Um die Nachfolge von Gemeindeammann Rolf Senn (CVP) kommt es in Gebenstorf zu einem Duell. Wird Giovanna Miceli (50, SP) gewählt, käme es gleich zu einer doppelten Premiere: Sie wäre die erste Frau Gemeindeammann in Gebenstorf, und erstmals hätten die Sozialdemokraten diesen Sitz inne. «Ich bin überzeugt, dass ich sehr gute Wahlchancen habe», sagt sie. «Ich bin eine waschechte Gebenstorferin und habe in den vergangenen vier Jahren im Gemeinderat sehr gute Arbeit geleistet.» Aufgrund ihrer umfangreichen Erfahrung in der Politik, in verschiedenen Gremien und Kommissionen sowie im Beruf als Bankfachfrau, auch in führender Funktion, fühle sie sich gewachsen, die Gemeinde zu führen, sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Was würde sie anders machen als Rolf Senn? «Als Frau Gemeindeammann ist es mir ein grosses Anliegen, das Vertrauen in den Gemeinderat zu stärken», sagt sie. In den kommenden Jahren stünden in Gebenstorf grosse Investitionen an, wie beispielsweise Schulbauten. «Wichtig ist, dass wir unsere Bürger von Anfang an abholen, in den Projektprozess einbinden und dass wir stets transparent über die Finanzen informieren.»

Auf die Frage, wie ihr politisches Profil aussehe, wo sie innerhalb der SP einzuordnen sei, antwortet sie: «Das ist für das Gemeindeammann-Amt keine entscheidende Frage. Wichtig ist eine lösungsorientierte Sachpolitik, unabhängig davon, welcher Partei wir angehören.»
Nicht äussern will sie sich zur laufenden Abstimmungsbeschwerde, wonach sie an der Sommergemeindeversammlung die Ausstandspflicht missachtet haben soll. «Die Beschwerde richtet sich gegen den gesamten Gemeinderat, da ich ja als Vertreterin und namens des Gemeinderates als Kollegialbehörde handle und nicht in Eigenregie.» Zum laufenden Verfahren nehme sie keine Stellung. Sie vermutet, die Beschwerde sei bereits Teil des Wahlkampfes gewesen.

Grün angehauchter linker CVPler

Ihr Herausforderer heisst Fabian Keller (57, CVP) Software-Ingenieur, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Politische Erfahrung bringt er noch keine mit, «allerdings ist die Arbeit in der Direktion einer Grossbank in der heutigen Zeit eine sehr politische Angelegenheit, weshalb ich mir das Amt sehr wohl zutraue». Keller sagt, er sei im Dorf verwurzelt, mit einer waschechten Gebenstorferin seit über 30 Jahren verheiratet; er war Mitbegründer und langjähriger Präsident des Blasorchesters Gebenstorf sowie Vertreter der Vereinspräsidenten.

Zur Kandidatur entschloss er sich, als bekannt wurde, dass der amtierende Ammann Rolf Senn (CVP) zurücktritt. Er sei von verschiedenen Seiten angefragt worden und sehe es für Gebenstorf als Vorteil, von aussen in den Gemeinderat zu kommen. Zuvor keiner Partei angehörig, hat er sich der CVP angeschlossen. «Ich wollte mich unbedingt positionieren und würde mich als eher linken CVPler einordnen. Mich überrascht, dass die SP als einzige Dorfpartei mich nicht einmal angehört hat, eigentlich bin ich auch ein wenig ein Grüner, ich fahre lieber und besser Velo als Auto.» Unterstützt wird er von allen bürgerlichen Parteien, auch von der SVP.

Einige Herausforderungen hätte er anders gelöst als Rolf Senn: «Mit den Vereinsmitgliedern der islamischen Gemeinschaft hätte ich viel früher das Gespräch gesucht und verbindliche Regeln definiert. Jetzt steht die Moschee im Dorf, und wir müssen das Beste aus der Situation machen», sagt Keller. Anders gelöst hätte er auch die Situation im Einkaufsgebiet Geelig, wo sich viele Grossverteiler angesiedelt haben. «Die Verkehrssituation wurde nicht ideal gelöst, die Strassen sind eng und der öffentliche Verkehr wurde nicht berücksichtigt. Es hätte Trottoirs gebraucht und mehr unterirdische Parkplätze.»

Ein wichtiges Anliegen als Gemeindeammann wären ihm die Gemeindefinanzen. «Wir müssen das Notwendige vom Wünschbaren trennen und die langjährige Finanzplanung neu strukturieren.» Die laufenden Projekte sollen professioneller abgewickelt werden, damit die Anzahl Nachtragskredite abnimmt.