Baden
«Spedition» schliesst – damit geht eine der letzten «Gault-Millau»-Beizen zu

Die «Spedition» im Merkerareal ist Geschichte – wegen Umsatzeinbussen hat der Betreiber Ende April die Schliessung beschlossen. Betroffen sind 12 Mitarbeitende, denen mit sofortiger Wirkung gekündigt wurde.

Martin Rupf
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Seit Ende April zu: Das «Gault Millau»-Restaurant Spedition. mru

Seit Ende April zu: Das «Gault Millau»-Restaurant Spedition. mru

Wer dieser Tage in der Spedition einkehren will, steht vor geschlossenen Türen: Die Passevite Gastro AG, Betreiberin der «Spedition» hat die Schliessung des Restaurants beschlossen. Die 12 Mitarbeitenden wurden mit sofortiger Wirkung entlassen.

Maurizio Solazzo, VR-Präsident der Passevite Gastro AG, bestätig die Schliessung: «Die Probleme zeichneten sich schon sehr früh ab. Eigentlich hätten wir aufgrund der schlechten Zahlen bereits nach dem ersten Jahr den Betrieb einstellen müssen.» Man habe zu optimistisch kalkuliert, es seien zu viele Mitarbeiter eingesetzt worden, und auch die hohe Miete habe man unterschätzt.

«Diese betrug im ersten Betriebsjahr knapp 200 000 Franken im Jahr», so Solazzo. «Obwohl es mit Zahlen dann wieder aufwärts ging und die Vermieterin, die Merker Liegenschaften AG, uns entgegengekommen ist, konnten wir das Ende des Restaurants nicht abwenden.»

Als einen der Gründe für die missliche Lage der «Spedition» führt Solazzo die Bauarbeiten im Frühling 2012 auf der Bruggerstrasse an. «Die Strasse war während fast acht Monaten zu, das hat sich spürbar auf den Umsatz ausgewirkt, da auswärtige Gäste nicht mehr direkt mit dem Auto zufahren konnten.»

Spedition eröffnete 2009

Mit dem Konkurs der «Spedition» verliert die Stadt Baden eines ihrer letzten «Gault Millau»-Restaurants. Nun gibt es nur noch eines: das «Torre» mit 13 «Gault-Millau»-Punkten. Im Herbst 2009 schaffte es das Spedition-Restaurant mit Chefkoch Jean-Michel Vionnet auf Anhieb auf 14 «Gault Millau»-Punkte. Doch 2012 fiel das Restaurant wieder auf dem Gastro-Führer heraus. Grund dafür war der Abgang von Vionnet. Bereits im gleichen Jahr waren mit dem neuen Chefkoch Torsten Rachlok die Punkte aber wieder zurück - auch wenn nur deren 13. Der damalige Geschäftsführer Reto Grohmann war überzeugt, dass die «Spedition» Potenzial für 14 bis 15 Punkte habe. (mru)

Die Probleme seien danach nicht kleiner geworden, zumal das Parkhaus Gartenstrasse seit Anfang Februar wegen Umbaus geschlossen sei und die neue Linienführung zum Parkhaus für Auswärtige leider zu spät und falsch signalisiert worden sei. «Dies habe ich dem Kanton und der Stadt gemeldet – mit wenig Erfolg.»

Weil Solazzo immer wieder frisches Kapital in die Spedition eingebracht habe, sie die momentane Schuldenlast gering.. Trotzdem sei er zum Schluss gekommen, dass das Restaurant leider keine Perspektiven mehr habe.

Er habe noch intensiv nach einem Käufer beziehungsweise einem Investor gesucht – ohne Erfolg. «Es tut mir natürlich in erster Linie für die 12 Mitarbeitenden leid, denen ich kündigen musste.» Darunter seien auch drei Lehrlinge, «für die wir aber eine Lösung suchen, damit sie ihre Lehre in einem anderen Betrieb fortsetzen können.»

Grosses Bedauern

Peter Conrad, Verwaltungsrat der Merker Liegenschaften AG, bedauert das Ende der Spedition. «Wir sind überrascht, dass es so weit kommen musste, zumal wir der Mieterin mit einer Anpassung des Mietvertrages entgegengekommen sind.»

Er bezeichnet die Schliessung als überstürzt. «Wir hätten wir es geschätzt, vorher informiert zu werden.» Das lässt Solazzo so nicht stehen: «Ich habe oft und auch schriftlich informiert, dass die Spedition seit Jahren nur mit persönlichen Zuschüssen meinerseits überlebt. Letzte Woche habe ich einen möglichen Nachfolger vorgeschlagen, der aber nicht bereit war, die hohe Miete zu bezahlen.

Conrad betont, dass der Verwaltungsrat jetzt bestrebt sei, so rasch als möglich eine Nachfolgelösung zu finden. «Wir haben zuerst erwogen, den Betrieb selber ad itermin zu führen, mussten aber einsehen, dass dies nicht realistisch gewesen wäre.» Ziel sei es auf jeden Fall, dass wieder ein anständiges Restaurant als Mieterin gefunden werden könne.

Von der Schliessung ist auch das Bluesfestival (18. bis 25. Mai) betroffen. «Wir hatten zwei Anlässe in der «Spedition» geplant», sagt Festival-Präsidentin Susanne Slavicek. Für eine geschlossene Gesellschaft habe man eine Lösung gefunden und das Konzert von Yvonne Moore am 22. Mai (20 Uhr) habe gleich nebenan in die Stanzerei verlegt werden können.