baden hielt sich der Erfolg ihrer Rekrutierung in Grenzen. Wenige machten den Schritt durch die Zeltöffnung, über der ein dem christlichen Kreuz nachempfundenes Symbol prangte.