Würenlos
Sonja Vionnet überreicht Petition gegen Postschliessung und erhält viel Lob dafür

Rekordverdächtige 1605 Unterschriften hat die 84-jährige Sonja Vionnet innert kurzer Zeit gesammelt. Der Gemeindeammann würdigt das Engagement.

Sabina Glabiati
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In zwei Mappen hat Sonja Vionnet gestern Morgen ihre Unterschriftenbögen Gemeindeammann Hans Ulrich Reber gebracht. zvg

In zwei Mappen hat Sonja Vionnet gestern Morgen ihre Unterschriftenbögen Gemeindeammann Hans Ulrich Reber gebracht. zvg

Sabina Galbiati

Zwei dicke Mappen hat die 84-jährige Rentnerin Sonja Vionnet gestern Morgen im Gemeindehaus dem Gemeindeammann Hans Ulrich Reber (SVP) überreicht. Sie enthielten die 1605 Unterschriften, die Vionnet in den letzten rund sechs Wochen für ihre Petition gegen die Schliessung der Poststelle in Würenlos gesammelt hat. Unterstützung erhielt sie von Monica Santandrea, deren Geschäft «Moni’s Allerlei» sich einen Steinwurf von der Post entfernt befindet. Es sei eine unglaubliche Leistung, kommentierte Gemeindeschreiber Daniel Huggler die Zahl der Unterschriften. «So etwas hat es in unserem Dorf noch nie gegeben.»

Die Bevölkerung der 6300-Einwohner-Gemeinde unterstützte Vionnet nicht nur mit ihren Unterschriften, sondern brachte der geselligen Frau auch Kaffee, Mineralwasser, Blumen, und es gab Leute, die ihr sogar ein Mittagessen spendieren wollten.

Bereits im Februar teilte die Post mit, dass die Filiale in Würenlos geschlossen und in einem Geschäft der Gemeinde eine Postagentur eröffnet werden soll. Das hat einen Abbau von Serviceleistungen zur Folge. Doch das geht vielen Würenlosern gegen den Strich, wie die Unterschriften zeigen. Sie wollen eine richtige Poststelle mit allen Leistungen. «Die Post hat einen Service-public-Auftrag, den sie erfüllen soll», argumentiert Vionnet. Sie fordert, dass die Post für das Volk da ist und solidarisch auch an jene denkt, die nicht so mobil sind oder sich schwertun mit der Digitalisierung. Auch der Gemeinderat zeigte sich enttäuscht von der Schliessung. Gerade für ältere Menschen sei es gewöhnungsbedürftig, wenn sie am Schalter keine Rechnungen mehr zahlen oder kein Geld mehr abheben könnten, sagte Gemeindeammann Reber im Februar gegenüber der az.

Weil auch der Gemeinderat alles andere als erfreut ist über den Entscheid der Post, sagte Reber, als er die Petition entgegennahm: «Dass aus der Bevölkerung Widerstand in Form der Petition kommt, ist das Beste, was passieren konnte.»

Weitere Gespräche mit Post

Nun will der Gemeinderat die Post erneut zu Gesprächen einladen und seine Sicht und seine Argumente gegen die Schliessung nochmals darlegen. Derweil sucht die Post in der Gemeinde ein Partnergeschäft, das die Führung einer Postagentur übernehmen würde. «Entschieden ist aber nach unserem Wissensstand noch nichts», sagt Reber. «Daher hoffen wir, dass die Petition unserem Anliegen genügend Nachdruck verleiht, damit die Post ihren Entscheid rückgängig macht.»

Illusionen machen sich weder Gemeinderat noch Petitionärin Vionnet. Letztlich liege der Entscheid bei der Post. «Wir wollen aber, dass, egal wie der Entscheid ausfällt, die Post die Bevölkerung persönlich informiert», sagt Reber. Deshalb werde der Gemeinderat eine Infoveranstaltung organisieren, und er erwarte, dass die Post sich dort erklären wird.

Zum Dank für das grosse Engagement von Sonja Vionnet überreichte Reber ihr im Namen des Gemeinderats einen Blumenstrauss mit pinken Gerbera und Rosen. Gemeindeschreiber Huggler merkte an, dass Vionnet sehr seriös gesammelt und die Passanten gefragt habe, ob sie die Poststelle auch wirklich benutzen würden. «Jemand anderes hätte einfach alle Unterschriften gesammelt, die er bekommt.»

Die Aktion hat auch gezeigt, dass längst nicht nur ältere Würenloser eine Post wollen. Unter den Unterzeichnern seien auch zahlreiche junge Personen gewesen und solche aus Nachbarsgemeinden, wo es keine Post oder nur noch eine Agentur gebe.