Öffentlicher Verkehr
So sieht die Limmattalbahn aus – Verständnis im Aargau für Zürcher Vorbehalte

Ende 2022 wird die Stadtbahn zwischen Killwangen-Spreitenbach und Zürich-Altstetten erstmals fahren. Jetzt ist klar, wie die Fahrzeuge aussehen: Grau-Weiss-Blau, und mit einem prominenten Logo, das in Zürich zum Politikum wird.

Oliver Graf, Pirmin Kramer
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Weil die «Aargau Verkehr AG (AVA) die Limmattalbahn betreibt, ist ihr Logo auf den Führerkabinen zu sehen. Die prominente Platzierung kommt in Zürich nicht gut an. So werden die Waggons der Limmattalbahn innen aussehen. Aus Kostengründen kommt das Design von Aargau Verkehr zur Anwendung.

Weil die «Aargau Verkehr AG (AVA) die Limmattalbahn betreibt, ist ihr Logo auf den Führerkabinen zu sehen. Die prominente Platzierung kommt in Zürich nicht gut an. So werden die Waggons der Limmattalbahn innen aussehen. Aus Kostengründen kommt das Design von Aargau Verkehr zur Anwendung.

Visualisierungen: zvg Bild: zvg/AVA

Ende 2022 wird die erste Limmattalbahn zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach unterwegs sein. Nun steht fest, wie die Stadtbahn aussehen wird: Blau, Weiss und Grau. Entlang des 44 Meter langen Gefährts prangt viermal der Schriftzug «Limmattal Bahn». Auffällig: Das Logo der Betreiberin, der Aargau Verkehr AG (AVA), wird auf beiden Führerkabinen des Zweirichtungsfahrzeugs sowohl auf der Front als auch seitlich angebracht. Das prominent platzierte Aargauer Logo wird in Zürich nun zum Politikum.

«Ich bin entsetzt, sagt Ernst Joss (Alternative Liste), Gemeinderat in Dietikon. Er will einen Vorstoss einreichen und den Dietiker Stadtrat auffordern, sich für eine Umgestaltung einzusetzen. «Die Fahrzeuge müssen klar als Limmattalbahn erkennbar sein», fordert er. Immerhin sei das Logo etwas kleiner geworden, als es die Betreiber ursprünglich gewünscht hätten.

Auch der Stadtpräsident von Dietikon, Roger Bachmann, stört das «nach wie vor sehr prominenten Logo der AVA». Gerade in den Anrainergemeinden sei der Widerstand gegen den Bau der Stadtbahn gross gewesen. «Umso wichtiger ist es, dass man alles daran setzt, eine Gestaltung zu finden, die bei der Bevölkerung grossmehrheitlich ankommt und so auch Identifikation schafft.»

«Verwirrung, ob Bahn nun bis nach Zürich fährt oder nicht»

Und Josef Wiederkehr, dem Präsidenten des Industrie- und Handelsvereins Dietikon, gefällt zwar der schlichte, moderne und recht zeitlose Look der Stadtbahn – doch auch bei ihm stösst das Logo auf wenig Gegenliebe: «Wünschenswert wäre ein kantonsübergreifender Auftritt der Betreibergesellschaften», sagt er. Andernfalls könnte bei wartenden Fahrgästen eine gewisse Verwirrung entstehen, ob die Bahn nun in Zürich hält oder nicht.»

Mathias Grünenfelder, stellvertretender CEO und Leiter Grossprojekte von Aargau Verkehr, entgegnet: «Die Fahrzeuge werden sich klar von anderen unterscheiden. «Das breite, blaue Fensterband spielt auf die Limmat an.» Dieses Blau verleihe den Fahrzeugen Eigenständigkeit und Identität. Zum Logo sagt er: « Aus unternehmerischer Sicht hätte ich natürlich gern gesehen, wenn unser Logo auf den Fahrzeugen grösser wäre. In ersten Entwürfen gab es auch entsprechende Varianten. Wir mussten aber eine für die ganze Region mehrheitsfähige Lösung suchen. Diese liegt nun vor, und ich bin mit ihr sehr zufrieden.» Zum Design der Bahn sagt er: «Es ist ein zeitloses Design. Es ist geradlinig, technisch, präzise. Und es verweist damit auch auf den öffentlichen Verkehr, dessen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.» Das finale Design habe der Zürcher Verkehrsverbund, Mehrheitsaktionär bei der Limmattalbahn AG, kürzlich bewilligt. «Ich bin überzeugt, dass das finale Design die Fahrzeuge überleben wird.»

Verständnis im Aargau für Zürcher Vorbehalte

Zwar gibt es aus den Zürcher Gemeinden, in denen die Limmattalbahn halten wird, auch viele positive Stimmen. Die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) hebt den Blauanteil hervor, «der für unsere vom Wasser geprägte und dynamische Region steht». Und Schlierens Stadtpräsident Markus Bärtschinger (SP) spricht von einem «gediegenen, nicht marktschreierischen Auftritt ohne übergrosse Logos».

Doch selbst im Aargauer Limmattal gibt es Verständnis für die Kritik am prominent platzierten Aargauer Logo. Werner Scherer (SVP), Gemeindeammann von Killwangen, kann die Kritik nachvollziehen. «Bei der Limmattalbahn handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Kantone. Das sollte auf der Bahn sichtbar sein, beispielsweise mit den beiden Kantonswappen.» Insgesamt ist er aber zufrieden mit dem Erscheinungsbild der Bahn: «Ich bin positiv überrascht, das Design ist zeitlos schön. Mir gefällt, dass die Limmattalbahn mehrheitlich blau und weiss ist, das erinnert an die Limmat, die uns verbindet, und passt zu den Wappen der beiden Kantone Aargau und Zürich.»

Lob aus Spreitenbach für das Design der Bahn

Anderer Meinung betreffend des Logos ist Markus Mötteli (CVP), Vizeammann von Spreitenbach (er führt die Gemeinde seit dem Rücktritt von Marcel Lang nach nur 22 Tagen Amtszeit): «Dass das Logo von Aargau Verkehr zu sehen ist, finde ich absolut in Ordnung. Es ist doch normal, dass das Logo des Betreiberunternehmens auf den Fahrzeugen zu erkennen ist.» Auf den ersten Blick gefalle ihm das Design. «Es ist neutral, und man erkennt am Schriftzug sofort, dass es sich um die Limmattalbahn handelt.»

Ein mutigeres Statement hätte sich Jasmina Ritz gewünscht. Sie ist Geschäftsführerin der Limmatstadt AG, die kantonsübergreifend Standortförderung betreibt. Ein Tram sei doch ein Imageträger, präge das Stadtbild und stifte Identität; Bern rot, Basel grün, Zürich blau. «Ich hätte mir für unsere Region ein mutigeres Statement gewünscht», sagt sie. Sie meint damit kein schrilles, aber ein selbstbewusstes und unverwechselbares. «Nun haben wir ein blasses Neutrum, das keinem wehtut, aber auch nichts ausstrahlt.»

Und zum Schluss noch dies: Über die Gestaltung hat letztlich nicht Aargau Verkehr entschieden. Das finale Design habe der Zürcher Verkehrsverbund, Mehrheitsaktionär bei der Limmattalbahn AG, unter Einbezug des Verkehrsrates des Kantons Zürich und der Gemeindepräsidenten des Limmattals kürzlich bewilligt, erklärt Mathias Grünenfelder.

Limmattalbahn: Die Fahrzeuge sind innen im Aargau-Design gehalten

Die Limmattalbahn ist eine besondere Bahn: So wurde sie zwar im vergangenen Sommer feierlich eröffnet – sie fährt aber offiziell doch noch nicht. Auf den neuen Gleisen vom Zürcher Farbhof bis nach Schlieren Geissweid verkehrt erst das verlängerte Stadtzürcher Zweier-Tram. Die Limmattalbahn wird ihren Betrieb Ende 2022 aufnehmen, wenn die gesamte Strecke zwischen den Bahnhöfen Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach realisiert ist.

Im Inneren der Bahn hat sich das Design von Aargau Verkehr durchgesetzt. Mathias Grünenfelder, stellvertretender CEO und Leiter Grossprojekte von Aargau Verkehr, sagt dazu: «Würden wir für die acht Fahrzeuge der Limmattalbahn beispielsweise ein spezielles Polster-Design verwenden, käme uns dies teurer zu stehen. Gerade Polsterbezüge sind vandalismusgefährdet und müssen immer wieder einmal ersetzt werden.» Indem über den gesamten Betrieb dieselben Materialien eingesetzt werden, könnten Synergien genutzt und beim Einkauf von einem Mengenrabatt profitiert werden. «Zudem passen die Farben des Innendesigns auch zur Gesamtgestaltung des Fahrzeuges. Somit kann dem Fahrgast ein gesamtheitlich gutes Gefühl in einer harmonischen Farbwelt geboten werden. Beim voll klimatisierten Tramlink von Stadler Rail, das in Valencia produziert wird, handelt es sich um ein Zweirichtungsfahrzeug mit zwei Führerkabinen. Es ist 44,3 Meter lang und 2,4 Meter breit, bietet 88 Sitz- und 172 Stehplätze. (og/pkr)