Zwei Wochen sind vergangen seit der spannenden Nominationsversammlung der SP Baden. Die Basis entschied sich dafür, Jürg Caflisch ins Rennen um den Ende Jahr freiwerdenden Stadtratssitz zu schicken. Caflisch setzte sich knapp mit 22 zu 19 Stimmen gegen Erich Obrist durch, den nicht wenige als Favoriten betitelt hatten. In einem allfälligen Duell mit einem bürgerlichen Kandidaten sah sich der konsensorientierte Obrist gegenüber Caflisch im Vorteil, der den linken Flügel der SP vertritt. In den vergangenen Tagen tauchte Obrist ab, er beantwortete kaum Mails und machte sich Gedanken über mögliche Gründe für die Niederlage. «Ich muss mir keinen Vorwurf machen, meine Hausaufgaben hatte ich erledigt. Er zeigt sich erfreut, dass doch viele Parteimitglieder seine Kandidatur unterstützten; er könne aber nicht verstehen, «weshalb es die Basis verpasste, einen taktischen Entscheid zu fällen».

Dasselbe Schicksal wie Obrist ereilte vor 14 Jahren Orlando Müller. Er sass ein Jahrzehnt im Einwohnerrat, war Präsident der Finanzkommission und hätte 2001 für eine Stadtrats-Kandidatur zur Verfügung gestanden. Trotz breiter Unterstützung aus anderen Parteien wurde ihm jedoch parteiintern klar gemacht, dass eine Kandidatur unerwünscht war. «Es war die Zeit, in der die SP nur auf Frauen setzte und daher Daniela Berger und Daniela Oehrli ins Rennen schickte.» Später trat Müller aus der SP aus. «Dieser Entscheid hatte aber nichts mit der Nichtnomination zu tun, sondern mit der zu fundamentalistischen Politik der SP Baden.» Es sei ihm bei seiner politischen Tätigkeit stets um die Sache, um das Wohl der Stadt und seiner Bewohnerinnen und Bewohner gegangen. «So war bei ausgewählten Fachgeschäften für mich selbst eine Zusammenarbeit mit der FDP oder der SVP möglich, was aber viele Parteimitglieder kritisierten. Mit der Zeit wurde mir vermehrt zu spüren gegeben, dass ich im Einwohnerrat neuen Kräften Platz machen solle. Es scheint auch heute noch so, dass «gemässigte», Konsens suchende SP-Politiker in Baden eher einen schwierigen Stand haben», sagt Orlando Müller – und meint damit die Nichtnomination Obrists.

Politische Zukunft ungewiss

Wie es mit seiner politischen Karriere langfristig weitergeht, sei ungewiss, erklärt Obrist auf Anfrage. Erst versuche er, die Sommerferien zu geniessen, die er freigehalten hatte, um den Wahlkampf vorzubereiten. Dann freut sich der Lehrer sich auf die Arbeit mit seinen Schülerinnen und Schülern und auf seine Aufgaben als Präsident in der Kulturstiftung Pro Argovia. Bezüglich Politik sei einzig klar, dass er weiterhin im Einwohnerrat politisieren und sich für den Verein Traktandum 1 einsetzen werde, der eine starke Region Baden-Wettingen mit Zusammenschlüssen von Gemeinden fördern will. Eine Grossratskandidatur stehe im Moment nicht zur Diskussion, weil er beim Kanton als Lehrer angestellt sei. Unkommentiert liess Obrist die Frage, ob er sich vorstellen könne, je wieder einmal für ein politisches Amt in Baden zu kandidieren.