Rasant und präzis sind die Zapateados (Schrittfolgen) von Alvise Carbone, irrwitzig schnell die Drehungen, gross und expressiv seine Gesten und stolz die Körperhaltung. Dem dunkelgelockten 1,86-Meter-Hünen laufen die Schweissperlen über die Stirn. Er trainiert für die Produktion Perlas Peregrinas die Rolle des Don Quijote, und diese fordert ihm die Kondition eines Hochleistungssportlers ab.

Mit «Perlas Peregrinas» feiert die Tanzcompagnie Flamencos en route ihr 30-jähriges Bestehen. Der Titel der Choreografie ist eine Anspielung auf die legendäre Perle «La Peregrina», die einst vom Spanischen Hof aus in viele königliche Schmuckschatullen der Welt wanderte.

So leidenschaftlich, wie sich der Tänzer Alvise Carbone den Schritten hingibt, lässt Sänger Pedro Obregon als Sancho Panza seine Stimme erklingen: fordernd, aufbegehrend, manchmal fast zornig, um Fantast Quijote von seinen Höhenflügen auf den Boden der Realität zurückzuholen. Dazu spielt Juan Gomez virtuos auf der Gitarre. Flamenco in Reinkultur, voller Kraft und Leidenschaft und schon bei den Proben im Oederlin-Areal absolut Gänsehaut-erzeugend.

Miguel de Cervantes’ «Don Quijote», die Perle aus der spanischen Literatur, gehört zu den choreografischen Schmuckstücken, die Brigitta Luisa Merki mit ihrer Tanzcompagnie Flamencos en route in «Perlas Peregrinas» im Kurtheater auf die Bühne bringt.

«Alvise Carbone ist ein wunderbarer Interpret, sowohl künstlerisch als auch technisch», schwärmt die Choreografin vom 33-jährigen Italiener. «Er beherrscht die strengen, traditionellen Formen des Flamencos bis in die Fingerspitzen, hat aber auch den Mut, daraus auszubrechen, und sie mit neuen Elementen zu erweitern. Alvise stellt einen sehr modernen Don Quijote dar.»

Für den Tanz geboren

Carbone gehört seit 2010 zu «Flamencos en route». Der gebürtige Venezianer ist vor einem Jahr nach Wettingen gezogen. Etwas anderes als tanzen kam für ihn nie infrage. Beide Eltern waren Tänzer, der Vater wurde später zum Direktor an der Scala in Mailand berufen, wo die Schwester heute Primaballerina ist. Sein Bruder arbeitet als Solist an der Pariser Oper. Bereits mit sechs Jahren tanzte er in der Ballett-Schule seiner Mama.

«Sie war ziemlich streng, wollte das Beste aus mir herausholen», erinnert Carbone sich an seine Anfänge. Mit zehn Jahren merkte er, dass klassischer Tanz nicht seine wahre Berufung ist. Schliesslich entdeckte er sie im Flamenco. «Meine Eltern waren anfänglich nicht begeistert. Flamenco bedeutete für sie Zigeunertanz und keine hohe Kunst», sagt er und lacht. Denn längst hat er sie mit seinem Können eines Neuen belehrt.

Bei seiner Ausbildung im andalusischen Jerez de la Frontera lernte er, die Seele des Flamencos zu verstehen, und tanzte später unter anderem in der Tanzkompanie des weltberühmten José Greco. Im Aargau fühlt sich der Weltenbummler angekommen, schätzt die Ruhe an seinem neuen Wohnort. Auch seine Schweizer Ehefrau Martina ist Tänzerin. Er hat sie bei einer Produktion von «Flamencos en route» kennen gelernt. Vor sieben Monaten hat die gemeinsame Tochter Alma das Licht der Welt erblickt.

«Perlas Peregrinas» – 30 Jahre «Flamencos en route». Premiere: 18. Oktober 2014, 19.30 Uhr, im Badener Kurtheater. Weitere Vorstellungen am 19.10., 18 Uhr, und 21.10., 20 Uhr. Vorverkauf: Info Baden, Bahnhofplatz 1, Baden, Tel. 056 200 84 84.