Baden

Soll der Kanton den Wegzug der Privatschule aus Baden verhindern?

Der Badener Standort der Zurich International School.

Der Badener Standort der Zurich International School.

Als sich die Zurich International School vor sechs Jahren in Baden niederliess, wurde sie vom Kanton unterstützt. Nun ist der Standort in Gefahr. CVP-Grossrätin Marianne Binder will wissen, welche Massnahmen der Kanton gegen den Wegzug vornimmt.

Vor wenigen Tagen teilte die Zurich International School (ZIS) mit, sie plane ihren Wegzug aus Baden. Grund dafür sind die seit drei Jahren rückläufigen Schülerzahlen.

126 Kinder international tätiger Eltern gehen derzeit in Baden zur Schule – rund doppelt so viele wären nötig, um den Betrieb kostendeckend aufrechterhalten zu können.Weil der Entscheid des Wegzugs noch nicht zu hundert Prozent feststeht – der Stiftungsrat wird Ende Monat entscheiden –, teilte Badens Stadtrat mit, er wolle um den Verbleib der Schule in der Stadt kämpfen.

Laut Thomas Lütolf, Leiter Abteilung Standortmarketing, ist die Zeit zum Handeln nun sehr knapp bemessen. Er wurde mit der Dramatik der Situation bei der ZIS erst vor einer knappen Woche konfrontiert. «Ich trage zurzeit alle Informationen zusammen, damit man weiss, was in welchen Kreisen besprochen werden muss», so Lütolf.

Nach seiner Meinung müssten angesichts der drohenden Situation Kanton, Stadt und Vertreter der Zurich International School so rasch als möglich an einen Tisch sitzen und realistische Lösungen suchen.

Dass die Schülerzahlen sich nicht mehr so erfreulich entwickeln würden, habe man schon früher gewusst. In ihrer Mitteilung führt die Schule die rückläufigen Schülerzahlen zurück auf globale wirtschaftliche Veränderungen und deren Auswirkungen auf die in der Schweiz tätigen internationalen Firmen.

ZIS-Sprecherin Urte Sabelus nennt keine Unternehmen beim Namen, teilt aber mit: «Die Firmen, die für uns wichtig sind, bauen eher Stellen ab, als dass sie aufstocken.» «Zwar haben sich in den letzten Jahren einige Firmen in Baden angesiedelt – aber keine grösseren mit ausländischen Fachkräften, wie wir das uns erhofft hatten.» Sinkende Schülerzahlen liessen sich aber nur in Baden feststellen – die anderen Standorte der Schule am linken Zürichseeufer seien voll ausgelastet.

Furcht vor Stellenabbau bei Alstom

Deshalb ist Lütolf überzeugt, dass es in erster Linie darum geht, die Frage rund um die Entwicklungen bei den Grosskunden der ZIS zu beurteilen. Konkret geht es um die Zukunft beim französischen Energiekonzern Alstom nach dessen Übernahme durch die amerikanische General Electric.

«Die Diskussionen werden sich auf mögliche Szenarien der Entwicklung bei Alstom in Baden drehen. Und da gibt es pessimistische wie auch optimistische Einschätzungen», sagt Lütolf.

Er würde es als wertvoll erachten, wenn man die Bandbreite vorerst offen lasse und zuerst die konkrete Strategie beziehungsweise die Absichten von General Electric am Standort Baden und deren Auswirkungen auf die Arbeitsplatzzahl auslote.

«Ich bin überzeugt, dass wir in einigen Monaten mehr Klarheit haben. Wir möchten mit der ZIS das weitere Vorgehen bis zu ihrem definitiven Entscheid darum genau anschauen», sagt Lütolf.

«Hätte man seitens der Stadt früher und mehr Informationen gehabt, so wären diese Diskussionen in einem ruhigeren Umfeld möglich gewesen», sagt Lütolf selbstkritisch aus Sicht der Stadt.

Fragen an den Regierungsrat

Auch der Regierungsrat des Kantons wird sich nun mit der ZIS befassen müssen. CVP-Grossrätin Marianne Binder hat gestern eine Interpellation eingereicht, in der sie der Kantonsregierung mehrere Fragen stellt.

Hintergrund des Vorstosses: 2008 hatte sich der Kanton für den Standort Baden eingesetzt. Er unterstützte die ZIS mit einer Anschubfinanzierung von 130 000 Franken und hätte auch eine auf vier Jahre begrenzte Defizitgarantie von jährlich 100 000 Franken gewährleistet. Die Schule sei auf Initiative des Kantons in Baden angesiedelt worden, weswegen man auch ein paar Jahre später dafür kämpfen sollte, sagt Binder.

Unter anderem will sie nun wissen, welche Massnahmen der Regierungsrat vornimmt und vorgenommen hat, um den Wegzug der Schule zu verhindern.

Sie fragt: «Sieht der Regierungsrat Möglichkeiten, mit einem weiteren finanziellen Beitrag die Schule in Baden zu erhalten, um den Standort für die Ansiedelung und den Verbleib internationaler Firmen attraktiv zu halten?»

In ihrer Interpellation stellt Marianne Binder darum auch Fragen zur Attraktivität des Wirtschafts- und Lebensstandorts Aargau. Gemäss dem Wettbewerbsindikator der UBS belege der Kanton Aargau zwar den vierten Platz. Trotzdem verzeichne die ZIS sinkende Schülerzahlen. «Haben wir doch ein Standortproblem?», will sie vom Regierungsrat wissen.

Der Wegzug der ZIS wäre für den Wirtschaftskanton und seine Standortförderung ein grosser Verlust, findet Binder. Generell sollten private Schulen im Sinne der Wirtschafts- und Standortförderung besser unterstützt werden, denn sie deckten ein Bedürfnis ab, dem die Volksschulen nicht nachkommen könnten, argumentiert die CVP-Grossrätin.

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