Künten

So lebten die Künter vor über 3000 Jahren

Der Tag der offenen Tür bei der Grabungsstätte in Künten lockte viele Interessenten an. Hier wurde erklärt, wie die Künter früher lebten. Für die neue Siedlung Chüeweid fand der Spatenstich statt.

Künten, wir schreiben das Jahr 3200 vor Christus. Nach der letzten Eiszeit hinterliess der Gletscher hier im Reusstal zwei Moränenhügel. Im Jahre 3200 vor Christus ist das Gebiet zwischen den beiden Moränenhügeln aufgefüllt mit Sedimenten, so dass ein kleines Plateau entstand, das flach genug ist, damit sich Menschen ansiedeln können. Der nahe Bach bietet Wasser als Lebensgrundlage. Die Findlinge, die an dieser Stelle aus dem Erdreich ragen, bieten einen gewissen Schutz. «Die Menschen, die hier lebten, waren einfache Bauern», erklärt Grabungsleiter David Wälchli.

Sie lebten vom Ackerbau, aber auch von der Jagd. Sie hielten sich Haustiere, und sammelten Beeren, Pilze, Nüsse und wilde Äpfel. «Hier an dieser Stelle haben wir den Grundriss eines Hauses gefunden», erklärt er weiter. Es war ein einfaches Gebäude bestehend aus Holzpfeilern, die in die Erde gerammt wurden. Dazwischen war Flechtwerk, das mit Lehm ausgefüllt wurde. Das gesamte organische Material ist in der Zwischenzeit vermodert, man fand einzig noch die Spuren, wo die Holzpfeiler einst standen.

Es war ein Gebäude von 9 auf 6 Meter. Wälchli schätzt, dass hier einst eine Sippschaft von vielleicht 50 Menschen gelebt hatte. Die eigentliche Sensation der Grabung sind allerdings die zahlreichen Steinbeile, die gefunden wurden. Sie deuten darauf hin, dass hier ein eigentlicher Werkplatz für Steinbeile gewesen war.

Eine Kugel als Werkzeug

Jenny Bodenmann, Studentin für prähistorische Archäologie der Uni Zürich erklärt, wie die Beile gemacht wurden. In ihren Händen hält sie eine Steinkugel so gross wie ein Apfel: «Hier schauen Sie wie dieses Werkzeug angenehm in den Händen liegt.» Tatsächlich ist in der Kugel eine kleine Delle, in der der Daumen gut Platz findet. «Damit haben die Steinzeitmenschen die Steine grob bearbeitet.» Für die Beile benutzte man Grünstein, der hier häufig vorkommt. Nach der Grobbearbeitung musste der Stein geschliffen werden. Dies geschah mit Wasser und Sandstein. 8 bis 10 Stunden Schleifarbeit sind nötig, um ein Steinbeil herzustellen.

Dabei ist es erstaunlich, wie fein der Stein geschliffen ist. Das ist Präzisionsarbeit aus dem Neolithikum. Man nimmt an, dass mit diesen Beilen sogar Handel getrieben wurde. Speerspitzen aus Feuerstein wurden nämlich ebenfalls gefunden. Und der Feuerstein (auch Silex genannt) stammt aus dem Jura. Gut möglich, dass die Menschen auf Wanderungen solche Gegenstände untereinander getauscht haben. Ausserdem fand man Keramikscherben und dank dieser Funde kann man sehr genau datieren, dass die Siedlung auf das Jahr 3200 bis 3100 zurückzuführen ist. Nur 30 cm über den Jungsteinzeitfunden fanden die Archäologen Hinweise auf eine Siedlung aus der Bronzezeit, vor allem Tongefässe. Das Gebiet wurde also um rund 1700 vor Christus ein weiteres Mal besiedelt.

Steinzeitpark zur Erinnerung

Noch bis Ende Woche werden die Kantonsarchäologen hier arbeiten. Danach geben sie das Gelände frei für die Bagger. Entstehen wird hier eine familienfreundliche Siedlung mit 16 Wohneinheiten. Das sind 8 Einfamilienhäuser und 4 Doppeleinfamilienhäuser. Die Firma Atmoshaus, welche die Häuser bauen sowie die Firma Tectron AG, welche die Häuser verkaufen wird, luden zum Spatenstich. Zu einem kurzen Umtrunk im Anschluss an die Führungen durch die prähistorischen Grabungsstellen waren nicht nur Behördenmitglieder, sondern auch die jungen Familien, die bereits ein Häuschen hier erworben haben und bald hier wohnen werden.

Simon Schmid von der Tectron, selber ein grosser Fan von prähistorischen Funden, versprach denn auch, dass hier in der Nähe der neuen Siedlung Chüeweid ein kleiner Steinzeitpark entstehen soll. Zum Andenken an die Menschen, die hier vor über 5000 Jahren gesiedelt haben.

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