Region Baden

So viele Todesfälle wie noch nie – ist die aggressive Grippe Schuld?

In der Region Baden sind Anfang dieses Jahres ausserordentlich viele Menschen gestorben - die aggressive Grippe könnte eine mögliche Ursache sein.

In der Region Baden sind Anfang dieses Jahres ausserordentlich viele Menschen gestorben - die aggressive Grippe könnte eine mögliche Ursache sein.

Im Januar und Februar starben im Zivilstandskreis Baden 170 Menschen – rund 50 mehr als im langjährigen Schnitt. Noch nie starben in der Region Baden innerhalb von acht Wochen so viele Menschen wie zu Beginn dieses Jahres.

Die Zahl der Todesanzeigen ist grösser als üblich: Diesen Eindruck hatten Zeitungsleser in den ersten Wochen des Jahres. Zu Recht, wie die definitive Statistik für den Januar und Februar zeigt, die dem Badener Tagblatt vorliegt.

In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres sind im Zivilstandskreis Baden 170 Todesfälle registriert worden – das sind rund 50 mehr als im langjährigen Schnitt. Zum Vergleich: 2014 starben im selben Zeitraum 118 Menschen, 2013 betrug die Zahl der Todesfälle in den ersten beiden Monaten des Jahres 126.

Ein Blick in die Statistik, die seit zehn Jahren und der Zusammenlegung der Zivilstandsämter zum Kreis Baden geführt wird, zeigt überdies: Noch nie starben innerhalb von acht Wochen – unabhängig von der Jahreszeit – so viele Menschen wie zu Beginn des Jahres 2015.

Todesfälle in Baden

Todesfälle in Baden

Albert Conrad, der den Zivilstandskreis leitet, hat keine Erklärung für die aussergewöhnlichen Zahlen. «Vielleicht liegt es an den starken Wetterschwankungen. Ich habe in der Vergangenheit schon einige Male die Beobachtung gemacht, dass sich starke Temperaturschwankungen auf die Lebenserwartung von Menschen mit angeschlagener Gesundheit leicht auswirken können.» Die Anzahl der Todesfälle gleiche sich in der Regel über das Jahr hinaus wieder aus.

Im Zivilstandskreis Baden (rund 53 000 Einwohner) werden alle Todesfälle registriert, die Menschen mit Todesort in Baden, Birmenstorf, Ennetbaden, Freienwil, Gebenstorf, Obersiggenthal, Turgi, Untersiggenthal und Würenlingen betreffen. In diesem Gebiet befinden sich mehrere Altersheime sowie das Kantonsspital Baden (KSB).

KSB-Chefarzt Jürg Beer lässt sich auf Anfrage so zitieren: «Eine generell erhöhte Mortalität stellten wir in unserem Spital nicht fest. Wir hatten aber erneut eine Zunahme von Patienten zu verzeichnen, speziell auch solcher, die an der Grippe – die dieses Jahr besonders schwer war – und gleichzeitig an weiteren Krankheiten litten, zum Beispiel an Herz- und Lungenerkrankungen; hier gab es einen Trend.»

Grippe «besonders aggressiv»

Eine höhere Anzahl Sterbefälle als in den vergangenen Jahren wurde zu Jahresbeginn auch in Zürich gezählt. Auch dort wird die Grippe als mögliche Ursache ins Spiel gebracht.

Sie war gemäss dem Geriatrie-Chefarzt des Stadtspitals Waid dieses Jahr besonders aggressiv und traf die älteren Personen, die bereits ein Leiden haben und weniger widerstandsfähig sind, härter als andere Bevölkerungsgruppen. Zudem sei die Impfung heuer weniger wirkungsvoll gewesen als in den Vorjahren, sagte der Arzt zum «Tages-Anzeiger».

Das Sterben ist in der Schweiz gemäss einer Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS) ungleich über das Jahr verteilt. Bei Kindern und Erwachsenen bis zum Pensionsalter zeigt die Statistik keinen saisonalen Effekt; aber Menschen über 65 sterben im Winter häufiger als in den restlichen Monaten, gleich zu Jahresbeginn klettern die Sterbefälle auf den Jahreshöhepunkt.

Christoph Junker vom BFS sagte dazu 2011 in der «NZZ am Sonntag»: Wer beispielsweise an chronischen Krankheiten leidet oder alt und gebrechlich ist, hat im Winter ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Die Organe zu versorgen und den Körper zu heizen, verlangt von den Herzen mehr Arbeit. Für gewisse Herzen ist das zu viel.» Auch die Zahl der Viruserkrankungen sei im Winter erhöht, weil sich Menschen mehr in Innenräumen aufhielten und zum Beispiel mehr öffentliche Verkehrsmittel benützten.

Eine gesundheitliche Gefährdung stelle laut internationalen Studien auch die höhere Feinstaubbelastung dar; sie setzt den Lungen zu, die durch die Kälte ohnehin schon stärker belastet sind. Häufiger seien im Winter auch Herzinfarkte.

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