Am Montagmorgen um 6.45 Uhr rief Turgis Gemeindeammann Adrian Schoop den Badener Stadtammann Markus Schneider auf dem Handy an. Er informierte ihn über die Ergebnisse einer anonymen Abstimmung, die am Wochenende am Workshop zum Thema Gemeindefusionen durchgeführt worden war. Eingeladen waren rund 20 Vertreter der Turgemer Ortsparteien, Schulen, Finanzkommission, Dorfvereine sowie der Verwaltung. Sie waren sich in einem Punkt zu 100 Prozent einig: Ein Alleingang kommt für Turgi langfristig nicht infrage. Schoop kommentiert: «Dass sich von den Vertretern niemand für die Eigenständigkeit Turgis ausgesprochen hat, damit haben wir nicht gerechnet. Das hat uns wirklich sehr überrascht.» Dieses Ergebnis zeige dem Gemeinderat, dass das Legislaturziel, eine Fusion mit einer oder mehreren Nachbargemeinden zu prüfen, dem Zeitgeist entspreche. «Unsere Idee stösst auf Interesse», sagt der Gemeindeammann.

Die Teilnehmer des Workshops konnten bei der Abstimmung fünf weitere Fragen beantworten. Soll Turgi mit Baden fusionieren? Oder mit Gebenstorf, Obersiggenthal oder Untersiggenthal? Oder mit mehreren gleichzeitig? Auch bei diesen Fragen kam eine klare Antwort zustande. «Es zeichnete sich ab, dass die Stadt Baden als Favoritin für einen möglichen Zusammenschluss gilt und vertiefte Prüfungen in diese Richtung gewünscht werden», berichtet Schoop. Für einen Zusammenschluss mit einer der anderen Gemeinde sprachen sich die Vertreter nur vereinzelt aus, manche der Nachbarorte erhielten gar null Punkte. Auch die Gemeindeammänner von Unter- und Obersiggenthal sowie Gebenstorf hat Schoop über die Ergebnisse der Umfrage informiert.

Doch welchen Wert hat eine Umfrage bei gerade einmal 20 Vertretern in einer Gemeinde mit rund 3000 Einwohnern? Schoop: «Klar, es war keine grosse Gruppe, die diskutierte und abstimmte. Doch Tatsache ist: Es handelte sich um Vertreter der wichtigsten Turgemer Institutionen. Eindrücklich war vor allem der positive Spirit, eine Art Aufbruchstimmung war definitiv spürbar.» Der Gemeinderat überschätze das Ergebnis aber auf keinen Fall, betont Schoop im Telefongespräch mehrfach, «noch ist nichts in Stein gemeisselt». Bevor es zu offiziellen Fusionsgesprächen kommt, kann die Bevölkerung am 13. Juni an einem Infoabend in der Mehrzweckhalle Gut (19.30 Uhr) bei einer Abstimmung Stellung beziehen. Diese ist zwar unverbindlich, hat aber gleichzeitig mehr als nur symbolischen Charakter. Bei einem Ja zu Gesprächen mit Baden würde das Tempo in der Fusionsdebatte weiter erhöht, lässt Schoop durchblicken. Eine erste offizielle, wenn auch kleine Hürde hat das Zusammenschlussprojekt bereits letzten Herbst genommen: An der Gemeindeversammlung genehmigte das Stimmvolk zusammen mit dem Budget einen Kredit von 15'000 Franken für die Zusammenarbeit mit einem externen Beraterbüro, das den Prozess um die Zusammenschlussdiskussion nun begleitet.

«Cool, super, wir freuen uns!»

Und wie kommentiert Baden die neue Umfrage aus Turgi? Stadtammann Markus Schneider sagt, er könne diese Frage bekanntlich nur im Namen des Stadtrates beantworten, das Stimmvolk habe sich bisher noch nicht dazu geäussert. Er sagt: «Cool, super, wir freuen uns über dieses klare Statement. Wir sind nach wie vor offen für Gespräche mit Turgi, ebenso wie mit anderen Gemeinden.» Denn Zusammenschlussgespräche seien auch in Baden vom Stadtrat und Einwohnerrat als Legislaturziel definiert worden. Doch wie sehr ist der Stadtrat an einer Fusion mit Turgi interessiert? Den Stadtammann aus der Reserve zu locken, ist bei diesem Thema nicht einfach. Nächster Versuch: «Herr Schneider, gibt es Gründe, die gegen eine Fusion mit Turgi sprechen, beispielsweise die eher kleine gemeinsame Grenze, wie vereinzelt online zu lesen ist?» Schneider: «Nein, aus meiner Sicht gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Argumente, die klar gegen eine Fusion sprechen würden. Auch nicht die Grösse der Gemeindegrenze, diese war auch bei der Eingemeindung von Rütihof und Dättwil kein Hindernis.»