Sommerloch hin oder her: In den letzten drei Wochen hätte SP-Einwohnerrat Patrick Neuenschwander sein Anliegen für besseren Sonnenschutz auf Wettinger Spielplätzen nur halb so wirkungsvoll lancieren können. Denn der Juli war derart verregnet, dass wohl nur wenige Kinder auf den Spielplatz wollten und diejenigen, die es doch taten, ganz bestimmt keinen Sonnenbrand holten.

Umgekehrte Vorzeichen gestern auf dem Spielplatz Rebhalden am Fusse der Lägern. Neuenschwander spielt mit seinem knapp einjährigen Sohn Nils im Sandkasten. Auch dabei seine Kollegin Simone Auderset Stutz mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Lina. Obwohl es erst 10 Uhr morgens ist, brennt die Sonne bereits gnadenlos – und vor allem ungehindert – auf den Sandkasten.

290 Personen sterben an Hautkrebs

Für den SP-Einwohnerrat ein unhaltbarer Zustand. «Kinder sind besonders empfindlich auf die schädlichen Einflüsse der Sonnenstrahlung», so Neuenschwander. Jährlich würden in der Schweiz rund 15000 Menschen an Hautkrebs erkranken – für 290 Personen endet die Krankheit tödlich.

Seine Kollegin, ausgebildet in Gesundheitsförderung und Prävention, ergänzt: «Wiederholte Sonnenbrände in den ersten 18 Lebensjahren erhöhen das Risiko massiv, an Hautkrebs zu erkranken.» Konkret: Wer sich als Kind wiederholt einen Sonnenbrand hole, erkranke 20-mal wahrscheinlicher an Hautkrebs, erklärt Auderset Stutz. Es sei deshalb von grosser Bedeutung, Kinder beim Spielen vor schädlichen Sonnenstrahlen zu schützen, ergänzt Neuenschwander.

Eltern finden oft Schattenplätze

Mit einem Postulat fordert Neuenschwander die Gemeinde nun auf, alle gemeindeeigenen Kinderspielplätze auf die vorhandenen Sonnenschutzmassnahmen zu prüfen und in sensiblen Bereichen, den Sonnenschutz zu verbessern. «Es gibt einige attraktive Spielplätze in Wettingen, die von vielen Eltern aufgesucht werden», so Neuenschwander. Teilweise würden zwar Bäume und Sträucher als natürliche Schattenspender Schutz vor der direkten Sonnenstrahlung bieten. ¨$

«Es gibt jedoch Bereiche – wie dieser Sandkasten auf dem Spielplatz Rebhalden –, wo sich Kinder über längere Zeit aufhalten und dabei absolut ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind», sagt Neuenschwander. Auderset Stutz ergänzt: «Für Mütter und Väter gibt es oft Sitzmöglichkeiten im Schatten; an die viel empfindlicheren Kinder hat man aber offenbar nicht überall gedacht.»

Pflanzen oder Sonnensegel

Bei Sonnenschutzmassnahmen denken die beiden jungen Eltern an Pflanzen oder die Installation eines Sonnensegels, wie es zum Beispiel eines im Terrassenschwimmbad Baden gibt. «Um möglichst rasch einen wirksamen Schutz zu haben, müssten am Anfang sicher Sonnensegel installiert werden, bis die Pflanzen eine genügende Grösse erreicht haben», so Auderset Stutz, die unweit des Spielplatzes wohnt. Mit ihrem Anliegen sind die beiden nicht allein. «Wir haben viel Zustimmung und Support von anderen Eltern im Quartier erhalten», so die junge Mutter.

Neuenschwander hofft nun, dass sein Anliegen beim Gemeinderat, und später auch beim Einwohnerrat Anklang findet. Dies umso mehr, «als es sich ja um begrenzte Investitionen handeln würde». Theoretisch hätte er gleich auch noch verlangen können, dass auf dem Spielplatz Sonnencreme-Spender aufgestellt werden. Eine verrückte Idee? Auf einigen Spielplätzen in Skandinavien ist dies Tatsache.