Bezirk Baden

So viele Arbeitslose wie seit sechs Jahren nicht mehr

Die Abreitslosenquote hat die Vier-Prozent-Marke erreicht.

Die Abreitslosenquote hat die Vier-Prozent-Marke erreicht.

Die Arbeitslosenquote hat die Vier-Prozent-Marke erreicht. Und: In den nächsten Monaten soll sich die Situation noch verschärfen.

Sie ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr: die Arbeitslosenquote des Bezirks Baden. Wie das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) am Dienstag bekannt gab, stieg die Rate im Januar auf vier Prozent. Letztmals erreicht wurde dieser Wert im September 2009. Damals waren 2686 Erwerbslose registriert – im ersten Monat dieses Jahres waren es 3039. Damit liegt Baden im Bezirksvergleich hinter Spitzenreiter Kulm (4,2 Prozent) gemeinsam mit Zurzach an zweiter Stelle.

«Vier Prozent sind im Vergleich zum kantonalen Durchschnitt ziemlich viel», sagt Isabelle Wyss, Leiterin des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV Baden. Es sei eine Kombination von mehreren Faktoren, die zu dieser Zunahme geführt habe.

Arbeitslosenquote Weiss

Arbeitslosenquote Weiss


Einer der Gründe ist die hohe Konzentration von Unternehmen, die in einer krisengeschüttelten Branche tätig sind, wie beispielsweise die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie MEM. «Verschiedene Betriebe haben aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 korrigierende Massnahmen ergreifen müssen», sagt Wyss. So sollen unter anderem Restrukturierungen oder Auslagerungen ins Ausland helfen, die Konkurrenzfähigkeit der Firmen zu stärken. Diese Massnahmen würden jetzt langsam zum Tragen kommen, sagt Isabelle Wyss.

Auch Zulieferfirmen betroffen

Den kürzlich angekündigten Abbau von bis zu 1300 Stellen bei GE hat das RAV Baden noch nicht zu spüren bekommen. Den im vergangenen Jahr von ABB angesetzten Rotstift hingegen schon: «Es melden sich immer wieder ehemalige Mitarbeitende bei uns an.» Aber nicht nur: Von den strukturellen Veränderungen betroffen sind auch Angestellte der Zulieferfirmen.

Ein weiterer Grund für die hohe Arbeitslosenquote liegt in der Bevölkerungsstruktur. Der Bezirk Baden ist einerseits sehr bevölkerungsreich, andererseits weisen Gemeinden wie Neuenhof und Spreitenbach einen hohen Ausländeranteil auf. «Häufig arbeiten diese Personen in Branchen, die saisonalen Schwankungen unterliegen», erklärt Isabelle Wyss.

Hinzu komme, dass sie eher schlecht qualifiziert seien und aufgrund von oft mangelnden Deutschkenntnissen Mühe haben, eine Stelle zu finden. Anders sei die Situation beispielsweise im Bezirk Laufenburg, wo weniger Ausländer leben würden. Gemeinsam mit Muri wiesen die beiden Bezirke im Januar mit 2,8 beziehungsweise 2,5 Prozent die tiefsten Arbeitslosenquoten im Kanton auf.

Die erhöhte Anzahl Erwerbsloser im Bezirk Baden ist auch auf die jahreszeitlichen Schwankungen zurückzuführen: Tendenziell steigt die Arbeitslosenquote auf den Herbst hin und sinkt im Frühjahr wieder. Das macht sich vor allem in der Baubranche oder im Gastgewerbe bemerkbar. «Denn je nach Saison wird dort mehr oder weniger gearbeitet», sagt die RAV-Leiterin.

GE-Entscheid steht noch an

Inwiefern sich die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten verändern wird, kann Isabelle Wyss nicht sagen – auch, weil die Konsultationen von GE noch bis Frühjahr laufen. «Vorher werden wir kaum wissen, wie viele Kündigungen effektiv ausgesprochen werden.» Schweizweit hingegen rechnet Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), mit einer Zunahme der Erwerbslosenquote.

Diese werde in den nächsten Monaten von aktuell 3,8 auf 4 Prozent steigen, teilte er am Dienstag mit. Dass die Zahlen auch in der Region zunehmen könnten, ist nicht auszuschliessen: Hat der Kehrfahrzeugproduzent Bucher aus Niederweningen gestern doch bekannt gegeben, 60 Stellen zu streichen.

Während sich die Arbeitslosenquote im Bezirk Baden in den letzten Jahren tendenziell nach oben bewegte, hat es innerhalb der Altersgruppen keine grossen Veränderungen gegeben. «Die Situation der über 50-Jährigen ist relativ stabil geblieben», sagt Isabelle Wyss.

Dasselbe Bild zeige sich bei den Jungen. «Beide Altersklassen haben es aber nicht einfach: Den einen fehlt die Arbeitserfahrung, die anderen leiden unter gängig verbreiteten Vorurteilen wie zum Beispiel zu teuer zu sein.» Genau wie auf schweizweiter Ebene ist auch beim RAV Baden die Mehrheit der registrierten Erwerbslosen zwischen 25 und 49 Jahre alt.

Trotz hoher Arbeitslosenquoten – ein kleiner Trost: Laut Seco bleiben zwei Drittel aller Erwerbslosen höchstens ein halbes Jahr lang ohne Arbeit.

Meistgesehen

Artboard 1