Der Dorfbach von Wettingen und dessen Unterlauf, der Gottesgraben, entwässern ein rund 4,5 Quadratkilometer grosses Einzugsgebiet entlang der Lägern. Im Siedlungsgebiet ist das Gewässer in weiten Teilen kanalisiert oder eingedolt. Das Problem: Die Abflusskapazitäten in diesen Abschnitten reichen nicht aus, um grössere Hochwasser schadlos abzuleiten. So wie damals 1955, als in Wettingen ein Jahrhundertgewitter niederging und das Siedlungsgebiet grossflächig flutete.

Gemäss Kanton muss innerhalb des Siedlungsgebiets aber ein vollständiger Schutz gewährleistet werden. Deshalb hat der Gemeinderat ein Vorprojekt für den Dorfbach erstellt, das ein Jahrhunderthochwasser – ein Hochwasser mit so hohen Pegelständen, wie sie im statistischen Mittel nur einmal in hundert Jahren erreicht werden – sicher ableiten kann. Auf dieser Grundlage soll jetzt ein Bauprojekt ausgearbeitet werden. Dafür beantragt der Gemeinderat dem Einwohnerrat an seiner nächsten Sitzung einen Projektierungskredit von 545 000 Franken.

1955 lief der Dorfbach über und richtete (hier: Bifangstrasse) Schäden an.

1955 lief der Dorfbach über und richtete (hier: Bifangstrasse) Schäden an.

Als Lösung sieht das Vorprojekt einen Doppelstockausbau vor. Mit anderen Worten: Das Wasser soll in einem unterirdisch verlaufenden Rechteckkanal und einem darüber liegenden sowie natürlich gestalteten offenen Bachlauf abgeleitet werden. Das Hochwasser wird durch ein Trennbauwerk vom oberirdischen Bachlauf entkoppelt und unter dem Bach in Kanälen abgeleitet. «Mit diesem Prinzip wird das Durchflussvolumen erhöht, und der Dorfbach überläuft nicht», sagt die zuständige Gemeinderätin Kirsten Ernst (SP). Zudem wird damit die kantonale Forderung erfüllt, bei allen Bachumbauten den Bach offenzulegen. «Für die Gemeinde ergibt sich ein Mehrwert, da der Bachlauf ökologisch und attraktiv gestaltet werden kann», sagt Ernst.

2,3 Kilometer werden ausgebaut

Der Dorfbach und sein Unterlauf müssen auf einer Länge von insgesamt 2,3 Kilometer um- und ausgebaut werden. Die Kosten dafür werden auf rund 19,1 Millionen Franken geschätzt. Die Nettoinvestitionskosten für die Gemeinde – sie sind bereits im Finanzplan berücksichtigt – belaufen sich auf voraussichtlich 6,3 Millionen Franken. Den Rest übernehmen der Bund, der Kanton und die Aargauer Gebäudeversicherung (AGV). Es gäbe zwar durchaus billigere und einfachere Varianten, sagt Gemeindeammann Roland Kuster (CVP). Beispielsweise mit einem Hochwasserrückhaltebecken im Eigi. Doch stünde eine solche Lösung ökologisch in einem Missverhältnis. Mit dem Doppelstockausbau hingegen werde nicht nur das Siedlungsgebiet vor Hochwassergefahren geschützt, sondern gleichzeitig aufgewertet.

Mit dem Hochwasserschutz-Projekt sollen weitere Synergien genutzt werden. Beispielsweise würden mit dem Ausbau des Dorfbachs zeitgleich Werkleitungen erneuert oder Betriebseinrichtungen angepasst, sagt Gemeinderätin Ernst. «So verhindert man, dass die Strassen nicht mehrere Male aufgerissen werden müssen.» Genehmigt der Einwohnerrat den Projektierungskredit an seiner nächsten Sitzung, wird im Anschluss das Bauprojekt mit Kostenvoranschlag ausgearbeitet. Der Gemeinderat plant, den Baukredit Mitte nächsten Jahres dem Einwohnerrat zur Genehmigung vorzulegen.