Region Baden

«Sonst gäbe es noch viel mehr Stau» – aus Baden kommt Kritik am Aargauer Verkehrsmanagement

Daniel Schwerzmannvom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau: «Ohne das kantonale Verkehrsmanagement würden die Autos unkontrolliert ins Zentrum rollen. Der Fahrplan könnte kaum mehr eingehalten werden.»

Daniel Schwerzmannvom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau: «Ohne das kantonale Verkehrsmanagement würden die Autos unkontrolliert ins Zentrum rollen. Der Fahrplan könnte kaum mehr eingehalten werden.»

Kritik aus der Region Baden am Aargauer Verkehrsmanagement – Daniel Schwerzmann verteidigt die Massnahmen des Kantons.

Das Verkehrsmanagement des Kantons Aargau steht momentan in der Kritik. Hauptzweck der Massnahmen, für die der Grosse Rat vor zehn Jahren 37 Millionen Franken sprach: Die Autos sollen ausserhalb der Zentren gestaut beziehungsweise dosiert werden, wie es offiziell heisst, um dann zügig in Richtung Baden fahren zu können. Gleichzeitig soll der Bus bevorzugt werden. Unter anderem in Obersiggenthal passierte in den letzten zwei Monaten aber das Gegenteil: Der Verkehr staute sich ausgerechnet im Siedlungsgebiet statt in den dafür gebauten Stauräumen.

Die Ursache steht inzwischen fest: Sensoren in der Strasse mussten für den Einbau der Fernwärmeleitung für die Region Siggenthal Nord ausser Betrieb genommen werden. Als Folge davon war auch die sogenannte Dosierfunktion ausser Betrieb, und der Verkehr floss ungehindert Richtung Zentrum. Doch Kritik am kantonalen Verkehrsmanagement gibt es auch abgesehen von diesem Zwischenfall.

Die Gemeindeammänner von Obersiggenthal und Ehrendingen äusserten sich wenig begeistert zu den Massnahmen, die der Kanton in den vergangenen Jahren ergriff. «Der Verkehr staut sich im Dorf leider tatsächlich häufig», sagte Gemeindeammann Bettina Lutz Güttler (CVP). Und Ehrendingens Ammann Urs Burkhard (CVP) bemängelte, die Busse kämen im Dorf nicht schneller voran als früher.

Verkehr auf immer mehr Gemeinden verteilt

Daniel Schwerzmann vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt will diese grundsätzliche Kritik nicht auf sich sitzen lassen. «Die baustellenbedingte Situation in Obersiggenthal der letzten Wochen hat veranschaulicht, wie der Verkehrsfluss ohne Verkehrsmanagement aussehen würde: Ohne die Verkehrsdosierung gäbe es noch viel mehr Stau in den Dorfzentren.»

Ohne das kantonale Verkehrsmanagement würden die Autos «unkontrolliert ins Zentrum rollen». Am schlimmsten wären die Folgen für den öffentlichen Verkehr – «der Fahrplan könnte auf vielen Linien kaum mehr eingehalten werden», so Schwerzmann. Die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs würde sinken und mehr und mehr Menschen würden dazu verleitet, wieder mit dem Auto zur Arbeit fahren – was wiederum mehr Stau zur Folge hätte.

Er habe Verständnis dafür, dass sich jede Gemeinde für ihre eigenen lokalen Bedürfnisse einsetze, sagt Schwerzmann. «Aber dem zunehmenden Verkehrsaufkommen können wir nur gemeinsam begegnen.» Damit die Maxime der Fahrplanstabilisierung des öffentlichen Verkehrs und der «Staufreihaltung der Siedlungsgebiete» aufrechterhalten werden könne, muss der Verkehr immer grossflächiger verteilt und gesteuert werden. «Das betrifft immer mehr Gemeinden.»

Zudem könne der stetig zunehmende Verkehr auf Dauer nicht nur mit Verkehrsmanagement bewältigt werden. «Dann braucht es entweder ­Kapazitätserweiterungen, wie das beispielsweise mit dem Projekt Oase geplant ist», oder aber ein Umdenken der Gesellschaft, «wie der Multiplikation von Bevölkerungswachstum und steigenden Mobilitätsbedürfnissen begegnet werden kann».

Neue Kritik

Ein Video aus dem Jahr 2009 zeigt, wie das Verkehrsmanagement des Kantons im Idealfall funktionieren sollte: Die Autos werden mit Ampeln ausserhalb der Agglomeration aufgehalten, ehe sie mehr oder weniger ungehindert und ohne Stopp ins Zentrum rollen können. Vergangene Woche wurde Kritik laut, die Realität sei sehr weit von diesem Idealbild entfernt.

Schwerzmann sagt dazu: «Das Video erklärt das Prinzip des Verkehrsmanagements sehr anschaulich und entspricht auch dem, was heute in der Region Baden realisiert ist. Allerdings würden wir die Aussage der ‹deutlich kürzeren Wartezeiten› heute wohl nicht mehr ganz so euphorisch formulieren, da es ein theoretischer Wert bei gleichbleibendem Verkehrsaufkommen war.» Wenn der Bus Vorfahrt haben soll, müsse das Auto warten, das liege in der ­Natur der Sache.

In diesem Jahr hat der Kanton noch weitere Verkehrsmanagement-Massnahmen geplant. «In Untersiggenthal-West wird es eine weitere Dosierstelle geben und die Möglichkeit, die Busse zu bevorzugen. Auch in diesem Jahr werden wir zudem an sieben neuralgischen Stellen die Installation von Verkehrsinformationsdisplays zur Anzeige von aktuellen Reisezeiten und Routenempfehlungen vorbereiten.» Weiter werden nun auch die Lichtsignalanlagen der Region Brugg ins Verkehrsrechnersystem integriert. «Wir werden dadurch den Verkehr in der ganzen Region aktiv steuern können.»

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