Peter Biehler über den Zustand der Reussbrücke.

Peter Biehler, Leiter Kunstbauten beim BVU, über den Zustand der Reussbrücke.

Mit Helm und Klettergerüst ausgestattet seilt sich Ingenieur Michael Kunz von der Reussbrücke ab. Kurz darauf verschwindet er unter dem Bauwerk. Dort wird Kunz die letzten Untersuchungen vornehmen, um mehr über den Zustand der Brücke zu erfahren: Die Reussbrücke, die 1928 gebaut worden ist, hat ihre Nutzungsdauer langsam erreicht.


Die Frage, wie lange sie dem Verkehr noch standhält, gewinnt an Bedeutung, weil offen ist, wann die vom Volk gutgeheissene Umfahrung Mellingen realisiert werden kann. Dieser Umstand bewog auch die CVP-Grossräte Marianne Binder und Martin Steinacher Ende August 2017, beim Regierungsrat einen entsprechenden Vorstoss einzureichen.


Nun haben der Kanton und das Aarauer Bauingenieurbüro Wilhelm+Wahlen die Reussbrücke während der letzten vier Tage unter die Lupe genommen. Untersucht wurden der Beton der Fahrbahn sowie die Stahlkonstruktion. Dafür entnahm das Team unter anderem Bohrkerne sowie Stahlproben und inspizierte visuell das Bauwerk. «Es hat sich herausgestellt, dass der Oberflächenschutz des Stahls an einigen Stellen kleine Risse und Rost aufweist», sagt Kunz.

Das sei nicht weiter problematisch. Doch um zu wissen, wie es um die Brücke wirklich steht, müsse man die Laboranalysen abwarten. «Diese geben Aufschluss über die Baustoffqualitäten, Festigkeiten, Chloridbelastung des Betons und den Ermüdungszustand der Stahlkonstruktion», erklärt Peter Biehler, Leiter Kunstbauten beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Erst, wenn die Schadensbilder analysiert und die Resultate bekannt seien, könne der Kanton ein Massnahmenkonzept erstellen. «Fest steht aber schon jetzt: Sofortmassnahmen sind keine nötig. Die Konstruktion ist stabil», sagt Biehler.


Empa wird Stahl untersuchen


Für die Abklärungen wurde in der Nacht die Reussbrücke einseitig gesperrt, teilweise auch tagsüber. Fussgänger wurden über den Reusssteg umgeleitet. «Die Untersuchungen sind gut verlaufen, auch gab es keine Reklamationen vonseiten der Anwohner oder Verkehrsteilnehmer», sagt Kunz. Am Dienstag und Mittwoch wird das Team ein letztes Mal vor Ort sein und Ultraschalluntersuchungen durchführen. Zudem wird die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) den Stahl untersuchen. Wie Peter Biehler sagt, sollen der Überprüfungsbericht und das Massnahmekonzept im Sommer vorliegen.