Baden

SP-Politikerinnen Elena Flach und Mia Gujer machen Wahlkampf mit Tampons

Sie wollen Gleichstellung in allen Lebensbereichen: Elena Flach (l.) und Mia Gujer (beide SP).

Elena Flach und Mia Gujer machten auf dem Badener Schlossbergplatz auf ein besonderes Anliegen aufmerksam.

Sie sind beide jung, sozialdemokratisch und kandidieren für den Nationalrat: Elena Flach, 27, Präsidentin der SP Frauen Aargau aus Endingen, und Mia Gujer, 24, Geschäftsleitungsmitglied der SP Aargau und Einwohnerrätin aus Wettingen. Sie verteilten am Dienstagabend auf dem Schlossbergplatz in Baden Tampons an Passantinnen und Passanten.

Man mag das für eine plumpe Wahlkampfaktion halten. Die beiden Frauen wollten mit der Aktion aber auf ein ernstes Anliegen aufmerksam machen: Tampons und andere Hygieneartikel werden in der Schweiz – wie in anderen europäischen Ländern – immer noch als «Luxusartikel» mit 7,7 Prozent Mehrwertsteuer und damit höher besteuert als etwa Katzenstreu, Holzschnitzel oder Potenzmittel wie Viagra. 

Viel Zustimmung von Frauen und Männern

Die Aktion kam bei den Badenerinnen und Badenern durchweg gut an. «Wir haben sehr positive Rückmeldungen erhalten», sagt Mia Gujer. «Viele Frauen haben sich gefreut, manche waren etwas irritiert.» Nach einem kurzen klärenden Gespräch sei aber nur Zustimmung für das Anliegen zu hören gewesen.

«Ein, zwei Männer waren etwas peinlich berührt, aber auch sie konnten wir überzeugen», sagt Gujer. Für die Anpassung auf einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von 2,5 Prozent kämpft unter anderem auch der Neuenburger Nationalrat Jacques-André Maire (SP).

Er reichte bereits 2016 im Rat eine Motion ein, in der es hiess: «Der Bundesrat wird beauftragt, einen Vorschlag auszuarbeiten, damit auf grundlegenden Hygieneartikeln (Tampons und Binden, Windeln, WC-Papier, Seife, Zahnpasta usw.) der reduzierte Mehrwertsteuersatz Anwendung findet.»

Die Landesregierung empfahl die Motion zur Ablehnung, der Nationalrat folgte. Mittlerweile hat Maire eine erneute Motion eingereicht, in der es nur noch um Damenhygieneartikel geht. Bundesrat und Nationalrat sind für die Annahme der Motion, der Ständerat muss aber noch zustimmen. Unterdessen wurde in Bern auch eine Petition übergeben, mit dem Aufruf, der Motion von Maire zuzustimmen.  

Über 2000 Franken Mehrkosten

Flach und Gujer wollen sich so oder so für Gleichstellung und Frauenförderung einsetzen, wie sie sagen. Unabhängig davon, ob sie am 20. Oktober in den Nationalrat gewählt werden oder nicht.

Auf dem Flyer, den sie gestern in Baden mit den Tampons verteilten, kritisieren Flach und Gujer, dass eine Frau allein für die Mehrkosten von Tampons und Binden im Laufe des Lebens über 2000 Franken bezahlt. Im Nationalrat würden sie sich deshalb dafür einsetzen, dass der Staat die Kosten für Hygieneartikel komplett übernimmt.

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