Mägenwil

Sorgenkind-Jugendtreff: Keiner will sich um die Teenager kümmern

© zvg

Der Mägenwiler Gemeinderat ist im Dilemma, weil sich keiner um Teenager kümmern will. Seit Dezember haben am Freitagabend keine Jugendtreffen mehr statt gefunden - niemand will da 10 Prozent Pensum übernehmen.

Das Erbe, das der frisch gewählte Gemeinderat Jörg Fankhauser mit dem Ressort
Jugend angetreten hat, gleicht einem Scherbenhaufen: Die beiden Mitglieder der Jugendkommission sind bereits auf Ende des Schuljahrs 2014/15 zurückgetreten; die Leiterin des Jugendtreffs kündigte ihre Anstellung auf Ende Dezember 2015 und der damals zuständige Gemeinderat, Eberhard Voss, trat 2015 aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Seit Dezember fanden am Freitagabend keine Jugendtreffen mehr statt. Der Grund: Es müssten immer zwei Betreuungspersonen vor Ort sein, aber nebst der damaligen Jugendarbeiterin fanden sich keine Erwachsenen mehr als Zweitbesetzung. Mit anderen Worten: Der Jugendtreff ist verwaist. Dabei wären die Stellen für den Treff und die Kommission auf der Gemeindewebsite seit langem ausgeschrieben.

Dem neuen Gemeinderat Jörg Fankhauser (parteilos) ist dieser Zustand ein Dorn im Auge. «Ich würde es zwar nicht als Scherbenhaufen bezeichnen, aber die
Situation ist schwierig, weil der Jugendtreff nicht besetzt ist und eine Jugendkommission im Moment inexistent ist», sagt er. Dass es auch noch zum Gemeinderatswechsel kam, sei sicher nicht förderlich gewesen. «Mein primäres Ziel ist es, dass die Teenager unserer Gemeinde den Jugendtreff wieder besuchen können.»

Doch bisher liess sich für das 10-Prozent-Pensum partout niemand finden. Über den Grund dafür kann Fankhauser nur mutmassen: «Dieses Pensum ist für einen Jugendarbeiter vermutlich zu wenig.» Fankhauser will deshalb benachbarte Gemeinden kontaktieren und eine mögliche Zusammenarbeit aufgleisen, ähnlich dem Jugendbüro in Mellingen, an dem sich auch die Gemeinde Wohlenschwil beteiligt. «In Mägenwil haben wir den Vorteil, dass mit dem Jugendtreff bereits gut eingerichtete Räumlichkeiten zur Verfügung stehen», sagt Fankhauser.

Pensum wäre machbar

Ungeachtet dessen gestaltet sich die Suche nach engagierten Leuten aus der Gemeinde schwierig. Nicole Horlacher, Präsidentin des Elternvereins Mägenwil, hat schon mehrmals einen Aufruf an die Eltern gemacht, um die Posten in der Jugendkommission und dem Jugendtreff neu zu besetzen. «Die Situation ist frustrierend und ich verstehe nicht, warum die Eltern nicht mehr Interesse an einer guten Jugendarbeit zeigen, zumal dies ein Engagement für die eigenen Kinder wäre», sagt sie. Im Grunde sei das Pensum für ein Amt in der Jugendkommission gut machbar und «man kann viel mitgestalten und eigene Ideen einbringen», sagt Horlacher. Den Ansatz, dass man bei der Jugendarbeit mit anderen Gemeinden zusammenspannt, findet sie gut, vorausgesetzt: «Der Jugendtreff in Mägenwil bleibt bestehen.» Dennoch: Horlacher ist überzeugt, wäre die Jugendkommission wieder besetzt, würde man auch wieder eine Person für die Jugendarbeit finden.

Genau die umgekehrte Erfahrung hat Jürg Fankhauser in seiner bisherigen kurzen Amtszeit gemacht: «Ich habe Gespräche mit interessierten Leuten geführt, doch sie wollten erst in der Kommission mitmachen, wenn die Stelle für den Jugendtreff wieder besetzt ist.» Klar sei, dass es jetzt vorwärtsgehen müsse. «Letztlich soll eine gute Zusammenarbeit zwischen Kommission und Jugendarbeiter entstehen», sagt Fankhauser, das sei das Wichtigste.

Meistgesehen

Artboard 1