Baden

Solomusiker Peter Finc: «Ich lasse mich nicht verbiegen»

Peter Finc geht Ende Oktober auf Tour und macht einen Stopp in China.

Peter Finc geht Ende Oktober auf Tour und macht einen Stopp in China.

Für Peter Finc ist seine Heimatstadt Baden musikalisch ein unfruchtbares Pflaster geworden. Auf der Tour mit seinem neuen Mini-Album lässt er die Limmatstadt liegen, spielt dafür in China.

Langes volles Haar, Dreitagebart, sanfter Blick, beeindruckende Statur: Peter Finc hat Ausstrahlung. Und wenn man in eine seiner CDs «Musicblessness» (2010) oder «About Light and Stuff» (2007) reinhört, überzeugt er auch akustisch durch sein virtuoses Gitarrenspiel und die eigenwillig gefärbte Stimme mit einem leicht kratzigen Kick.

Damals nach der Schulzeit wusste der heute 38-jährige Badener: «Ich will Musiker werden und sonst nichts.» Dieses Lebensziel ist bis heute geblieben, auch wenn Finc dafür auf materielle Sicherheit verzichtet und schon viele Entbehrungen in Kauf nehmen musste. «Es ist und bleibt ein steiniger Weg. Aber in meinen Songs kann ich mich selber verwirklichen. Das macht alles wieder wett», meint er dazu.

Der Spätzünder

Finc bezeichnet sich selber als Spätzünder. Erst mit 16 fing er an Gitarre zu spielen, machte aber schnell Fortschritte. Bald gründete er mit Badener Kollegen die Formation Dig & Roll, es folgten erste Konzerte in der Region, der Sieg bei «Second Young Generation Challenge» in der damaligen Halle 36 und eine CD. Trotz der beachtlichen Anfangserfolge brach die Band auseinander. Denn während Peter Finc alles auf eine Karte setzte und ausschliesslich Musik machen wollte, suchten seine Bandkollegen ein sicheres Standbein in anderen Berufen.

Seither ist der Aargauer Singer/Songwriter grösstenteils als Solokünstler unterwegs; war immer wieder mal als Musiker bei Max Lässer, Freda Goodlett, William White oder Linard Bardill zu hören. Mit Sänger Daniel Fuhrer fand er wegen der gemeinsamen Liebe zur Elvis-Presley-Musik zusammen. Drei Jahre lang feilten die beiden jeden Donnerstag an ihren folkig-bluesig-rockigen Songs. Die Mühe gipfelte in einer Konzerttournee und der Herausgabe der CD «Magic Thursday» (2012).

Das eigene Studio

Aufgenommen wurde Letztere in Peter Fincs eigenem Studio. Denn auch punkto Produktion macht der Tonkünstler ungern Kompromisse und nimmt lieber alles selber in die Hand. Finc: «Ich habe eine klare Vorstellung, wie meine Musik klingen soll, und lasse mich nicht verbiegen.» Unter dem hauseigenen Label entstand auch das aktuelle Mini-Album «It’s just a Bad Hair Day». Im groovigen Sound von Finc sind erstmals Einflüsse von Worldmusic zu hören. Es wird sogar Walliser Hackbrett gespielt. Verstärkung gibt es von Bassist Rodrigo Aravena und Schlagzeuger Ephraim Salzmann. Ab Ende Oktober gibt das Trio 21 Konzerte, 15 davon in China.

Baden steht nicht auf dem Konzertplan. Finc hat kapituliert und ist in die Umgebung von Murten gezogen, nicht zuletzt wegen der teuren Mieten in der Limmatstadt. Dazu machte es ihm die immer dominanter werdende Lounge- und Partykultur mit ihrem coolen Schick schwierig, an das Publikum ranzukommen. «Für einen Musiker wie mich ist Baden ein unfruchtbares Pflaster geworden», sagt er heute ohne Groll. Und sucht neue Wege.

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