Baden-Dättwil
Spar will Unia für Blockade des Dättwiler Shops zur Kasse bitten

Nach dem Ende der Blockade des Spar-Tankstellenshops in Baden-Dättwil könnte es für die Unia ungemütlich werden: Der Detailhändler will die Gewerkschaft für den Schaden des Streiks zur Kasse bitten. Die Rede ist von mehreren hunderttausend Franken.

Pascal Meier und Manuel Bühlmann
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Durch die elftägige Blockade des Tankstellenshops in Baden-Dättwil sei für Spar ein grosser Schaden entstanden, erklärt Sprecher Ronald Haug gegenüber der az, und sagt klipp und klar: «Wir werden die Unia dafür zur Rechenschaft ziehen und den Schaden voll auf die Gewerkschaft abwälzen.»

Die Gesamthöhe des Schadens ist laut Ronald Haug noch unklar, da zuerst eine Bestandesaufnahme im Shop gemacht werden müsse. Haug: «Wir sprechen aber allein von Umsatzeinbussen in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken.»

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Unia bricht Blockade bei Spar in Dättwil ab.

Alex Spichale

Die Gewerkschaft Unia und die zehn streikenden Angestellten hatten am Donnerstag um 15 Uhr nach elf Tagen Streik ihre abgebrochen - dies alles andere als freiwillig: Denn wenige Stunden zuvor erliess das Bezirksgericht Baden auf Antrag von Spar eine Verfügung, dass die Blockade bis 16 Uhr abgebrochen werden muss, sonst werde die Polizei aufgeboten.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Streikende

Auch die Staatsanwaltschaft sitzt den Streikenden und den Gewerkschaftern im Nacken. Denn das Bezirksgericht Baden hatte bereits vor einer Woche mit einer superprovisorischen Verfügung die sofortige Aufhebung der «unverhältnismässigen und unzulässigen» Blockade verlangt, was die Streikenden aber nicht taten. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb mehrere Strafverfahren wegen Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung eröffnet. Zudem laufen Strafverfahren wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. (pi)

Die Gewerkschaft gibt sich jedoch nicht geschlagen und hat gestern den Streik zum Spar-Hauptsitz in St. Gallen verlegt. Von einer Kapitulation könne keine Rede sein. Emmenegger sagt aber auch, dass mit der Aufhebung der Blockade das wichtigste Druckmittel der Streikenden weggefallen sei.

Spar hat den Streikenden fristlos gekündigt

Die zehn aufmüpfigen Angestellten, die unter kräftiger Unterstützung der Gewerkschaft Unia den Dättwiler Spar-Tankstellenshop blockiert hatten, sind in der Zwischenzeit fristlos entlassen worden, wie gestern bekannt wurde.

«Trotz Verwarnungen haben sie die illegale Blockade tagelang aufrechterhalten», begründet Spar-Sprecher Ronald Haug diesen Schritt. Die anderen rund ein Dutzend Mitarbeitenden, die nicht am Streik beteiligt waren, würden im Shop weiter beschäftigt.

Aufstand für bessere Arbeitsbedingungen

Der Arbeitskonflikt war am 3. Juni ausgebrochen. Angestellte und Unia kritisierten die Arbeitsbedingungen und die Höhe der Löhne beim Detailhändler Spar und traten in den Streik. Gemäss Unia beträgt der Lohn bei einer Vollzeitstelle 3600 Franken. Am Streik beteiligt sich rund die Hälfte der insgesamt 21 Beschäftigten des Tankstellenshops.

Von einer Niederlage mag Snezana Maksimovic, stellvertretende Filialleiterin, nicht sprechen. Die Verhandlungen müssten weitergeführt werden. «Die Kraft dafür ist auch nach elf Streiktagen noch da», versichert sie. Auch die Spar-Führung zeigt sich gesprächsbereit. Mit der Aufhebung der Blockade sei ihre Hauptbedingung für Verhandlungen nun erfüllt.