Wettingen
So klingt «Baden Moskau»

Pianist Karl-Andreas Kolley erweckt die Musik von Emil Frey zu neuem Leben. Er brachte dabei eine fast für ein Jahrhundert vergessene Komposition zum Klingen.

Walter Labhart
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Badener Pianist Karl-Andreas Kolly stellt Emil Freys Werk ins Zentrum.Archiv/AZ

Badener Pianist Karl-Andreas Kolly stellt Emil Freys Werk ins Zentrum.Archiv/AZ

Chris Iseli

Als Klaviervirtuose brachte er es sehr weit, bis nach Südamerika und zu aristokratischen Ehren: Emil Frey (1889-1946) wurde schon 1908 in Bukarest von König Karl zum rumänischen Hofpianisten ernannt. Von 1912 bis 1917 leitete er die Virtuosenklasse am Kaiserlichen Konservatorium in Moskau, das er nach der Oktoberrevolution mit demjenigen in Zürich eintauschte.

Es ist dem in Baden aufgewachsenen und vom Frey-Schüler Karl Grenacher ausgebildeten Pianisten und Dozenten Karl-Andreas Kolly zu verdanken, dass eines von Freys kammermusikalischen Hauptwerken am Freitag im Zentrum des 3. Konzertes der Wettinger Kammerkonzerte stand. Mit der 1909 entstandenen Sonate D-Dur op. 22 für Violine und Klavier wurde eine fast ein Jahrhundert lang vergessene Komposition voll speziellem Klangreiz zu neuem Leben erweckt.

Zwiespältige Eindrücke

Das dem rumänischen Violinenvirtuosen und Komponisten George Enescu gewidmete Werk hinterliess trotz einer hörbar engagierten, intensiv musizierten Darstellung zwiespältige Eindrücke. Vor lauter nicht immer nur leise durchschimmernden Vorbildern wurde Freys kompositorische Eigenart nie recht fassbar. Sowohl für den impulsiven Kopfsatz als auch für das besinnliche Andante und das mitunter geheimnisvolle Scherzo galt: Es wagnert und brahmselt und liszt, da Frey zu viele Stile mischt. Die Geigerin Kamilla Schatz und Karl-Andreas Kolly legten sich mächtig ins Zeug, bereiteten aber weitaus grösseres Hörvergnügen mit je einer weiteren Sonate von Claude Debussy und Gabriel Fauré, einem von Emil Freys Pariser Kompositionslehrern.

Leidenschaft der Spätromantik

In Debussys Sonate pflegte die mit einem wunderbar sonoren Instrument von Guadagnini aus dem Jahr 1772 verwöhnte Geigerin ein zart-expressives Legatospiel von geradezu betörender Eleganz. Zu leidenschaftlichem Musizieren fanden sie und der Pianist in der spätromantisch gefärbten Sonate A-Dur von Fauré zusammen.

Das «Baden-Moskau» betitelte, ebenso klug gestaltete wie brillant umgesetzte Konzertprogramm schloss zwei Präludien für Violine und Klavier des spät wiederentdeckten Skrjabinisten Nikolai Roslawetz und die 1895 teilweise in Vitznau am Vierwaldstättersee für Klavier geschriebenen 5 Préludes von Alexander Skrjabin ein. Kollys dynamisch fein abgestufte Interpretation und sein delikater Anschlag beeindruckten im selben Masse wie die differenzierte Ausdrucksskala der Geigerin.