Wettingen
Sonnenblick-Mitarbeiter erhalten nach Konkurs nur die Hälfte des Lohns

Nach gescheiterter Rettungsaktion der Klinik Sonnenblick in Wettingen bleiben Handwerker und Lieferanten auf offenen Rechnungen sitzen. Die Forderungen der ehemaligen Mitarbeitern konnten nur knapp zur Hälfte gedeckt werden.

Dieter Minder
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Trügerische Idylle: Das Aus der Klinik Sonnenblick hat für viele ein finanziell schmerzliches Ende. AZ Archiv/Alex Spichale

Trügerische Idylle: Das Aus der Klinik Sonnenblick hat für viele ein finanziell schmerzliches Ende. AZ Archiv/Alex Spichale

Alex Spichale

Die Rettung der Klinik Sonnenblick hat nicht funktioniert. Trotz Fachberatern in der Geschäftsführung liess sich der Abwärtstrend nicht mehr aufhalten. Deshalb verkündete der letzte Klinikleiter Felix Lienert am 25. Mai 2010 den rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass die Klinik ihren Betrieb einstelle.

Schon drei Tage später wurden die Schlüssel gedreht. Die Mitarbeiter standen auf der Strasse. Zuvor hatte, sie noch einige Zusatzarbeit zu leisten. Für die Patientinnen und Patienten im Haus mussten neue Plätze gesucht werden. Dazu kamen laufend Personen, die für eine Behandlung angemeldet waren. Niemand hatte sie über die Schliessung informiert. «Vom Klinikdirektor haben wir nichts mehr gehört», sagt eine ehemalige Pflegerin.

Wie korrekt die Buchhaltung geführt wurde, lässt sich heute nicht beurteilen. Die früher im Sonnenblick tätige Ärztin Nathalie Senn schliesst aus ihren Erfahrungen auf gewisse Mängel. Auch ehemalige Angestellte berichten, dass sie mehrmals wegen Fehlern in den Lohnabrechnungen vorsprechen musste.

Genau unter die Lupe genommen wurde die Buchhaltung nicht. Das Konkursamt hat im Rahmen seiner Möglichkeiten die Vermögen und Schulden des Betriebes zusammengetragen und abgerechnet. Dabei sind noch etwa 1,3 Millionen Franken übrig geblieben. Damit konnten die Forderungen der Mitarbeiterinnen, rund 2,6 Millionen Franken, knapp zur Hälfte gedeckt werden. Alle anderen Gläubiger gehen leer aus.

Ungewisse Zukunft

Der Niedergang der ehemaligen Klinik am Lägernhang ist noch nicht vorbei. Nachdem sie geschlossen wurde, entstand die Idee, sie dem Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB) anzugliedern. Aus dem Konkurs übernahm Wettingen das Areal und Baden das Gebäude. Im Oktober 2012 bezogen die ersten Pensionäre das Haus mit rund 50 Plätzen. Bereits ein Jahr später wurde ein Teil davon aufgehoben, zu gering war die Auslastung gewesen.

Nun wurde das RPB in eine der Stadt Baden gehörende Aktiengesellschaft umgewandelt. Zugleich wurde der Rückzug aus dem Sonnenblick bekannt gegeben. Damit steht das Haus der 1934 als Tuberkulosesanatorium gegründeten Klinik ein weiteres Mal vor einer ungewissen Zukunft.

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